Zum Abschluss der Ausstellung über Landschaften und Kugelobjekte von Béatrice Bircher liess der ehemalige Aargauer Vize-Stadtammann, Kulturpolitiker und Galerist Carlo Mettauer öffentlich über das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Politik diskutieren.

Aufgegriffen wurde die aktuelle Debatte um das Abhängen und Wiederaufhängen eines  Gemäldes halbnackter Nymphen in England. Für Altregierungsrat und Autor Silvio Bircher eine antiliberale Verirrung einer zeitgeistigen Kampagne.

Neue Anzeichen von Zensur widersprächen jahrhundertelangen Bemühungen um Kunstfreiheit. Auch seien bedeutende künstlerische Aussagen mit politischer Wirkung nicht auf vordergründige Provokationen angewiesen.

Die epochalen Plakate etwa von Hans Erni zur AHV und zur Umweltkrise der vergangenen Jahrzehnte seien politisch relevanter geworden als neuere Aktionen von Thomas Hirschhorn, so im Zusammenhang mit einem «verpissten» Blocher.

Bedeutung des Kulturgesetzes

Auch sei nicht sicher, ob ein für viel Geld vom Kunsthaus angeschafftes Davos-Motiv desselben Künstlers, das derzeit bloss «gelagert» werde, als zukunftsweisende Investition gelten könne.

Substanziell wurde die vom Publikum aufgegriffene Debatte, als auf die historische und aktuelle Bedeutung des aargauischen Kulturgesetzes verwiesen wurde. Malerin Béa Bircher war eine Zeit lang Mitglied des Erziehungsrates, weswegen sie als Politikerin bewusst nie einen Werkbeitrag beantragt habe.

Unbestritten blieb, dass das aargauische «Kulturprozent», obwohl man es schwerlich allen recht machen könne, seit 50 Jahren zu den Pionierleistungen der Kulturpolitik in der Schweiz gehört.

Ein politischer Appell, auch an das Kunsthaus gerichtet, betraf die nicht zu unterschätzenden Meister der Aargauer Regionalkunst, von Otto Wyler, Eduard Spörri, Max Burgmeier bis Kurt Hediger, welcher wohl noch zu Lebzeiten eine Ausstellung im Kunsthaus verdienen würde. Liebevolles Hegen und Pflegen von Regionalkunst sollte nicht mit Traditionalismus verwechselt werden.