Suhr

Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist noch lange nicht gedeckt

Schminken in der Kindertagesstätte «Villa Kunterbunt».

Schminken in der Kindertagesstätte «Villa Kunterbunt».

Eine erste Bilanz zum Pilotprojekt zur familienergänzenden Kinderbetreuung liegt vor: Die Angebote kommen an, die Nachfrage steigt, insbesondere bei Tagesfamilien.

Vielleicht ist es das Heimatgefühl. Möglicherweise ist es die verkehrstechnische Anbindung. Oder der Arbeitsplatz in der Nähe. Für Familien mit kleinen Kindern ist es oft die Möglichkeit zur externen Betreuung, die einen Ort zum optimalen Wohnort macht. Bisher hat es in Suhr an Kindertagesstätten, Mittagstischen und Tagesfamilien gemangelt – doch jetzt holt die Gemeinde auf. Sie hat sich ein breit gefächertes Schul- und Betreuungsangebot auf die Fahne beziehungsweise ins Entwicklungsleitbild geschrieben. Seit August 2012 läuft ein Pilotprojekt zur familienergänzenden Kinderbetreuung. Eine erste Bilanz zeigt: Die Angebote kommen an, die Nachfrage steigt.

Die Ziele des Pilotprojekts waren klar definiert: der Ausbau des bestehenden Angebots und der Aufbau fehlender Stellen, den Zugang zu den Angeboten für alle Familien möglich machen und die Qualität sichern.

220 Plätze für 300 Kinder

Die Anzahl Plätze in Kindertagesstätten konnten in den letzten Monaten von 20 auf über 40 verdoppelt werden, leicht ausgebaut wurde auch das Spielgruppenangebot. Ein Novum sind die Tagesfamilien: Hatte Suhr 2012 noch gar keine erfasst, betreuen heute elf Familien 20 Kinder. «Das Angebot deckt die Nachfrage bei weitem nicht, wir könnten locker doppelt so viele Tagesfamilien brauchen», sagt Gemeinderätin Carmen Suter-Frey. Bedarf gibt es auch beim Mittagstreff für Oberstufenschüler. Dieses Angebot soll laut Suter ebenfalls ausgebaut werden, gibt es doch bislang einzig für Hunzenschwiler Kinder, die die Bezirksschule in Suhr besuchen, eine Lösung.

Neun von zwölf Angeboten mit Leistungsvertrag

Punkto Qualität hat sich ebenfalls einiges getan: Neun der zwölf Angebote haben mit der Gemeinde einen Leistungsvertrag abgeschlossen, drei stehen noch in Verhandlungen. Ausserdem werden die Angebote für die Betriebsbewilligung regelmässig durch die Sozialen Dienste Suhr kontrolliert und die Koordination und Vernetzung gefördert.

Aktuell stehen in der Gemeinde Suhr 220 Betreuungsplätze für 300 Kinder zur Verfügung. Davon werden 45 Kinder aus 35 Familien mit Subventionen unterstützt. Auch dazu liegen detaillierte Zahlen vor: Die unterstützten Familien wohnen im Dorf (65 Prozent), im Feld (26 Prozent) und im Dorf Süd (9 Prozent). «Im südlichen Dorfteil sind wir noch stark gefordert», sagt Suter. Eine Lösung liege aber bald auf.

24 Prozent der unterstützten Familien liegen beim Jahreseinkommen im Bereich zwischen 0 und 30 000 Franken, 38 Prozent zwischen 30 001 bis 60 000 Franken, 35 Prozent zwischen 60 001 und 90 000 Franken, und 3 Prozent zwischen 90001 und 110 000 Franken. Die Kosten für die Gemeinde haben sich im ersten Jahr der Pilotphase zwischen 6000 und 10 000 Franken pro Monat bewegt. «Die Gemeinde finanziert die Angebote nicht allein», hält Suter fest. «Die Eltern bezahlen mindestens 20 Prozent der Betreuungskosten selber.»

Finanziell deutlich besser dran

Die Absicht hinter dem Betreuungsangebot ist klar deklariert: Es soll den Zuzug von Familien und eine gute Altersstruktur in der Gemeinde fördern. Ausserdem sollen die Steuererträge steigen, weil Eltern frühzeitig wieder in ihren Beruf einsteigen können. Vor dem Start des Pilotprojektes waren kritische Stimmen laut geworden, solche Angebote würden sozial schwache Familien anziehen. Das lässt Suter nicht gelten: «Diese Kinder sind genauso unsere Zukunft wie alle anderen auch. Wir müssen sie bereits im jungen Alter abholen und fördern.» Damit könnten auch Migrantenkinder besser integriert werden. Was das ausgebaute Betreuungsangebot für Auswirkungen auf die Steuereinkommen der Gemeinde hat, kann Suter zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. «Dazu müssen wir erst eine oder zwei Steuerperioden abwarten.»

Finanziell sieht Pilotprojekt gut aus

Positiv ist nicht nur das Fazit betreffend Angebote, sondern auch das finanzielle: «Bis jetzt haben wir deutlich weniger Geld gebraucht, als uns gesprochen wurde», sagt Suter. Insgesamt hat die Gemeinde für die zweijährige Pilotphase eine Million Franken gutgeheissen. Gestützt habe sich die Berechnung auf kantonale Statistiken. «Von diesen Zahlen ausgehend mussten wir einen Bruttokredit beantragen, der ein Maximalangebot mit maximalen Beitragsforderungen abdecken kann», so Suter. Im ersten Jahr seien nicht alle Plätze ausgebaut und die Verteilung der Einkommenssegmente der unterstützten Eltern sehr gleichmässig. «Würde diese in Richtung finanzschwacher Eltern kippen, würde die Säule bei den Gemeindebeiträgen sofort steigen.»

Wie geht es weiter? Im Dezember soll dem Gemeinderat ein Antrag für das Budget 2015 gestellt werden, der im Juni mitsamt einem definitiven Projekt an die Gemeindeversammlung kommt.

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