Aarau
Den Schweinen Piggeldy und Frederick gehts an den Kragen

Das kleine und das grosse Schwein waren am Wochenende mit «Gustavs Schwestern» im Rahmen des 15-Jahr-Jubiläums unterwegs auf der Bühne des Aarauer Fabrikpalastes. Für die Kinder ein Spass, stockte den Eltern kurz der Atem.

Heidi Hess
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Sybille Grüter (r.) und Jacqueline Surer mischen sich in die Geschichte ihrer Figuren ein.

Sybille Grüter (r.) und Jacqueline Surer mischen sich in die Geschichte ihrer Figuren ein.

Hansueli Trüb

Hätten die Puppenspielerinnen in Ruhe ihr Mahl beenden können, dann wäre alles anders gekommen. So aber werden sie im «Fabrikpalast» in Aarau noch vor dem Essen vom Publikum überrascht, müssen eiligst Brot, Wurst und Torte wegräumen und hungrig mit dem Spiel beginnen: Das Abenteuer um Piggeldy und Frederick nimmt seinen «fatalen» Lauf.

In «Piggeldy und Frederick» vermischt sich die Geschichte der Schweinebrüder mit dem Puppenspiel von Sibylle Grüter und Jacqueline Surer. Natürlich ist das Mischen dieser Ebenen gewollt. Es ist cleverer Teil der Geschichte, mit denen die Frauen am Wochenende anlässlich des 15-Jahr-Jubiläums im Fabrikpalast auftraten.

Es gehört aber auch zur Philosophie von «Gustavs Schwestern», wie sich die beiden nennen. Sie wollen erzählen und sie wollen sich auch in die Geschichte ihrer Figuren einmischen, manipulieren, sogar mal mit ihnen streiten. Bei den Kindern kommt das gut an. Es entspricht ihrem eigenen Spiel. Ins Gästebuch schreibt denn auch ein neunjähriges Mädchen: «Mir hat sehr gut gefallen, dass sie manchmal Wahrheit spielen.»

Zum Abenteuer gehört Fernweh

Beim Spiel im Fabrikpalast fragt der kleine Bruder Piggeldy den grossen Bruder, getreu dem Vorbild des Trickfilm-Klassikers aus den 70er-Jahren: «Frederick, was braucht es bei einem Abenteuer?» – «Nichts leichter als das», antwortet Frederick. Und erzählt beim Wandern durch Wiese und Wald, durch die Stadt und bis in den Süden, dass zum Abenteuer Fernweh gehört. Aber auch Risiko oder ein kühler Kopf.

«Kühlen Kopf» etwa bewahren die Schweine, so Fredericks simple Erklärung, wenn sie in eine aufgemalte, übergrosse Papierbadewanne eintauchen. Als Teil eines raffinierten Bühnenbildes wird diese zum blubbernden Schattentheater.

Raffiniert auch, wie die Illusion des Wanderns vermittelt wird: Ein Förderband lässt Täfelchen mit aufgemalten Blumen oder Autos vorbeiziehen. Sibylle Grüter und Jacqueline Surer benötigen wenig mehr als schwarze Tafeln und Kreide, um die Fantasie des Publikums anzuregen.

Den Eltern wird angst und bang

Schwarz wird schliesslich auch der Humor, wenn die beiden Spielerinnen - vor lauter Hunger selbstverständlich - den Schweinen an den Kragen wollen. Im «Süden» angelangt, reiben sie sie mit («Sonnen-»)Öl und («Insekten-») Salz ein und stecken sie kurzerhand in den Ofen. Den Eltern im Publikum wird angst und bang, sollen Piggeldy und Frederick wirklich als Festmahl enden? Ist das nicht zu grausam in einem Stück, das für Kinder ab 5 Jahren gedacht ist?

Die Ofentüre aber geht wieder auf und die Schweine, als wärs Zauberei, sind weg. «Wo sind sie hin?», hört man ein Kind fragen. Flucht gelungen, Happy End? Auch das gehört eben zum Abenteuer. Und genau das wussten die kleinen Mädchen und Buben im Publikum schon vorher.

Aufführungen: «Das Rote Nashorn» (ab 5 Jahren), Mittwoch, 19. November, 15 Uhr, im Fabrikpalast, gratis für die Tellianer; Freitag, 21. November, 20 Uhr, «La Peur Qui Danse – von den Farben der Angst», mit Tine Beutel, Irène Wernli, Marco Käppeli.

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