Es sind die beiden Tage, in denen man sich vierteilen möchte: Am frühen Freitagabend beispielsweise, da spielt der Erlinsbacher Blueser Pascal Geiser auf dem Schlossplatz, ein paar Schritte weiter Marius Baer mit seiner Hühnerhautstimme auf der Waldmeier-Bühne, vor der Laterne präsentieren The B-Shakers ihren Hüftschwung-Rockabilly, neben der Markthalle gibt es frischfröhlichen Gipsy-Sound mit Pätschwerk.

Alles praktisch zeitgleich, alles so, dass man stehen bleiben und zuhören möchte. So, wie es sein muss. Das ist «Musig i de Altstadt», das kostenlose Musikfestival mit über 40 Konzerten an 21 Spielorten vom Laden-Schaufenster bis zum Orgelbänkli in der Stadtkirche, querbeet durch alle Musikrichtungen.

Musig i de Altstadt, Aarau: Lo & Leduc mit ihrem Hit «079»

Musig i de Altstadt: Lo & Leduc mit ihrem Hit «079»

Ein wichtiger Anlass für die Stadt, wie Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker an seiner Ansprache zum Festival-Auftakt im KuK sagte. Ein Festival, das auch in seiner grossen Entwicklung in den letzten 14 Jahren seinen ursprünglichen Charakter als kostenloses Festival für alle Musikgeschmäcker beibehalten und so «noch etwas Geheimtippcharakter» habe.

Markthalle abgelöst

Definitiv nicht in die Sparte Geheimtipp fiel das Konzert am Freitagabend auf dem Schlossplatz: Lo&Leduc sorgten für einen bislang ungesehenen Besucheraufmarsch am MidA: Bis weit in den Graben standen die Besucher dicht gedrängt, jubelten den beiden Berner Überfliegern zu und sangen lauthals mit. Und als die beiden Rapper schliesslich nach über einer Stunde ihren Hit «079» anstimmten (die inzwischen erfolgreichste Single der Schweizer Hitparaden-Geschichte), gab es kein Halten mehr.

Wie gut, dass sich das Organisationskomitee (Céleste Urech, Christian Senn, Thomas Garcia und Oliver Dredge) entschieden hatte, die Hauptbühne von der Markthalle auf den Schlossplatz zu verlegen – einen derartigen Besucheraufmarsch für ein einziges Konzert (das OK schätzte ihn auf 3000 bis 4000 Besucher), hätte die Markthalle nicht verkraftet. Insgesamt besuchten zwischen 12'000 und 14'000 Personen das «Musig i de Altstadt», davon 8000 am Freitag. Dass der Samstag schwächer ausfiel, hing unter anderem mit dem Wetter zusammen – es regnete zeitweise. Insgesamt liegt die Besucherzahl im Bereich des (erfolgreichen) Vorjahres.

«Wir sind sehr zufrieden», sagt denn auch Christian Senn. Während das OK mit einem Ansturm auf Lo&Leduc gerechnet habe, sei vielmehr der Aufmarsch generell überraschend gewesen: «Wir haben gestaunt, wie rasch sich die Stadt am Freitagabend gefüllt hat. Bereits ab dem ersten Konzert war viel Betrieb, diese Entwicklung freut uns enorm.» Auch die Rückmeldungen der Künstler seien extrem positiv ausgefallen. Und: «Der Rückhalt vonseiten der Besucher, der Anwohner, der Gewerbetreibenden und der Behörden ist enorm gross», sagt Präsident Céleste Urech. «Unserem Engagement wird viel Wertschätzung entgegengebracht.» Er persönlich blicke auf zwei persönliche Highlights zurück. Erstens: «Der Schlossplatz als Konzertlocation funktioniert, und wir konnten ihn mit Lo&Leduc gebührend einweihen.» Zweitens: «Die vor drei Jahren ins Leben gerufenen Samstagnachmittagskonzerte im kleinen, intimen Rahmen – etwa in einem Lädeli – liefen die ersten beiden Jahre eher harzig. Dieses Mal waren alle praktisch voll.»

«Es war nie brenzlig»

Trotz dieses positiven Fazits: Der Grossaufmarsch am Freitagabend auf dem Schlossplatz passte nicht allen; es seien zu viele Leute gewesen, und das OK habe die Situation nicht mehr im Griff gehabt. Vorwürfe, die Christian Senn nicht auf sich sitzen lassen will: «Es waren sehr viele Leute, aber es war zu keinem Zeitpunkt brenzlig.»

Das mit der Stadtpolizei abgesprochene Sicherheitskonzept habe vorgesehen, den Platz bei einem gewissen Personenaufkommen zu sperren. «Das haben wir getan», so Senn. Während des Konzertes sei der Schlossplatz auf Höhe Brillenhaus während einer halben Stunde für zusätzliche Besucher abgeriegelt worden. «Ausserdem waren sowohl Polizisten als auch Sicherheitspersonal in Uniform und Zivil im Publikum, die die Situation beobachtet haben.»
Bemängelt wurde von den Zuschauern in den hinteren Rängen auch die Tonqualität. Eine Kritik, die Senn nachvollziehen kann: «Uns war klar, dass man am Graben nichts mehr hört.» Die Lautstärke habe man aber nicht weiter hochschrauben dürfen. «Uns wurde eine gewisse Lautstärke bewilligt – und diese Dezibel-Grenze haben wir eingehalten.» Sehr positiv fällt die Bilanz in Sachen Sicherheit aus: Zwar seien die Sicherheitsleute wegen der vielen Besucher «nicht unterbeschäftigt» gewesen, sagt Céleste Urech, aber die Sanität hatte quasi nichts zu tun, die Polizei wurde nicht aufgeboten. Auch von den Anwohnern gab es nur vereinzelt Reklamationen.

Insgesamt standen an beiden Abenden je 70 freiwillige Helfer im Einsatz.