Bildungsabbau

Demo gegen Sparmassnahmen: Schulpflege Aarau setzt Lehrer unter Druck – und erntet Kritik

Die geplante Demonstration von Aargauer Lehrkräften am 8. November könnte ohne die Mithilfe ihrer Kollegen aus Aarau stattfinden. Die Schulpflege der Gesamtschule Aarau versucht nämlich, deren Teilnahme zu erschweren – und erntet dafür Kritik.

Die geplante Sparrunde im Bildungswesen zieht nicht ohne Protest am betroffenen Lehrpersonal vorbei. "Wut macht sich breit", beschrieb Elisabeth Abbassi, Präsidentin des aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (alv), die Stimmung an der Delegiertenversammlung von vergangenem Mittwoch. Als Folge einer verfehlten Finanzpolitik sei die Schule zum Spielball absurder Massnahmen mutiert.

Um sich gegen den Bildungsabbau und die Sparrunden bei den Löhnen zu wehren, haben die Aargauer Lehrkräfte sowie andere Berufsverbände aus dem Kanton am 8. November eine Kundgebung vor dem Grossratsgebäude beschlossen.

Doch das Vorhaben stösst nicht überall auf Gegenliebe: So hält die Schulpflege der grossen Gesamtschule Aarau gemäss dem "SRF-Regionaljournal Aargau-Solothurn" schriftlich fest, dass es während der Protestkundgebung "keinen flächendeckenden Unterrichtsausfall" geben dürfe. Auch entfalle die "Organisation allfälliger Betreuungsdienste".

Knatsch wegen Lehrerdemo

Knatsch wegen Lehrerdemo

Am 8. November wird an den meisten Schulen Unterricht wegen der Demo ausfallen. In Aarau fordert die Schulpflege hingegen, dass alle Lehrer eine Vertretung aufbieten.

Betreuung muss nicht schulischer Unterricht sein

Aarauer Lehrer dürfen demnach nur an der Demonstration teilnehmen, sofern ihre Schüler von anderen Lehrpersonen der Schule Aarau unterrichtet würden, lautet die Vorgabe der Schulpflege.

Regierungsrat und Bildungsdirektor Alex Hürzeler sagte an der Delegiertenversammlung des alv klar: Lehrerinnen und Lehrer hätten das Recht zu streiken und zu protestieren. Allerdings gelte die Protestaktion nicht als Arbeitszeit. Die Schulpflegen seien verantwortlich dafür, dass der Schulbetrieb aufrecht erhalten bleibe.

Christian Aeberli, Chef der Abteilung Volksschule im Departement Bildung, Kultur und Sport des Kantons, präzisiert: Die Schulen seien zwar verpflichtet, ihre Kinder während der Kundgebung zu betreuen, dies müsse aber nicht zwingend schulischer Unterricht beinhalten. Die Kinder müssten lediglich im Sinne der Eltern beaufsichtigt sein, falls die Lehrperson abwesend ist.

"Schulpflege überschreitet Kompetenzen"

Beim Verband aller Aargauer Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten (VASP), welche ebenfalls an der Demo teilnehmen wollen, stösst der Vorstoss der Aarauer Gesamtschule auf Unverständnis. Es sei falsch, dass eine einzelne Schulpflege die Teilnahmemöglichkeit der Lehrpersonen einschränke, zitiert das "Regionaljournal" den Verband. 

"Absolut unverständlich" ist das Verhalten der Schulpflege auch für die Aarauer SP. Wie sie in einer Medienmitteilung schreiben, überschreite die Schulpflege damit ihre Kompetenzen und hindere die Aarauer Lehrerschaft ausserdem daran, geschlossen an der geplanten Kundgebung teilzunehmen.

Die Schulpflege müsse ihre Weisung zurücknehmen und die Lehrerschaft ihr Recht, an der Demonstration teilzunehmen, beanspruchen, schreibt die Sozialdemokratische Partei weiter.

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