Infrastruktur
Denkmäler und Häuser versus Blumenrabatten: Aarauer Turnfest-Kosmetik gestern und heute

Früher wurden vor den «Eidgenössischen» Bahnhöfe und Denkmäler gebaut und ganze Häuserzeilen saniert.

Katja Schlegel, Ueli Wild
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An vier Orten sind spezielle Blumenrabatten fürs «Eidgenössische» vorbereitet worden. Das Bild zeigt jene am Albert-Einstein-Weg, hinten die Turnfest-Behelfsbrücke. uw

An vier Orten sind spezielle Blumenrabatten fürs «Eidgenössische» vorbereitet worden. Das Bild zeigt jene am Albert-Einstein-Weg, hinten die Turnfest-Behelfsbrücke. uw

Ueli Wild

Dass in gut 70 Tagen das «Eidgenössische Turnfest» startet, sieht man der Stadt noch kaum an. Kein Vergleich zur Umtriebigkeit, welche die Aarauer jeweils vor anderen «Eidgenössischen» packte. Da wurden Denkmäler gebaut (beispielsweise das Schützendenkmal auf dem Bahnhofplatz), und da liessen sich auch die Hausbesitzer in der Altstadt nicht lumpen und liessen die Fassaden sanieren, von Geranien und Flaggen während des Festes ganz zu schweigen.

Auch für das «Eidgenössische» 1972 krempelten die Aarauer die Ärmel hoch. Das Militär richtete im Damm-Quartier extra einen Turnfest-Bahnhof ein. Und die SBB zogen den dringend nötigen Ausbau sowie die Renovation des offiziellen Bahnhofes vor – zur grossen Freude der Aarauer: «In die Turnfest-Kosmetik ist auch der Aarauer Bahnhof einbezogen worden», schrieb das «Aargauer Tagblatt» kurz vor dem Fest und nicht ohne spöttischen Unterton. «Mit gutem Erfolg hat man sich in den letzten Wochen darum bemüht, die Turnerinnen und Turner einigermassen würdig empfangen zu können.» Rechtzeitig fertig wurde auch der Neubau des «Aarauerhofs», damit die Ehrengäste – nicht etwa wie ein Teil der Turner – im Güterbahnhof in stehenden Liegewagen übernachten mussten. Saniert wurde unter anderem auch das Leichtathletikstadion im Schachen.

Vorboten des Turner-Mega-Events findet man in Aarau auch dieser Tage. Drei eingefasste, kreisrunde Erdflächen beispielsweise am Albert-Einstein-Weg, wenige Meter Aare-abwärts, unterhalb des Süffelstegs und der Turnfest-Behelfsbrücke lassen vermuten, dass sich Aarau floral herausputzen will. Daniel Müller, Leiter Liegenschaften und Betriebe bei der Stadt Aarau, bestätigt den Sachverhalt: «Ja, wir haben im Hinblick auf das Eidgenössische Turnfest an vier Standorten Rabatten zur Bepflanzung vorbereitet.» Auf die zusätzliche Blumenpracht müssen die Aarauerinnen und Aarauer, die als erste in den Genuss des Anblicks der farbenfrohen Kreationen kommen werden, aus klimatischen Gründen noch ein paar Wochen warten. Die Anpflanzung der Rabatten, so Daniel Müller, sei für Mitte Mai – nach den Eisheiligen – geplant. Heisst konkret: nicht vor dem 16. Mai. Gäbe es in der Schweiz, wie in Frankreich, einen Wettbewerb der «Villes Fleuries», würde Aarau dann bestimmt im Ranking die nächsthöhere Stufe erklimmen, beziehungsweise eine Blume dazugewinnen.