Aarau

Der Bachfischet erhält ein paar kleine Neuerungen

Am Freitag ziehen die Schulkinder am Bachfischet mit den kunstvoll gebastelten Lampions durch die Stadt.

Der jahrhundertealte Brauch, von der Heinerich-Wirri-Zunft organisiert, findet auch dieses Jahr wieder mit Gästen statt.

«De Bach esch cho, de Bach esch cho», so tönt es diesen Freitag wieder tausendfach in den Gassen der Aarauer Altstadt. Die Schuljugend zelebriert den Bachfischet, einen der der ältesten noch gelebten Bräuche des Landes.

Angemeldet für das Spektakel haben sich in diesem Jahr rund hundert Klassen mit knapp 2000 Schülerinnen und Schülern, die mit ihren selbst gebastelten Lampions oder Laternen die Herbstnacht in ein Lichtermeer verwandeln werden. Der wilde Zug lockt Jahr für Jahr Massen von Zuschauern an den Strassenrand, die besonders schöne Sujets mit Beifall honorieren.

Am bunten Cortège durch die verdunkelte Innenstadt nehmen die Altersklassen vom Kindergarten bis zur ersten Oberstufe teil. Mit dabei sind schon länger Schulklassen aus dem Stadtteil Rohr, mit dem Zusammenschluss der Kreisschule Aarau-Buchs wäre es möglich, dass auch Kinder und Jugendliche aus der Nachbargemeinde an diesem Aarauer Traditionsanlass teilnehmen könnten.

So war der Bachfischet 2016

Bachfischet 2016

Eine entsprechende Einladung ging an die Schulleiter in Buchs, allerdings ohne Erfolg. «Wir haben nicht einmal eine Antwort auf unser Schreiben erhalten», erklärt Philippe Guignard, Bachfischet-Obmann der Heinerich-Wirri-Zunft, die sich seit bald einem Jahrhundert für den Erhalt und die Durchführung des urwüchsigen Brauchtums einsetzt.

Immerhin nehmen heuer wieder zwei Gastklassen aus Suhr und Erlinsbach teil, ebenso wie die Pfadfinderabteilung Adler und neu auch der Blauring Aarau. Besonders gespannt darf man auf die Bezirksschule Aarau sein, die sich auf ein einziges Sujet für alle Klassen geeinigt hat und das natürlich noch streng geheim ist.

Mords-Chlapf wird gekürzt – aus ökologischen Gründen

Wenn am kommenden Freitag punkt 20.15 Uhr in Teilen der Stadt die Lichter ausgehen, setzt sich der Umzug unter Führung der Kadettentambouren an der Bachstrasse in Bewegung, die Route führt unverändert über die Obere und Vordere Vorstadt durch das Obertor hinein in den historischen Stadtkern, durch die Rathausgasse und die Halde, ehe sich alle im Schachen wieder treffen.

Ist dann der allerletzte Ruf «Fürio, de Bach brönnt», ein traditioneller Bachfischetvers, verhallt, erhalten alle aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Verpflegung, nämlich «Ghackets mit Hörnli» und Eistee.

Vor der Sporthalle auf dem Maienzugplatz führt Peter Speck eine Festwirtschaft, in der sich auch Erwachsene stärken und einem Ständchen der Kadettenmusik lauschen können.

Krönender Abschluss eines jeden Bachfischet ist der Mords-Chlapf, der sich längst zu einem veritablen Feuerwerk am Nachthimmel gemausert hat. Dieses Finale, das in diesem Jahr aus ökologischen Gründen etwas kürzer, aber umso imposanter ausfallen soll, kostet übrigens den Aarauer Steuerzahler keinen Rappen, es wird einzig und allein von den Mannen der Wirri-Zunft finanziert, die auch für die gesamte Organisation verantwortlich zeichnen.

Die Fäden laufen beim Bachfischet-Obmann zusammen, ein Amt, das seit sieben Jahren der Aarauer Augenarzt Philippe Guignard mit grosser Begeisterung ausübt. Er präsidiert auch jene zunftinterne Jury, die jeweils unmittelbar nach Ende des Umzugs die schönsten Lampions und die besten Klassen prämiert.

Guignard nimmt auch gerne Fotos vom Bachfischet 2019 aus den Reihen der Zuschauer entgegen (per Mail an guignardph@hispeed.ch) und stellt diese auf die Homepage der Wirri-Zunft.

Übermütig holte die Stadtjugend den Bach ab

Der Aarauer Bachfischet hat seinen Ursprung im jährlichen «Rumen» und Ausfischen des Stadtbachs im September. Zu einem unbekannten Zeitpunkt machte sich die städtische Jugend einen Spass daraus, übermütig und ausgelassen die frischen Wellen dieser einst wichtigen Lebensader abzuholen und zu begleiten.

Anno 2011 hat der Bachfischet den Sprung auf die Liste der «lebendigen Traditionen der Schweiz» geschafft und damit gar die Chance erhalten, dereinst von der Unesco weltweit in den Rang eines «Meisterwerks des mündlichen und immateriellen Kulturlebens» aufgenommen zu werden. Doch auch ohne solch höhere Weihen gehört der Aarauer Bachfischet zu den weitherum schönsten Lichterbräuchen und feiert jedes Jahr fröhliche Urständ.

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