Buddhistisches Zentrum Gretzenbach
«Der Buddhismus ist keine Religion, sondern eine Lebensphilosophie»

Mit Tragtaschen voller Essen, als Gaben für die besitzlosen buddhistischen Mönche, kamen Hunderte Gäste an die Makha-Puja-Zeremonie im buddhistischen Tempel in Gretzenbach.

Peter Weingartner
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Stillleben mit Buddha
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Geldspenden werden vom Spendenträger aus Bananenblättern gepflückt und gezählt
Fünf Mönche und ein Novize leben derzeit in Gretzenbach
Einer der Mönche hält die Lehransprache
Die Nonnen singen bei den Segensgebeten mit
Die Mönche und die Gäste umrunden den Tempel
Die Mönche essen die von den Besuchern mitgebrachten Speisen
Eindrücke der Makha-Puja-Zeremonie im buddhistischen Tempel in Gretzenbach.
Die Besucher übergeben den Mönchen ihre Gaben
Der Blick in den Tempel
Zum Schluss der Veranstaltung erfolgt die dreimalige Tempelumrundung mit Kerzen, Blumen und Räucherstäbchen

Stillleben mit Buddha

Peter Weingartner

Der Saal unter dem buddhistischen Tempel in Gretzenbach ist rappelvoll. In der Luft hängt ein würziger Duft, auf den Tischen liegen Blumen und stehen Esswaren aller Art. Die Freunde des Tempels feiern die Makha-Puja-Zeremonie.

Christian Biedermann, Präsident der Tempel-Vereinigung, erklärt, worum es geht: Vor rund 2500 Jahren hatten 1250 Mönche Buddha aufgesucht, worauf dieser ihnen eine Lehransprache gehalten habe.

Keine Religion

Deren Quintessenz lässt sich in drei Geboten zusammenfassen: Nichts Böses tun, Gutes tun und den Geist reinigen durch Meditation. «Der Buddhismus ist keine Religion, sondern eine Lebensphilosophie», sagt Biedermann, der in seiner reformierten Kirchgemeinde in Schaffhausen als Revisor amtet.

Gutes tun, das heisst auch spenden. Die besitzlosen Mönche, zurzeit sind es fünf und ein Novize, erhalten von den Anwesenden Esswaren und Getränke: Das erklärt die vollen Tragtaschen der Besucher, die überstellten Tische. Die Gabenspende erfolgt persönlich.

Die Gegenleistung der Mönche ist hörbar. Ihre Segensgebete werden mit sonorer Stimme vorgetragen, mehrstimmig, einlullend, meditativ. Viele der Besucher – auch die 30 weiss gekleideten Nonnen auf Zeit, die drei Tage in Gretzenbach verbringen, und der Sekretär der thailändischen Botschaft in der Schweiz – falten die Hände, schliessen die Augen. Die Andacht wird individuell gelebt. Man darf auch reden miteinander, kann trinken. Es herrscht fröhliche Gelassenheit.

Die Freunde des Tempels sollen auch Bares spenden: Der Kredit von einer Million Franken für den Landkauf, auf dem der Parkplatz steht, ist erst zu drei Fünfteln zurückbezahlt. Vorgesehen ist laut Biedermann auch der Bau einer Halle auf dem Grundstück.

Zuerst essen die Mönche. Dazu legen die Besucher der Zeremonie auch ihr mitgebrachtes Essen vor die Mönche. Wenn sie es zurückholen, um es selber zu essen, ist es nach Überzeugung der Buddhisten wertvoller geworden. Gesegnet sozusagen. Und noch einmal wird gesungen: Der ranghöchste Mönch singt eine Zeile vor, das Volk wiederholt.

 Die Besucher der Zeremonie haben ihr mitgebrachtes Essen in Dutzenden Schalen vor die Mönche gelegt.
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 «Der Buddhismus ist offener als der Katholizismus», sagt Peter Giesser aus Laufenburg D: Er findet die Lehre interessant, sieht aber aus zeitlichen Gründen keine Möglichkeit, tiefer einzudringen.
 Heinz Bachmann, Zürich, löst Sudoku-Rätsel. «Die Gebete dauern sehr lange, aber das gehört halt dazu», sagt er. Er ist reformiert, aber kirchlich nicht aktiv. «Der Buddhismus gehört zur Kultur meiner Frau, und ich respektiere ihn, ohne selber mitmachen zu müssen», sagt Bachmann, «und als Spende haben wir ein Wägeli voll Esswaren mitgebracht.» Sagts und wendet sich wieder seinen Sudoku zu.
 Durch seine thailändische Frau ist Ueli Bär aus Kloten zum Buddhismus gekommen. «Ich bin fast jedes Wochenende in Gretzenbach, denn meine Frau unterrichtet hier als Lehrerin für Früchte- und Gemüse-Schnitzen. Noch gehöre ich der reformierten Landeskirche an. «Das lässt sich gut miteinander verbinden.»
 Seine Freundin Pat Rachayon hat Manuel Ramos aus Reinach BL schon mehrmals mit nach Gretzenbach genommen. «Alle helfen mit; jeder bringt etwas. Das beeindruckt mich. Die Spenden sind auch für die verstorbenen Verwandten», sagt der aus der Kirche ausgetretene ehemalige Katholik. Die beiden haben nicht nur Esswaren mitgebracht, sondern auch Orchideen.
 «Vor 13 Jahren lernte ich auf einer Asienreise meine Frau kennen, lud sie in die Schweiz ein, und nach zwei Monaten haben wir geheiratet», sagt Ueli Anliker aus Winznau: In abgelegenen Tempeln habe er, der aus steuertechnischen Gründen aus der Kirche ausgetreten ist, seinen Seelenfrieden gefunden. Er meditiert oft in Gretzenbach.
 Sie sei nicht wirklich Buddhistin, sagt Nadja Böni aus Seuzach, sondern eigentlich reformiert. «Ich habe mich schon früher dafür interessiert, war auch schon im Kloster in Rikon», sagt sie. Über ihren Mann Chaowalit Rasridee kam sie zur Gemeinschaft in Gretzenbach. Ihr gefällt das gemeinsame Essen und Feiern: «Ein fröhliches Fest.» Selbstverständlich haben sie zu Hause eine Buddha-Statue.

Die Besucher der Zeremonie haben ihr mitgebrachtes Essen in Dutzenden Schalen vor die Mönche gelegt.

Peter Weingartner

Mönch sein auf Zeit

Mönch sein – für die meisten nur auf Zeit, drei Monate, in Europa auch nur ein paar Wochen – gehöre in Thailand zum Mannwerden, sagt Stiftungsrat Niklaus Krattiger aus Basel: «Ein Initiationsritus, der den jungen Mann und seine Eltern fordert.»

Wer aber Mönch bleibt, lebt sein Leben lang streng zölibatär. Er enthält sich auch berauschender Mittel, meditiert. Damit ist es freilich nicht getan. «Mönche sind Seelsorger; das ist ihre Hauptaufgabe», so Krattiger: «Man erhält immer gute Antworten auf Lebensfragen.»

Den farbenfrohen Abschluss der Zeremonie bildete am Sonntagnachmittag die dreimalige Tempelumrundung mit Kerzen, Blumen und Räucherstäbchen.