Aufgrund der morgen zu Ende gehenden Fussball-EM lässt sich sagen: Ein Spiel geht üblicherweise dann in die Verlängerung, wenns vorher langweilig war – weil keine Tore fielen oder höchstens eins auf jeder Seite. Ganz anders verhält es sich mit kulturellen Veranstaltungen. Da ist eine Verlängerung eigentlich immer ein Zeichen für Grosserfolge.

So auch beim Aarauer Stadtmuseum. Eigentlich hätte die Ausstellung «Demokratie» nur bis Ende Januar dauern sollen. Doch dann kams zur Zugabe, die Finissage war am letzten Wochenende. Ganz problemlos war das nicht: Die ausgestellte Guillotine aus Paris etwa musste fristgerecht zurückgegeben werden. «Zum Glück konnten wir als Ersatz eine aus Genf ausleihen», sagt Marc Griesshammer, Kurator der Ausstellung. Die Guillotine sei übrigens beim Publikum sehr gut angekommen. Gefragt wurde, wofür die Besucher ihren Kopf hinhalten würden. «Die meisten würden das für die eigenen Kinder oder den Rest der Familie tun», verriet Griesshammer. Auch «für eine freie Gesellschaft» sei oft genannt worden.

Über 30 000 im Stadtmuseum

Das eigentliche Highlight waren aber die virtuellen Stimmenzähler, die mittels Hologramm in den Raum projiziert wurden und mit den Museumsbesuchern in einen Dialog traten. «Sie haben die Besucher in ihrem Demokratieverständnis abgeholt», sagt Griesshammer. Der Kurator ist angesichts des «Demokratie»-Erfolgs rundum zufrieden: Mit rund 10 000 Eintritten pro Jahr hat das Stadtmuseum Aarau gerechnet und budgetiert, als es im April 2015 eröffnet wurde. Insgesamt wurden nun während der 14 «Demokratie»-Ausstellungsmonate 24 164 Eintrittstickets gelöst, weitere 10 000 Leute waren für öffentliche Veranstaltungen im Stadtmuseum. 158 Führungen fanden statt, teils fremdsprachig. Weil sogar die «Zeit» über die Ausstellung berichtete, kamen auch Gruppen aus Deutschland nach Aarau.

Im Herbst Hermann Burger

Die Ausstellung geht nun möglicherweise nach Bern. Das Politforum Käfigturm hat Interesse angemeldet. Im Aarauer Stadtmuseum wird in Zusammenarbeit mit dem Forum Schlossplatz ab Herbst die nächste Sonderausstellung gezeigt. Sie ist dem Schriftsteller Hermann Burger gewidmet.