Die Einwohnergemeinde Aarau soll das Bürogebäude der Wirteausgleichskasse an der Heinerich-Wirri-Strasse 3 samt Grundstück kaufen. Der Stadtrat schlägt dies in einer Vorlage dem Parlament vor und hat bereits einen Kaufpreis ausgehandelt: Das Immobiliengeschäft soll 7,9 Millionen Franken kosten. Stimmt der Einwohnerrat dem Ansinnen zu, wird das Volk das letzte Wort haben.

Beim Objekt der Begierde handelt es sich um das markante, leicht zurückversetzte Bürogebäude an der Entfelderstrasse bei der Abzweigung der Heinerich-Wirri-Strasse, gegenüber der WSB-Haltestelle Binzenhof. Die Liegenschaft ist 1963/1964 erstellt und seither mehrfach saniert worden. Sie befindet sich laut Stadtrat «heute in einem gepflegten Zustand». Haus und Grundstück sind der Stadt kürzlich von der Eigentümerin, der ehemaligen Ausgleichskasse des schweizerischen Wirteverbandes (heute GastroSocial), zum Kauf angeboten worden. GastroSocial will seine beiden in Aarau dezentral domizilierten Teilbereiche (Ausgleichskasse an der Entfelderstrasse und Pensionskasse an der Bahnhofstrasse) zusammenlegen und in einem Neubau im Quartier Torfeld Süd konzentrieren.

«Chance für die Stadtentwicklung»

Was treibt den Stadtrat zu einem solchen Landhandel? Für die Exekutive ist der vorgeschlagene Liegenschaftserwerb eine «Chance für die Stadtentwicklung» und eine «Investition in die Zukunft». Aarau könnte damit das Areal der stadteigenen Gönhardgüter (Francke, Landolt und Müller-Brunner) nach Süden hin arrondieren und erweitern. «Die strategisch einzigartige Liegenschaft kann entweder für öffentliche Zwecke der Stadt, des Kantons oder einer anderen Institution genutzt werden», umschreibt der Stadtrat seine Beweggründe. Das könne in weiterer Zukunft durchaus auch eine «national bedeutsame Einrichtung» sein, eine Absicht, die bereits beim Kauf der Gönhardgüter im Grundsatz festgelegt wurde.

«Vorstellbar» seien Nutzungen im Bildungsbereich oder von «besonderer Wirtschaftskraft», aber auch Verwaltungsstellen des Bundes oder des Kantons. Für Letzteren käme zum Beispiel eine Erweiterung des nahen SVA-Standortes an der Kyburgerstrasse infrage. Die Behörde geht davon aus, dass die Stadt Aarau «voraussichtlich in naher Zukunft keinen Eigenbedarf für das Gebäude der GastroSocial haben wird», dieses also an Dritte vermietet werden soll. Das entsprechende finanzielle Risiko wird als gering eingeschätzt, nicht zuletzt deshalb, weil «Aarau in periodisch immer kürzeren Abständen von verschiedensten Seiten für Niederlassungsmöglichkeiten in Betracht gezogen wird», hält der Stadtrat dazu fest. Allerdings wird das Gebäude an der Heinerich-Wirri-Strasse erst in vier Jahren frei, wenn GastroSocial den neuen Sitz im Torfeld Süd bezogen haben wird.

«Hohe Wertschöpfung»

Der Stadtrat kommt in seinem Antrag, Land und Gebäude für insgesamt 7,9 Millionen Franken zu erwerben, zum Schluss, dass mit diesem Geschäft «eine zukunftsgerichtete Immobilienstrategie mit hoher Wertschöpfung» verfolgt werden kann. Zusammen mit den Gönhardgütern ergebe sich mit einem Zukauf eine «Eigentums-Einheit» für eine «bedeutsame Nutzung zum Wohle der Stadt und der kommenden Generationen». Der Ball liegt nun vorerst beim Einwohnerrat. Sollte dieser im Herbst dem Handel zustimmen, so haben bei einem Kaufpreis von 7,9 Millionen Franken zwingend die Aarauer Stimmberechtigten an der Urne das letzte Wort.