Aarau

Der Aarauer Altstadt gehen die Bäckereien aus

«Aare Bäckerei» an der Metzgergasse.

«Aare Bäckerei» an der Metzgergasse.

Schon wieder hat eine Bäckerei in der Aarauer Altstadt den Ofen ausgemacht. Und auch bei den anderen Bäckereien in der Altstadt läuft es mehr schlecht als recht.

Die Aarauer Altstadt ist ein hartes Pflaster für Bäckereien: Vor ein paar Tagen hat «Ma petite Boulangerie» in der Pelzgasse ihre Türen geschlossen. An der Metzgergasse steht das Lokal der ehemaligen «Aare Bäckerei» nach dem kurzen Intermezzo eines Sandwichladens seit Monaten leer. Und die Bäckerei Schweizer, ebenfalls an der Metzgergasse, verbucht seit Jahren rückläufige Kundenzahlen.

«Einstweilen geschlossen» steht auf dem Zettel, der seit ein paar Tagen an der Tür zu «Ma petite Boulangerie» in der Pelzgasse klebt. Eine Schliessung, die von heute auf morgen kam; viele Kunden rennen vergeblich an. «Wir waren nicht glücklich mit der Höhe der Einnahmen, deshalb haben wir beschlossen, den Laden zu schliessen», sagt Anton Huwyler von der Top Back AG, die die Bäckerei seit einem knappen Jahr führt. Bis letzten August war in der Backstube noch gearbeitet worden, dann hatte die Gesundheitsbehörde interveniert. «Die Auflagen waren nicht zu erfüllen, deshalb haben wir die Bäckerei ab dann von auswärts beliefert», sagt Huwyler.

Bäckerei mit Anhang

Das Problem nebst fehlender Kundschaft: Zur Bäckerei gehört die dreistöckige Wohnung in den Obergeschossen der Liegenschaft, die über keinen separaten Eingang verfügt. Die Top Back AG hatte die ganze Liegenschaft gemietet mit der Absicht, die Wohnung an einen der Angestellten unterzuvermieten. «Die Wohnung ist nur an jemanden untervermietbar, der gleichzeitig den Laden führt», sagt Huwyler. Weil aber keiner der Angestellten hier wohnen wollte, stand die Wohnung leer – es fehlte an Mieteinnahmen.

Noch sei nicht klar, wie es mit dem Laden weiter geht. Die Top Back AG sucht einen Untermieter, so Huwyler. «Vielleicht wird wieder eine Bäckerei eröffnet, vielleicht aber auch ein anderer Laden.»

Fehlender Ladenmix

Die Bäckerei Schweizer an der Metzgergasse ist ein klassischer Familienbetrieb. Seit 1972 ist sie in Familienbesitz, alle arbeiten mit. Doch aus dem Laden mit einst 12 Angestellten ist inzwischen ein Zweimannbetrieb geworden – Vater und Sohn Schweizer. Aber noch immer wird täglich in der ladeneigenen Backstube geknetet, geflochten und gebacken.

«Es ist schwierig geworden», sagt Ruedi Schweizer junior. Die Kundenfrequenz nehme seit Jahren ab. Den Hauptgrund dafür sieht Schweizer nicht primär in der Sperrung der Altstadt für den Durchgangsverkehr – «das ist nur ein weiteres Steinchen im ganzen Mosaik». Es seien vielmehr der fehlende Ladenmix und die grossen Einkaufszentren. «Die Altstadt besteht heute zur Hauptsache aus Boutiquen und Restaurants. Hier kauft man nicht mehr Dinge für den täglichen Bedarf.» Ausserdem würden die Leute für ihren Einkauf nicht mehr von einem zum anderen Fachgeschäft ziehen, sondern alle Besorgungen in einem der Grossverteiler machen. Ein weiterer Faktor sei die Bushaltestelle «Alte Post», die kürzlich aufgehoben wurde. «Früher stiegen die Leute direkt gegenüber von unserem Laden aus und kamen rasch vorbei», sagt Schweizer.

Trotz der düsteren Aussichten wollen die Schweizers weitermachen; der Stammkundschaft zuliebe. «Wir könnten mit unserer Bäckerei auf den Mond ziehen – unsere Stammkunden würden auch da vorbeikommen.»

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