Aarau
Der alltägliche Hindernislauf des Rollstuhlfahrers im Kino

Berufswahlschüler aus Aarau haben für die Fernsehsendung «Kassensturz» Kinos auf ihre Behindertenfreundlichkeit getestet. Am Dienstagabend sind die Bewertungen am Fernsehen zu sehen.

Noëlle König
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Fabian Wälchli wird gerade von Kassensturz-Redaktor Roger Müller interviewt. Im Hintergrund sind seine Teamkollegen Michèle Mettauer, Mélanie Noilleau und Pascal Rodel (v.l. alle mit Mütze).

Fabian Wälchli wird gerade von Kassensturz-Redaktor Roger Müller interviewt. Im Hintergrund sind seine Teamkollegen Michèle Mettauer, Mélanie Noilleau und Pascal Rodel (v.l. alle mit Mütze).

nko

Die Klasse der Berufswahlschule im Zentrum für körperbehinderte Kinder ZEKA in Aarau hat die Kinos im Kanton Aargau auf die Rollstuhlgängigkeit getestet und hat es damit beim Wettbewerb «Schweizer Jugend testet» der Sendung «Kassensturz» des Schweizer Radio und Fernsehens SRF unter die besten Zehn geschafft.

Das Redaktionsteam des «Kassensturz» führt den Wettbewerb alle zwei Jahre durch. Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren testen alleine, mit ihren Freunden oder Klassenkameraden, was sie interessiert – seien es Locher, Milchschokolade, USB-Sticks oder wie im Falle der Klasse der Berufswahlschule (BWS) im Zentrum für körperbehinderte Kinder in Aarau (Zeka) Kinos.

Über hundert Jugendliche aus der ganzen Deutschschweiz haben sich mit ihren Tests beworben. Eine Jury wählte die besten zehn aus, welche in drei Kassensturzsendungen genauer vorgestellt werden.

Bei einem dieser zehn Beiträge sind vier Schüler aus Aarau die Stars. Fabian Wälchli, Michèle Mettauer, Pascal Rodel und Mélanie Noilleau testeten die Rollstuhlgängigkeit von Aargauer Kinos.

Doris Bachmann ist Werklehrerin in der BWS und hatte die Jugendlichen motiviert, sich einen Beitrag für den «Kassensturz» zu überlegen: «Ich habe im Fernsehen gesehen, dass es diesen Wettbewerb gibt und gleich gedacht, dass das auch etwas für unsere Schüler wäre, da Projektarbeiten einen grossen Stellenwert bei uns haben.»

Als erstes wurden Ideen gesammelt. Da die Schüler unter der Woche in einem Schulinternat wohnen und sich ihre Freizeit selber gestalten können, gehen die Klassenkameraden auch mal gerne zusammen in den Ausgang.

Mélanie Noilleau erklärt: «Wenn wir zusammen weg gehen, ist es uns wichtig, dass Pascal auch mitkommen kann.» Pascal sitzt jedoch in einem elektrischen Rollstuhl. Deshalb kann ein Kinobesuch schnell zu einem Hindernislauf werden. Aus diesem Grund entschieden sich die Schüler, die Rollstuhlgängigkeit von Kinos zu testen.

Auf einem Protokollbogen bewerteten Fabian und sein Team die Kinos nach elf verschiedenen Kriterien. Zum Beispiel, ob man überhaupt ins Kino kommt, ob man die Karten selbstständig kaufen und ob man den Platz auswählen kann.

Alle 16 Kinos im Kanton Aargau wurden getestet. Bachmann sagt: «Als die Bestätigung kam, dass das Projekt im Kassensturz gezeigt wird, war das eine Bestätigung für die Zeit und die Arbeit, welche die Schüler investiert hatten.»

An einem Freitagnachmittag war es dann so weit. Die Schüler der BWS des Zeka trafen im Kino Ideal in Aarau auf das Kassensturzteam von Redaktor Roger Müller.

«Es ist ganz anders, aber sehr speziell für dieses Projekt zu arbeiten. Die Motivation der Jugendlichen macht viel Freude», sagt TV-Mann Müller. Oft würden die Leute nicht so gerne mit dem Kassensturz sprechen, in diesem Fall sei das etwas ganz Anderes. Auch für die Schüler war es eine neue Erfahrung.

«Ich war sehr nervös am Anfang, denn ich habe so etwas ja noch nie erlebt. Aber es war einfach super», sagt Fabian. Auch wenn keines der Kinos die höchste Punktzahl erreichte, sei der Test sehr interessant gewesen. Es habe sehr viel Spass gemacht, ausserhalb der Schule mit den Kameraden zusammen zu arbeiten.

Nach den rund vier Stunden Dreharbeiten waren die Schüler sichtlich geschafft, hatten aber noch immer ein Lächeln auf den Lippen.