Wahlen 2019

Der Bezirk Aarau will zurück nach Bundesbern

Der Bezirk Aarau könnte nach 10 Jahren wieder in die Vereinigte Bundesversammlung einziehen.

Seit zehn Jahren ist er nicht mehr im eidgenössischen Parlament vertreten. Früher stammten nationale Grössen aus dem Raum Aarau.

Achten die Wähler zu wenig auf die Region? Oder sind die Kandidaten nicht attraktiv genug? Oder ist alles einfach Zufall? Fest steht: Der Bezirk Aarau ist mit 78 511 Einwohnern zwar der zweitgrösste im Kanton (hinter Baden mit 144 700 Einwohnern).

Aber er ist seit zehn Jahren nicht mehr in Bern vertreten. Urs Hofmann (SP) war der letzte Nationalrat aus der Kantonshauptstadt. Er war von 1999 bis 2009 in Bern aktiv. Thomas Pfisterer (FDP) war der letzte Ständerat (1999 bis 2007).

Die Aarauer Absenz in Bern ist umso bemerkenswerter, als in den frühen Siebzigerjahren und Mitte der Achtzigerjahre zwei Politiker aus dem Bezirk fast Bundesräte geworden wären. Beide waren auch nationale Parteipräsidenten: Arthur Schmid jun. (91, Oberentfelden) bei der SP, Bruno Hunziker (gest. 2000 in Aarau) bei der FDP.

Fast die ganzen Siebzigerjahre hindurch stellte der Bezirk gleichzeitig vier Nationalräte: Arthur Schmid politisierte von 1959 bis 1979 in Bern. Hans Roth (gest. 2003 in Erlinsbach) war von 1967 bis 1983 Bundesparlamentarier. Zuerst für die BGB, dann für die neu gegründete SVP.

Ebenfalls sehr lange im Nationalratssaal präsent war der Kanti-Professor Heinrich Staehelin (gest. 1976 in Aarau) Er war von 1961 bis 1976 LdU-Nationalrat. Der Freisinnige Hans Letsch (gest. 2015 in Aarau) begann seine Karriere in Bern 1971. Nach acht Jahren im Nationalrat wechselte er 1979 in den Ständerat (zwei Amtsperioden bis 1987).

Bruno Hunziker rutschte 1977 in den Nationalrat nach. 1987 wechselte er für eine Amtsdauer in den Ständerat. Der Freisinn des Bezirks Aarau konnte seine Nationalrats-Serie 1987 fortsetzen, doch wohnte Rolf Mauch (gest. 1995) nicht in der Kantonshauptstadt, sondern in Hirschthal.

Bei der SP folgte 1979 Silvio Bircher (74, Aarau) auf Arthur Schmid. Er gehörte bis zu seinem Amtsantritt als Regierungsrat (1993) dem Nationalrat an. Dann brach die Aarauer SP-Serie kurzzeitig ab: 1999 schaffte der heutige Landammann Urs Hofmann (62, Aarau) den Sprung nach Bern. Er war bis 2009 im Nationalrat (bis zum Amtsantritt als Regierungsrat).

Von 1995 bis 1999 war der Grüne Hanspeter Thür (70, Aarau) der einzige Bundesparlamentarier aus dem Bezirk Aarau. Er war von 1987 bis 1999 Nationalrat.

Eindrücklich war die Aarauer Serie im Ständerat: Beginnend 1971 mit Willy Urech (gest 1986, ehemaliger Stadtammann von Aarau), dann Hans Letsch und 1991 vorerst endend mit Bruno Hunziker. Nach acht Zofinger Jahren (Willy Loretan) gabs ein Aarauer Comeback von 1999 bis 2007 mit Thomas Pfisterer (78, Aarau).

Fast aus dem Bezirk Aarau ist die Köllikerin Corina Eichenberger (64, FDP), die nach 12 Jahren am 20. Oktober nicht mehr zur Wiederwahl antritt. Ebenfalls Fast-Aarauerin ist die zurückgetretene Sylvia Flückiger (67) aus Schöftland.

Unter den aktuellen Kandidaten mit Aarauer Stallgeruch haben Maja Riniker (FDP, Suhr), Lukas Pfisterer (FDP, Aarau) und Clemens Hochreuter (SVP, Erlinsbach) die besten Chancen, das Erbe der beiden Nationalrätinnen anzutreten. In einer guten Ausgangslage ist auch Gabriela Suter (SP, Aarau).

Der Bezirk Aarau könnte also ab Dezember wieder in Bern vertreten sein – nach einer 10-jährigen Durststrecke.

Meistgesehen

Artboard 1