Steinbildhauerei
Das wünscht sich wohl jeder Unternehmer: Andreas Aeschbach kann die Firma seinen Söhnen übergeben

Andreas Aeschbachs Söhne übernehmen seine Aarauer Firma für Steinbildhauerei und Steinrestaurierung. Zuerst sah es nicht danach aus.

Nadja Rohner
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Silvan (26, links im Bild) und Florio Aeschbach (30) sind seit Jahresbeginn Teilhaber an der A. Aeschbach GmbH, die Vater Andreas Aeschbach (60) 1982 gegründet hat.

Silvan (26, links im Bild) und Florio Aeschbach (30) sind seit Jahresbeginn Teilhaber an der A. Aeschbach GmbH, die Vater Andreas Aeschbach (60) 1982 gegründet hat.

Nadja Rohner

Das wünscht sich wohl jeder Unternehmer, der auf die Pensionierung zugeht: Andreas Aeschbach (60) kann seine Firma für Steinbildhauerei und Steinrestaurierung, die A. Aeschbach GmbH, den Söhnen Florio (30) und Silvan (26) übergeben. Seit Anfang Jahr sind die beiden Geschäftsteilhaber, der Vater will sich nach und nach zurückziehen.

1982 hat sich Andreas Aeschbach nach einer klassischen Bildhauerlehre selbstständig gemacht. Zunächst arbeitete der gebürtige Küttiger 18 Jahre lang mit einem Partner in Frick. Vor 20 Jahren trennten sich die Wege. Aeschbach suchte lange, bis er in Aarau, wo er seit Jahrzehnten wohnt, geeignete neue Räumlichkeiten fand. Schliesslich siedelte er seine Firma auf dem Areal der Glockengiesserei Rüetschi an, wo sie noch heute ist – Traditionshandwerk neben Traditionshandwerk.

Aktuell macht die Firma ihren Umsatz etwa zu 80 Prozent mit Restaurierung, zu 20 mit Grabmälern. Ihre Arbeit steckt in vielen öffentlichen Gebäuden: in der Klosteranlage Königsfelden, den Kirchen Brittnau und Wohlenschwil, im Aarauer Regierungsgebäude. Aeschbach war mit der Aussenrestaurierung der Alten Mühle in Seon, der Justizvollzugsanstalt Lenzburg und des Aarauer Oberturms betraut. Der Kalksteinbrunnen vor dem Suhrer Gemeindehaus stammt aus der A. Aeschbach GmbH, und derzeit steht eine Skulpturengruppe aus der Kirche Leuggern zur Restaurierung in der Werkstatt am Rain.

Zuerst sah es nicht so aus, als würde das Unternehmen in Familienhand bleiben. Silvan Aeschbach lernte Zimmermann, Florio Aeschbach Landschaftsgärtner. Erst später gingen sie beim Vater in die Ausbildung. Florio wurde Steinmetz, kümmert sich also eher um architektonische Teile. Silvan ist Steinbildhauer und als solcher mehr mit figurativen, gestalterischen Arbeiten befasst.

Der Vater hat keinen Nachfolge-Druck

«Wir sind ins Geschäft reingerutscht», sagt Florio Aeschbach. «Es ist vielleicht auch gut, haben wir zuerst etwas anderes gemacht.» Druck, so sagen die beiden, hätten sie von ihrem Vater nie verspürt. Und ihnen war wichtig, «dass wir es gemeinsam machen». Andreas Aeschbach ist stolz: «Ich freue mich sehr, dass die beiden ins Geschäft eingestiegen sind. Es wäre aber auch kein Problem gewesen, wenn sie es nicht getan hätten.» Die Tochter übrigens arbeitet wie die Mutter im Gesundheitswesen.

Dank einer Erweiterung der Werkstatt im letzten Sommer haben die drei Aeschbachs und zwei weitere Mitarbeitende gut Platz. «Mit der Familie zu arbeiten, ist ein Privileg», sagt Silvan Aeschbach. «Man kennt sich halt sehr gut.» Das habe Vor- und Nachteile, finden die drei, «wir gingen auch schon in den Wald zum Holz spalten, als es dringend eine Teambildungsmassnahme brauchte», sagt der Vater lachend.

Konstant geblieben sei über all die Jahre die Nachfrage nach Restaurierungen, sagt Andreas Aeschbach: «Die Gemeinden, Kantone und Privaten haben in ihre Liegenschaften investiert.» Es bestehe zwar eine gewisse Konjunkturabhängigkeit, jedoch: «Was unter Schutz steht, muss sowieso unterhalten werden.» Florio Aeschbach macht jetzt die Berufsprüfung «Handwerk in der Denkmalpflege».

Massiv zurückgegangen sei hingegen die Nachfrage nach klassischen Grabmälern. «Sie haben heute nicht mehr den Stellenwert, die sie früher hatten, als die Familien an einem Ort blieben und die Gräber pflegten», so Andreas Aeschbach. «Heute wählen viele Alternativen, etwa Urnenwände oder Waldfriedhöfe.» Dennoch: Die drei Firmeninhaber wollen den Bereich Grabmäler in ihrem Unternehmen stärken – allerdings setzen sie nicht auf Massenware, sondern auf individuelle Handwerkskunst.