Nach 22 Jahren

Der Aarauer Schweizermacher geht in Pension

Ueli Schär wird sein Rennrad künftig stärker beanspruchen.

Ueli Schär wird sein Rennrad künftig stärker beanspruchen.

Ueli Schär bearbeitete über 1000 Einbürgerungsgesuche. Als Fussballfan erinnert er sich an drei besonders gut – sie betrafen nämlich Fussballprofis.

Dass ihn plötzlich eine Unruhe erfassen könnte, das befürchte er nicht, sagt Ueli Schär. 35 Jahre hat er auf der Stadtverwaltung Aarau gearbeitet. Jetzt kompensiert er Überstunden, macht Ferien und übt gleichsam den Ruhestand, den er offiziell am 1. Februar beginnt. Er hat ja auch noch das Rennvelo, rot-schwarz, in den Farben der Stadt, auf dem er allfällige Anwandlungen von Unrast abreagieren könnte. Ausgiebige Trainingsfahrten sind eh angesagt. Im April fliegt er mit einer Gümmeler-Gruppe, die sich alljährlich zu Veloferien in mediterranen Gefilden trifft, nach Andalusien. Pro Tag 80 bis 100 Kilometer werden dann das sportliche Ziel sein.

Ueli Schär hat in der Stadtverwaltung die verschiedensten Funktionen ausgeführt. Zuletzt war er fast schon hauptamtlich Aktuar der Einbürgerungskommission. Er war es, der die Einbürgerungsgesuche überprüfte und vorbereitete. Ganze 22 Jahre hat er dieses Amt ausgeübt. «Ich war der Schweizermacher von Aarau», sagt er lachend und schätzt die Zahl der Gesuche, die über seinen Tisch gingen, auf über 1000. Als Fussballfan erinnert er sich an drei Gesuchssteller besonders gut, alle drei Fussballprofi, die ihre Karriere beim FC Aarau begonnen hatten: Goalie Ivan Benito und dessen Neffen Loris Benito, der heute bei Benfica Lissabon spielt, oder Elvir Melunovic, der noch als Jungspund mit GC und YB Meister war.

«Die Stadt ist ein sehr guter Arbeitgeber», sagt Schär, sehr gut sei auch das Arbeitsklima. Ärger mit Vorgesetzten oder Kollegen hatte er nie. Nur einmal habe er bei Marcel Guignard vortraben müssen. Einem Gesuchssteller für das Ortsbürgerrecht habe er geraten, statt der Kosten für das Gesuch solle er doch gescheiter seine Frau zu einem feinen Essen einladen, da habe er mehr davon. Ein Witz von der Sorte, für die Ueli Schär stadtbekannt ist. Doch ausgerechnet dieser musste dem Chef an einer Ortsbürgergemeindeversammlung zu Ohren kommen. Der damalige Stadtammann nahm es mit Humor.

Der gelernte Bäcker

Ueli Schär lernte Bäcker und Konditor. Er sollte in die Fussstapfen seines Vaters treten und die Bäckerei Schär an der Metzgergasse 7 übernehmen. Doch als der Vater 1969 starb, fühlte sich der Sohn dafür noch zu jung. Auch die Mutter wollte den Betrieb nicht mehr weiterführen. Die Bäckerei wurde 1970 von der Familie Schweizer übernommen.

Am 1. Januar 1979 wurde Schär vom Stadtrat als Kanzleisekretär für die Militärsektion, die Zivilschutzstelle und das Ortsquartieramt gewählt. Im Herbst 1983 ernannte ihn der Regierungsrat zum Militär-Sektionschef, eine Funktion, die im Kanton Aargau Ende 2012 abgeschafft wurde. 36 Jahre diente er in der Feuerwehr, vor allem im Verkehrszug und bis zur Pensionierung 30 Jahre als Aktuar der Feuerwehrkommission. Sechs Jahre gehörte er sogar dem Einwohnerrat an.

«Es hat sich in all den Jahren auf der Stadtverwaltung viel geändert», sagt Schär. Vor dreissig Jahren hätten noch alle Abteilungen im Rathaus Platz gehabt. Die Zahl der Mitarbeitenden wuchs ständig. Eine Frau auf der Verwaltung hatte es ihm besonders angetan: Irene, die zwei Wochen vor ihm von der Stadt angeheuert worden war, wurde seine Frau, mit der er heute in Küttigen wohnt.

Ueli Schär wirkte immer an der Front. «Ich hatte es mit aller Gattung Kostgängern zu tun.» Und wenn er auch keine Bedenken hat, dass es ihm langweilig werden könnte, er lese ja auch gern, Krimi vor allem, der Kontakt zur Bevölkerung und in der Stadtverwaltung, der werde ihm doch wohl fehlen.

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