Hansruedi Jost

Der Aargauer Hammerwerf-Rekord wird 50

Der 78-jährige Hansruedi Jost heute

Der 78-jährige Hansruedi Jost heute

Der Aarauer Hansruedi Jost feiert heute das Jubiläum seiner persönlichen Bestmarke im Hammerwerfen. Vor genau 50 Jahren hatte er den Hammer auf 61,93 Meter geworfen.

Wir schreiben den 3. Juni 1962. Anlässlich der Schweizer Vereinsmeisterschaft in Aarau wirft der heute 78-jährige Hansruedi Jost den Hammer auf 61,93 Meter – eine Weite, wie sie im Aargau noch nie zuvor erzielt wurde. Genau 50 Jahre ist es her. Und der Rekord hat heute noch Bestand.

Zum Hammerwerfen ist das Ehrenmitglied und der ehemalige Präsident des BTV Aarau eher durch Zufall gestossen. René Kneubühl, ein junger Turnlehrer aus der Nachbarschaft, erzählte Jost vom Hammerwerfen. Danach stibitzte er eine Kaminfegerkugel seines Vaters und bastelte daraus einen Wurfhammer. Kneubühl zeigte ihm in der Folge die elementaren Grundlagen. Das gelang ihm dann auch mit Erfolg. Jost wurde mit 18 Jahren Junioren-Schweizer-Meister und stellte im Alter von 20 bereits einen ersten Aargauer Rekord auf.

70 Stunden gearbeitet - und dann noch trainiert

Doch gab es für den 78-Jährigen noch einige Hürden zu bewältigen. «Mein Vater erlaubte mir nach der Schulentlassung nicht, Leichtathletik zu betreiben. Ich hätte Nationalturner, Ringer und Schwinger werden sollen. Erst auf die Intervention des damaligen Bezirksamtmannes Adolf Küenzli bei meinem Vater durfte ich so viel Leichtathletik trainieren, wie ich wollte», erklärt der Aarauer. Mit 70 Arbeitsstunden pro Woche fand er zudem nicht die gleichen Trainingsbedingungen wie heute vor.

Dennoch konnte Jost einige Erfolge feiern. «Die Olympischen Spiele in Rom waren das absolut Grösste, das ich in meiner ganzen Laufbahn erleben durfte», schwärmt er. Zu den ganz grossen Ereignissen zählen auch die sieben Schweizer-Meister-Titel, der Sieg in der Mannschafts-Meisterschaft mit dem BTV Aarau gegenüber dem LC Zürich, seine diversen Schweizer Rekorde und die Länderkampf-Siege gegen Jugoslawien und Italien. «Dort wandte ich ein Lausbubentrickli an, indem ich beim Einwerfen einen um ein Kilogramm leichteren Hammer warf, der sogleich von einem Kollegen eingesammelt wurde, sodass es die anderen nicht merkten», schwelgt Jost schmunzelnd in Erinnerungen. Speziell war auch die Europameisterschaft 1962 in Belgrad. Jost fiel die Ehre zu, Fahnenträger der Schweizer beim Einmarsch zu sein. «Es herrschte Kalter Krieg. Eigentlich war es üblich, vor der Ehrentribüne dem Staatsoberhaupt – in dem Fall Tito – die Fahne zum Gruss zu senken. Das habe ich vergessen, weil ich durch einen Riesenapplaus für mein Fahnenschwenken die Flagge immer höher schwang», erzähl er lachend und ergänzt: «Passiert ist aber nichts.»

Die Faszination am Hammerwerfen sieht der 78-Jährige, der heute noch Rumpfübungen mit seinem Hammer macht, um körperlich fit zu bleiben, im guten Gefühl nach einem geglückten Wurf. Heute ist dieser Sport nicht mehr populär. «Man braucht sehr lange, bis man ein gewisses Niveau erreicht hat», erklärt der ehemalige Präsident des BTV Aarau (von 1964 bis 1974). Eine leise Hoffnung hat wohl auch Jost, dass es junge Athleten gibt, die den Ansporn haben, dereinst einen neuen Aargauer Rekord zu erzielen.

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