Seit gestern sind sie alle zurück in der Schweiz, die acht Freunde aus der Region Aarau, die sich Mitte Januar zur Rallye Budapest–Bamako, «The Great Africa Run», aufmachten. Noch klebt ihnen Wüstensand zwischen den Zehen, selbst nach der dritten Dusche. Und trotz der acht Pack Kaffee, die sie unterwegs aufgebraucht haben, sind sie alle furchtbar müde. Aber sie sind wohlauf. Und restlos begeistert.

8460 Kilometer haben Beni Mahler, Dani Richner, Martin Geissmann, Reto Trottmann, Jörg Vogler, Simon Burri und die Brüder Dimce und Goran Iliev, verteilt auf drei Fahrzeuge, in den letzten zwei Wochen abgespult.

Jetzt sind sie erfahrene Autoflicker: Räder können sie im Schlaf wechseln. Auspuffe schweissen und Federn verstärken auch. Sie haben gelernt, dass man die Fehlermeldungen des Bordcomputers unter der Wüstensonne getrost ignorieren darf und dass Chassis bei zu grosser Belastung brechen können. Mehrmals sogar. Was für ein Glück, dass sich auch mitten in der afrikanischen Einöde immer irgendwo eine Werkstatt findet.

Es geht auch ohne

Die acht hatten sich akribisch auf die Rallye vorbereitet, hatten die Autos in einem Motocrosspark auf Herz und Nieren getestet und mit Satellitenbildern die Offroadstrecken studiert. Sie prägten sich jede Tankstelle, jeden Laden, jede Schlucht ein und hatten viel zu viel Ausrüstung mit an Bord.

Dass es aber auch ganz anders geht, führte ihnen ein Schwede vor, den sie auf der Fähre nach Marokko kennen lernten. Dieser hatte weder ein Navigationsgerät noch einen Laptop, geschweige denn eine Jacke dabei. «Er hatte geglaubt, so kalt wie in Schweden werde es unterwegs bestimmt nicht», sagt Dani Richner und lacht. Ein Trugschluss: Im Atlasgebirge lag Schnee, die Temperatur sank nachts bis an die Null-Grad-Grenze.

Brenzlig sei es unterwegs nie geworden, auch wenn sie durch nicht ungefährliches Gebiet fuhren. «Die Rallye war extrem gut gesichert, in jedem Dorf und in jedem Camp waren Gendarmen anwesend», sagt Richner. Unangenehm sei es auf dem Land nie geworden. «Für viele waren wir eine Attraktion, eine Abwechslung.»

Insbesondere die Kinder hatten ein Riesengaudi, seien ihnen winkend nachgerannt, wollten die Autos studieren und die Weissen anfassen. «Die Leute auf dem Land waren im ersten Moment zurückhaltend, aber herzlich und gastfreundlich. Die Leute in der Stadt wollten uns ständig etwas verkaufen.»

Die Sorgenkinder sind verkauft

Oder kaufen: Nach der Zieleinfahrt in Malis Hauptstadt Bamako seien die Autokäufer wie die Geier über sie hergefallen. «Wir wollten einfach nur unter die Dusche und ins Bett, aber die haben uns richtiggehend belagert», sagt Richner. Jetzt sind sie zwei Autos los, den Opel Frontera und den Mitsubishi Pajero, die beiden Sorgenkinder. Den Nissan Patrol – er hatte nur drei Platten – haben sie behalten und einen Deal mit einem Ungarn ausgehandelt, der ebenfalls an der Rallye teilgenommen hat: Dieser fährt den Nissan zurück in die Schweiz und will dafür nur die Spritkosten zurückerstattet haben. Danach wird der Nissan zum Ferienmobil, für Ausflüge am Wochenende.

In Mali zurückgelassen hat die Truppe auch den Grossteil ihrer Ausrüstung und Vorräte vor Ort dem Hilfswerk «Village Ventures» gespendet. Und weil sich sieben der acht Freunde dank Ausbildung oder Studium in den Bereichen Elektronik und Elektrotechnik mit Strom auskennen, haben sie auch gleich beim Aufbau eines Frauen-Radiosenders mitgeholfen. «Es haben noch ein paar Kabel und Stecker gefehlt. Die besorgen wir jetzt in der Schweiz und schicken sie nach Mali», sagt Richner.

Eine Auszeichnung für die Klassierung haben sie bei der Rallye nicht gewonnen. Dafür ein unvergessliches Erlebnis und Lebenserfahrung. Und von den Organisatoren spontan einen Award fürs «interkulturelles Zusammenkommen»: Mitten in der Wüste kauften sie sich eine Geiss, liessen diese von den Einheimischen schlachten und kochten mit Schweizer Dörrbohnen, Sauerkraut und Kartoffeln so viel Eintopf, dass es für das halbe Camp reichte.