Aarau

«Denkmalschutz light»: Schutz für die sogenannten Bau-Rosinen

Die Stadt hat eine Liste mit 26 Baudenkmälern von kommunaler Bedeutung erstellt

Aarau ist aus historischen Gründen reich an wertvoller Bausubstanz. Etliche Gebäude sind dem kantonalen Denkmalschutz unterstellt. Im kommunalen Bereich stellt die Altstadt eine Spezialzone dar, für die stringentere Auflagen gelten. Daneben liegt es in der Kompetenz der Behörden, geschlossene Überbauungen in eine Ensembleschutzzone einzuteilen. Jetzt soll mit der Totalrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) zusätzlich ein Inventar für «Besondere Bauten» in der Stadt Aarau geschaffen werden.

«Das Kulturgesetz des Kantons Aargau verpflichtet die Gemeinden, Vorschriften zum Schutz und zur Pflege der Baudenkmäler von kommunaler Bedeutung zu erlassen», betont Lukas Pfisterer, im Stadtrat zuständig für die Ressorts Hochbau und Raumplanung. Deshalb hat man bereits vor Jahren im Zuge der laufenden BNO-Revision eine Liste von Objekten erstellt, die architektonisch, städtebaulich oder historisch «spezielle Merkmale» enthalten. Von anfänglich rund 300 sind nach einer Triage noch 26 «Bau-Rosinen» übrig geblieben, die in dieses besondere Bauinventar passen und damit in der künftigen Nutzungsordnung Auflagen zu erfüllen haben.

«Denkmalschutz light»

Allerdings gehen die Bestimmungen für die «Besonderen Bauten» nicht so weit wie jene des Denkmalschutzes. Der Eigentümer ist zwar verpflichtet, die Objekte «fachgerecht zu erhalten», doch nicht im absoluten Sinn. «Änderungen oder gar ein Abbruch sind möglich, wenn dadurch eine städtebaulich und architektonisch bessere Lösung erzielt wird», sagt Stadtrat Pfisterer. Die Auflagen beschränken sich auf den «Substanzschutz», auf besondere «Merkmale», die man, wenn möglich, der Nachwelt erhalten möchte, «Denkmalschutz light» sozusagen.

Die jetzt vorgeschlagene Liste der 26 Objekte ist weder revolutionär, noch überraschen die darauf figurierenden Objekte. So sind zum Beispiel die beiden Zeughäuser nördlich und südlich der Rohrerstrasse ebenso wie der ehemalige Schlachthof betroffen. Als Schutzziel gilt in allen drei Fällen, dass «die Bauten in ihrer Erscheinung zu erhalten sind». Gleiches gilt für die römisch-katholische Kirche Peter und Paul (Baujahr 1940) an der Poststrasse und für das Paul-Karrer-Haus der Alten Kantonsschule, das 1969 entstand und im Volksmund «Aquarium» genannt wird. Begründet wird der Schutz in diesem Fall damit, dass es sich um ein bauliches Beispiel der sogenannten «Solothurner Schule» oder der «Jurasüdfuss-Architektur» handle.

Nachvollziehbar ist, dass auch die Fassade der Bank UBS an der Bahnhofstrasse und die Hauptpost am Bahnhofplatz sowie das Gebäude der Glockengiesserei Rüetschi am Rain Eingang in dass neue lokale Bauinventar finden sollen. Schliesslich wurden auch Schulanlagen der öffentlichen Hand als besonders schutzwürdig empfunden, namentlich das Aareschulhaus am Bündtenweg im Scheibenschachen und die Turnhalle beim Stäpflischulhaus im Stadtteil Rohr. Eher unerwartet tauchen die Anbauten des Restaurants Weinberg ennet der Aare mit dem lauschigen Biergarten und dem Tanzpavillon im Jugendstil in dieser Reihe auf.

Private Eigentümer betroffen

In die Pflicht genommen werden sollen aber auch private Hauseigentümer im Zelgli- und Gönhardquartier, im Ambiente der typischen Gartenstadt also. Als «in der Erscheinung erhaltenswert» deklarieren die Fachleute etwa das Haus an der Zelglistrasse 45 oder jenes an der Weltistrasse 17, das über einen «burgähnlichen Eckaufbau» verfügt. Als Kuriosum soll auch die einstige Trafostation des EW Aarau am Bündtenweg zusätzlich geschützt werden, weil sie «als reiner Technikbau auch Gestaltungsformen zwischen Heimatstil und Reformarchitektur» offenbart.

Das Inventar der «Besonderen Bauten» ist im Moment in der Phase der Mitwirkung der betroffenen Eigentümer. Diese können sich bis zum 24. Oktober schriftlich «zum Status ihrer Liegenschaft» äussern. Die bereinigte Liste geht dann laut Stadtrat Lukas Pfisterer «im ersten Quartal des kommenden Jahres 2017», zusammen mit dem gesamten Entwurf für die neue Bau- und Nutzungsordnung, in die öffentliche Auflage.

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