Der Entscheid der Aarauer Bevölkerung war absehbar gewesen: Ohne Mühe hatte das bürgerliche Komitee im Oktober die nötigen Unterschriften für das Referendum gegen die Umgestaltung des östlichen Aareufers zusammengetragen. Die Unterschriften waren längst nicht nur von rechter Seite gekommen. Auch Linke fanden 3,6 Millionen Franken viel Geld für ein Projekt, das zwar schön, aber nicht zwingend ist und zudem mitten in den Sparbemühungen der Stadt zur Abstimmung kommt.

«Finanzverschleuderung» nennt es Susanne Heuberger vom Referendumskomitee. Die SVP-Einwohnerrätin deutet das klare Resultat von 60 Prozent (4786 Ja-Stimmen zu 3228 Nein) als Fingerzeig des Volkes zur aktuellen Finanzpolitik. Die Stimmbeteiligung lag bei 59 Prozent. «Wir konnten die Leute mit Facts überzeugen», sagt Heuberger. «Die Schlagworte der Gegner wie ‹urbaner Raum› sind abgedroschen.» Ausserdem werde das Gebiet heute schon gut als Naherholungsraum genutzt.

Der «Aareraum Ost» war das «Baby» von Beat Blattner. Als SP-Stadtrat bis Ende 2013 befand sich das Projekt in seinem Ressort. Beim Ufer westlich der Kettenbrücke – wo sich die Treppenstufen zur Aare und das Sommerrestaurant befinden –  hatte die Umgestaltung geklappt, Blattner hat es 2008 einweihen können.

Erklärungsbedarf: Stadtentwicklung bedeutet auch Grünräume

Nach der gestrigen Abstimmung sagt er nun: «Man hat die Leute mit Finanzgeschichten erschreckt. Die Finanzen waren das einzige Argument. Dabei ist die Stadt nicht am Verlumpen.» Seitens der Nachbargemeinden hiesse es oft, Aarau solle zuerst das Vermögen abbauen, wenn die Stadt die anderen bitte, sich an den Investitionen zu beteiligen. Und letzte Woche habe die Gemeindefinanzstatistik 2012 gezeigt, dass Aarau an vierter Stelle liege von den Gemeinden mit dem höchsten Nettovermögen pro Einwohner.

Blattner glaubt, man habe vor allem den Rohrern nicht erklären können, dass Stadtentwicklung auch mit Grünräumen zusammenhänge. «Ausserdem ist es schade, dass wir jetzt nicht von den 1,2 Millionen Franken profitieren können, welche wir für das Projekt vom Bund bekommen hätten.»

Ueli Hertig (Pro Aarau) vom Befürworter-Komitee des Aareraums sagt: «Ich hoffe, dass bei künftigen Projekten nicht nur aufs Geld, sondern auch auf die Qualität und die Zukunft der Stadt geschaut wird.»

Kommt jetzt abgespeckte Version?

Wie geht es weiter? Klar ist, dass die direkte Uferumgebung bei der Kettenbrücke umgestaltet wird, wenn die Brücke «Pont Neuf» gebaut wird.

Möglich ist auch, dass dann eine abgespeckte Version des Projektes Aareraum auf den Tisch kommt. «Die Situation für Velofahrer und Fussgänger am Philosophenweg könnte man optimieren», sagt Susanne Heuberger, «aber nicht in diesem Umfang.»