Aarau
Der beste Feldhandball-Goalie Europas wird heute 80 Jahre alt

Es waren die goldenen Feldhandball-Zeiten in den 1950- und 60er-Jahren: Charly Burger war nicht nur Torhüter des BTV Aarau, sondern auch der Nationalmannschaft. Am Sonntag wird er 80 und erzählt, wie er zum besten Goalie Europas wurde.

Hermann Rauber
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Charly Burger – zwei Tage vor seinem 80. Geburtstag.

Charly Burger – zwei Tage vor seinem 80. Geburtstag.

Annika Buetschi / AZ

Die Szene ist bis heute unvergesslich: Feldhandball-Torhüter Charly Burger hechtet nach dem Ball, krallt ihn sich und wirft das Leder über das ganze Spielfeld direkt zu einem Stürmer des BTV Aarau, der den Ball versenkt. Es war in den 50er- und 60er-Jahren, als die Handballer des Bürgerturnvereins Aarau in Meisterschaft und Cup auf dem Grossfeld eine herausragende Rolle spielten. Burger stand bald auch im Tor der Nationalmannschaft und wurde vor allem bei den Aarauer Buben eine Legende. Seine sportlichen Qualitäten fanden aber auch in Fachkreisen hohe Anerkennung, er durfte sich über die Affiche «Bester Feldhandball-Goalie in ganz Europa» freuen, auch wenn er Zeit seines Lebens bescheiden und auf dem Boden geblieben ist.

Aufgewachsen ist der am 15. September 1933 geborene Charles Burger im Aarauer Scheibenschachen. Schon als Jugendliche trieben die Knaben allerlei Schabernack und waren als echte «Schiibeschächeler» nie um Streiche verlegen. Das brachte auch Charly hin und wieder in unerwünschten Kontakt mit der Stadtpolizei und in den Clinch mit der Lehrerschaft im Pestalozzischulhaus oder den Nachbarn, ohne dass allerdings die eine oder andere Seite bleibende Schäden davongetragen hätte.

Nach einer Lehre bei Schlossermeister Wilhelm Götz in der Halde arbeitete Burger unter anderem in der Aarauer Glühlampenfabrik und im Kraftwerk des EW. Als das eben fertiggestellte Aareschulhaus 1963 einen Abwart suchte, meldete sich Charly Burger und wurde prompt gewählt. Das Engagement sollte bis zur Pensionierung im Jahre 1995 dauern. Heute wohnt Charly Burger mit seiner Frau Benita am Rainliweg 15 im solothurnischen Erlinsbach.

Die Cracks haben heute noch Kontakt miteinander

Der kräftige und gross gewachsene Burger spielte als Junior Fussball beim Sporting-Club Aarau und im Winter Eishockey, damals noch auf Natureis im Brügglifeld. Sein Stern in der Sparte Handball ging im Kadettenlager 1948 auf, als die Schülermannschaft mit Burger im Tor in einem denkwürdigen Match erstmals das Team der Instruktoren schlagen konnte. Er folgte der Aufforderung, dem BTV Aarau beizutreten, wo er sich vorerst in der dritten Mannschaft bestätigen musste. Ab 1949 aber stand er bis zum Karriereende 1966 zwischen den Pfosten des Fanionteams. In dieser Zeit wurde er viermal Schweizer Meister und sieben Mal Cupsieger. Der Pokal ging 1970, am Ende des Grossfeld-Handballs, definitiv an den Seriensieger BTV Aarau, der ihn seinem Goalie zur Aufbewahrung überliess.

Das erinnerungsträchtige Stück steht nicht etwa in der guten Stube, sondern «auf dem Kasten im hinteren Zimmer», lacht Burger. Dort kann er aber jederzeit hervorgeholt werden, denn die alten Kämpen pflegen noch heute regen Kontakt. So trifft man sich jeden Montag am Stammtisch, unternimmt monatlich eine Wanderung und versammelt sich im Herbst im Buech bei den Gehren zu Suppe mit Spatz, «aus der Gamelle», betont Burger, denn die einstigen Feldhandballer haben eben immer noch Stil.

Zum Kreis der Cracks jener glorreichen Zeiten gehörten zum Beispiel René Nünlist, Walter «Tschupp» Felber, Hans Werner Hüssy, Marco De Boni, Roland «Saba» Santini, Jörg Eckert, Kurt Rahm, Theo Reichlin und Hansueli Gygax, der allerdings für den TV Suhr spielte. Doch man traf sich in dieser Zusammensetzung auch in der Schweizer Nationalmannschaft, mit der Charly Burger an der WM einmal die Silbermedaille (1955) und zweimal Bronze (1952 und 1963) holte und insgesamt 33 Spiele bestritt.

Wenn Charly Burger am Sonntag seinen 80. Geburtstag feiert, tut er dies in aller Bescheidenheit und dankbar für sein aktives Leben. Ein «kleines Fest» für seine ehemaligen Handballkameraden aber ist eingeplant. Denn an Erinnerungen an die grosse Zeit des Feldhandballs, in der die Region Aarau eine dominierende Rolle spielte, fehlt es wahrlich nicht. Alles Gute zum Geburtstag!