Wirtschaft

Der Aargau und seine Zementindustrie – eine lange Geschichte

Die Stimmberechtigten von Auenstein und Veltheim haben für die Erweiterung des Steinbruchs Jakobsberg-Egg grünes Licht gegeben. Sie haben damit die Zementindustrie gestützt, die ein wichtiger Teil der Aargauer Wirtschaftsgeschichte ist.

Die Gemeindeversammlungen von Veltheim und Auenstein stimmten der Erweiterung des Steinbruchs Jakobsberg-Egg zu. Im Vorfeld der Abstimmungen am Mittwoch- respektive am Donnerstagabend war es noch zu kontroversen und heftigen Debatten gekommen. Nun kann die Jura-Cement-Fabriken AG aufatmen, ihre Kalkstein-Ressourcen werden sich vorerst nicht erschöpfen. Grund genug, einen Blick auf die Geschichte der Aargauer Zementindustrie zu werfen.

Derzeit gibt es nur noch sechs Zementwerke in der Schweiz, zwei davon im Aargau (Wildegg seit 1890 und Siggenthal Station seit 1912). Geschlossen wurden die Werke in Aarau, Rekingen oder auch Holderbank – letzteres war die Keimzelle des Milliardenkonzerns Lafarge Holcim.

Das Werk von Holcim in Siggenthal Station ist eines von noch zwei bestehenden im Aargau. Die Keimzelle des Unternehmens liegt in Holderbank.

Das Werk von Holcim in Siggenthal Station ist eines von noch zwei bestehenden im Aargau. Die Keimzelle des Unternehmens liegt in Holderbank.

Die erste Schweizer Zement-Fabrik stand wohl in Aarau 

Die ersten Zementfabriken der Schweiz entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts, weil der Eisenbahn- und Brückenbau viel Zement brauchte und er aus Deutschland und Frankreich importiert werden musste. 1832 gründete Karl Herosé am Aarauer Ziegelrain die wohl erste Wasserzement-Fabrik der Schweiz. «Aarauer Zement» wurde bald berühmt.

1883 eröffnete Friedrich Rudolf Zurlinden sein Zementwerk im Scheibenschachen. Das Rohmaterial kam aus dem «Ritzer» in Küttigen, das Kraftwerk Rüchlig lieferte den Strom. Zurlinden gründete später das zweite Werk in Wildegg (heute JCF).

Der Steinbruch Jakobsberg-Egg darf nach heftigen Diskussionen in Auenstein und Veltheim erweitert werden.

Ab 1910 konnte die Schweiz ihren Zementbedarf selber decken, später sogar Zement exportieren. Insbesondere in der Nachkriegszeit ab 1946 nahm die Nachfrage hierzulande massiv zu. 1965 gab es schweizweit 17 Zementwerke.

Im Zuge der Rezession ab Mitte der Siebzigerjahre und durch den Abwärtstrend der Börsen in den Nullerjahren ging die Bautätigkeit zurück. Bis 2014 konnte die Schweizer Zementindustrie ihren Umsatz auf zuletzt 4,5 Millionen Tonnen wieder steigern, an die fast 6 Millionen Tonnen der frühen Siebziger kam man nicht mehr heran.

In Rekingen wurde zwischen 1975 und 1995 Zement hergestellt.

In Rekingen wurde zwischen 1975 und 1995 Zement hergestellt.

Schon in der Antike gab es im Jura Steinbrüche

Seit Mitte 2014 ist die Entwicklung wieder rückläufig. «Neben dem steigenden Importdruck (Stichwort Frankenstärke) zählen die grossen Überkapazitäten im europäischen Raum zu den Hauptursachen für diesen Rückgang», schreibt der «Verband der Schweizerischen Cementindustrie» hierzu auf seiner Website.

Auenstein und Veltheim sind aufgrund ihrer Lage im Aargauer Jura besonders für Steinbrüche im Zusammenhang mit der Zementindustrie geeignet. Für die Herstellung des Baustoffs ist der Kalkstein aus dem Jura nötig. Schon in römischer Zeit gab es im Jura-Gebiet Steinbrüche. (nro/gia)

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