Der Saal unter dem buddhistischen Tempel in Gretzenbach ist rappelvoll. In der Luft hängt ein würziger Duft, auf den Tischen liegen Blumen und stehen Esswaren aller Art. Die Freunde des Tempels feiern die Makha-Puja-Zeremonie.

Christian Biedermann, Präsident der Tempel-Vereinigung, erklärt, worum es geht: Vor rund 2500 Jahren hatten 1250 Mönche Buddha aufgesucht, worauf dieser ihnen eine Lehransprache gehalten habe.

Keine Religion

Deren Quintessenz lässt sich in drei Geboten zusammenfassen: Nichts Böses tun, Gutes tun und den Geist reinigen durch Meditation. «Der Buddhismus ist keine Religion, sondern eine Lebensphilosophie», sagt Biedermann, der in seiner reformierten Kirchgemeinde in Schaffhausen als Revisor amtet.

Gutes tun, das heisst auch spenden. Die besitzlosen Mönche, zurzeit sind es fünf und ein Novize, erhalten von den Anwesenden Esswaren und Getränke: Das erklärt die vollen Tragtaschen der Besucher, die überstellten Tische. Die Gabenspende erfolgt persönlich.

Die Gegenleistung der Mönche ist hörbar. Ihre Segensgebete werden mit sonorer Stimme vorgetragen, mehrstimmig, einlullend, meditativ. Viele der Besucher – auch die 30 weiss gekleideten Nonnen auf Zeit, die drei Tage in Gretzenbach verbringen, und der Sekretär der thailändischen Botschaft in der Schweiz – falten die Hände, schliessen die Augen. Die Andacht wird individuell gelebt. Man darf auch reden miteinander, kann trinken. Es herrscht fröhliche Gelassenheit.

Die Freunde des Tempels sollen auch Bares spenden: Der Kredit von einer Million Franken für den Landkauf, auf dem der Parkplatz steht, ist erst zu drei Fünfteln zurückbezahlt. Vorgesehen ist laut Biedermann auch der Bau einer Halle auf dem Grundstück.

Zuerst essen die Mönche. Dazu legen die Besucher der Zeremonie auch ihr mitgebrachtes Essen vor die Mönche. Wenn sie es zurückholen, um es selber zu essen, ist es nach Überzeugung der Buddhisten wertvoller geworden. Gesegnet sozusagen. Und noch einmal wird gesungen: Der ranghöchste Mönch singt eine Zeile vor, das Volk wiederholt.

Mönch sein auf Zeit

Mönch sein – für die meisten nur auf Zeit, drei Monate, in Europa auch nur ein paar Wochen – gehöre in Thailand zum Mannwerden, sagt Stiftungsrat Niklaus Krattiger aus Basel: «Ein Initiationsritus, der den jungen Mann und seine Eltern fordert.»

Wer aber Mönch bleibt, lebt sein Leben lang streng zölibatär. Er enthält sich auch berauschender Mittel, meditiert. Damit ist es freilich nicht getan. «Mönche sind Seelsorger; das ist ihre Hauptaufgabe», so Krattiger: «Man erhält immer gute Antworten auf Lebensfragen.»

Den farbenfrohen Abschluss der Zeremonie bildete am Sonntagnachmittag die dreimalige Tempelumrundung mit Kerzen, Blumen und Räucherstäbchen.