Küttigen

Demokratische «Schamfrist» für Tempo 30 vorbei

Demokratische «Schamfrist» für Tempo 30 vorbei

Demokratische «Schamfrist» für Tempo 30 vorbei

Der Gemeinderat nimmt einen neuen Anlauf für verkehrsberuhigende Massnahmen in den Quartieren. Im Budget für das Jahr 2011 ist für bauliche Massnahmen in einer ersten Etappe ein Betrag von 91000 Franken eingesetzt.

Küttigen nimmt einen neuen Anlauf für die Einführung von Tempo 30 auf Quartierstrassen. Im Budget für das Jahr 2011 ist für bauliche Massnahmen in einer ersten Etappe ein Betrag von 91000 Franken eingesetzt, der von der Gemeindeversammlung am 8. Dezember bewilligt werden muss. Das Vorhaben beruht auf dem vom Küttiger Gemeinderat bereits 2008 erarbeiteten Verkehrskonzept. Dieses mündete im laufenden Jahr in die «Massnahmenplanung Verkehrsberuhigung», die im Sommer in eine öffentliche Mitwirkung ging. Der entsprechende Schlussbericht wird im Moment durch Bauverwalter David Fiore erstellt.

«Tempo 30» ist im Juradorf von jeher mit grossen Emotionen verbunden. Bereits 2004 fiel ein erstes konkretes Projekt an einer vom Gewerbeverein erzwungenen Referendumsabstimmung durch. Gemeinderat Max Wehrli interpretierte vor sechs Jahren das Resultat nicht als «fundamentale Opposition gegen verkehrsberuhigende Massnahmen in Quartieren», sondern eher als ein Nein zu den seinerzeit geplanten baulichen Massnahmen. Wehrli versprach damals eine «demokratische Schamfrist», schloss aber ein späteres Rückkommen auf das Thema nicht aus.

Dies ist jetzt der Fall, nicht zuletzt mit Blick auf die verkehrsmässig veränderte Situation nach der Eröffnung der neuen Staffeleggstrasse ab kommendem Dezember. Der Gemeinderat stützt sich bei seinen Überlegungen auf Massnahmen zur Verkehrsberuhigung in Quartieren, wie sie eine Studie des Ingenieurbüros Ballmer + Partner AG, Aarau, vorschlägt. Diese kommt zum Schluss, dass «mit keiner anderen Massnahme als mit Tempo 30 die Sicherheit und der Wohnwert in den Quartieren mit so geringen Kosten so deutlich verbessert werden können», heisst es im entsprechenden Bericht.

Vier Quartiere in erster Etappe

Appelle der seinerzeitigen Gegner, auch ohne Signalisation und «freiwillig» Tempo 30 einzuhalten, fruchteten nichts. Deshalb hat der Gemeinderat jetzt über das Budget 2011 für eine erste Etappe 91000 Franken eingesetzt. Damit sollen bauliche Massnahmen in vorerst vier Quartieren von Küttigen und Rombach zu einer Verkehrsberuhigung führen. Es handelt sich um die Gebiete Nüberich/Kirchberg, Brandacker/Vorstadt, Stock und Bifang. Man hat sich im Gegensatz zur gescheiterten Vorlage von 2004 laut David Fiore jetzt auf ein Minimum an baulichen «Hindernissen» beschränkt. Es geht lediglich um das Setzen von Stelen im Sinne von «Eingangspforten», um Rechtsvortritt-Markierungen und das Aufmalen des Signets «Tempo 30» auf den betroffenen Quartierstrassen.

SP und FDP sind dafür

Bei der öffentlichen Mitwirkung im letzten Sommer hat sich gezeigt, dass mindestens jene Kreise, die sich vernehmen liessen, grundsätzlich positiv zu Tempo 30 eingestellt sind. Von den Ortsparteien steht die SP Küttigen-Rombach ganz klar für die Realisierung von Temporeduktionen auf Quartierstrassen. Erfreulich sei, dass man «auf bauliche Massnahmen mehrheitlich verzichtet», heisst es im jüngsten Informationsblatt der Sozialdemokraten.

Gleich tönt es bei der FDP: «Die Zeit ist reif für Tempo 30 in allen Quartieren von Küttigen-Rombach», ist in einer Stellungnahme im «Küttiger Anzeiger» zu lesen. Auch die FDP lobt das optimale Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen, vor allem im Bereich der Sicherheit.

Während für die Freisinnigen eine Etappierung «keinen Sinn macht» und Tempo 30 auf sämtliche Quartiere ausgedehnt werden sollte, will der Gemeinderat im kommenden Jahr erst einen Teil realisieren. Massnahmen in den übrigen Ortsteilen sollen laut Bauverwalter David Fiore «nach Bedarf» folgen.

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