Aarau
Der «Binzenhof»-Bauer schickte seine Kühe ins Exil – trotz des grossen Mehraufwands

Die Familie Knörr erzählt, wie sie und die Hündin Jabba den Umbau des Hofes erleben.

Hermann Rauber
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Der «Binzenhof»-Bauer schickte seine Kühe ins Exil
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Dort, wo in Aarau der alte Milchviehstall stand, hat es jetzt eine Baugrube (l.).

Der «Binzenhof»-Bauer schickte seine Kühe ins Exil

Erdhügel, Steinhaufen, ein Kran und Männer mit Schutzhelmen zeigen, dass im Aarauer Binzenhof etwas Neues entsteht. Für die Pächterfamilie Knörr ist die Bauphase mit dem künftigen Milchviehstall als Kernstück eine «logistische Herausforderung». Denn der Betrieb des Bauernhofs geht ohne Abstriche weiter.

Die 30 Kühe und die 20 Stück Jungvieh sind seit Herbst im Exil, und zwar in einem Laufstall auf dem Hof von Beat Tännler in Gretzenbach SO. Drei Pferde und zwei Ponys haben vorübergehend in der Schachenscheune an der Grenze zu Wöschnau SO eine neue Heimat gefunden.

Im Binzenhof geblieben sind einzig die Hühner und die dreijährige Hofhündin Jabba, die laut Susanne Knörr «anfangs in der neuen Situation etwas ratlos war, sich aber jetzt auf die täglichen Ausflüge nach Gretzenbach freut, wo sie mit Eifer zum Rechten sieht».

Für Bauer Peter Knörr aber ist die Auslagerung der Tiere mit beträchtlichem Mehraufwand verbunden, mehrmals am Tag nimmt er den Weg zum sechs Kilometer entfernten Stall in Gretzenbach oder in die provisorische Werkstatt im Schachen unter die Räder. Das hat zur Folge, dass «nicht mehr immer alle pünktlich zum Mittagessen erscheinen», sagt die Binzenhof-Bäuerin.

Drei Millionen Franken teuer

Doch mit der Lösung in Gretzenbach ist die Familie Knörr zufrieden, es sei fast wie ein «Sechser im Lotto», dass man eine Bleibe für alle Tiere am gleichen Standort gefunden habe und die Herde damit zusammen bleiben könne. Ein Glücksfall ist sicher auch der Umstand, dass Sohn Kevin nach dem Abschluss seiner Lehre als Landwirt hilft, den Mehraufwand für die Aufrechterhaltung des Bauernbetriebs zu bewältigen, zusammen mit seiner Freundin Luana, die allerdings im Januar einen Sprachaufenthalt in Australien antritt.

Kevin Knörr konnte zu Gunsten seines Einsatzes auf dem väterlichen Pachtgut die Rekrutenschule verschieben und muss erst am 1. Juli des kommenden Jahres einrücken. Bis dann hofft die ganze Familie Knörr, das Gröbste überstanden zu haben. Im besten Fall können alle Tiere im Juli oder August wieder in den Binzenhof zurückkehren.

Die gesamte Anlage im Binzenhof wird laut Margrit Röthlisberger, Leiterin der Sektion Liegenschaften der Ortsbürgergutsverwaltung Aarau, «etappenweise bezogen». Die Realisierung verlaufe zeitlich «nach Plan», nicht zuletzt begünstigt durch das trockene Wetter. Ganz abgeschlossen sein sollen die Bauarbeiten des 3-Millionen-Vorhabens der Ortsbürgergemeinde dann im Oktober 2017.

Uraltes Güllenloch entdeckt

Peter Knörr verfolgt die Realisierung der neuen Anlage vor Ort und ist für die Bauarbeiter auch Ansprechpartner. Der Start erfolgte am 20. Oktober. Beim Abbruch der Gebäulichkeiten aus den 1950er Jahren kam kein Goldschatz ans Tageslicht, wohl aber ein uraltes Güllenloch, das entsorgt werden musste.

Nicht auf dem Bauschutt gelandet ist ein Türbogen mit der Jahrzahl 1732, der in der alten Werkstatt gefunden wurde. Dieser Zeitzeuge des historischen Aarauer Bauerngutes im oberen Zelgli, das als stattliches Landhaus weit in die Bernerzeit zurückreicht, soll dereinst wieder einen gebührenden Platz erhalten.

Bis kurz vor Weihnachten waren die Arbeiten für die Platten und die Wände der künftigen Remise im Gange. Der Hofladen wurde bereits im letzten Herbst mit einem Hebekran in den Vorgarten des Wohnhauses verschoben.

Die Frequenz, so Susanne Knörr, sei allerdings spürbar zurückgegangen, vor allem die Besuche von Familien mit Kindern, die jeweils wegen der Tiere auf dem Bauernhof vorbeikamen. Trotzdem sieht die zweite und dritte Generation der Pächterfamilie Knörr mit Zuversicht ins neue Jahr.

Dieses wird ihnen nicht nur eine Betriebsstruktur mit zeitgemässen Standards bringen, sondern auch einen neuen Pachtvertrag mit der Ortsbürgergemeinde Aarau, der schon anfangs 2017 für eine Dauer von neun Jahren von beiden Seiten unterzeichnet wird. «Damit können wir nach den jahrelangen Diskussionen über die Betriebsführung wieder in eine sichere Zukunft blicken», betont Susanne Knörr mit spürbarer Erleichterung im Gesicht.