160 Jahre

«Das tut weh»: Hier fliegt Aaraus ältester Stadtbaum davon

«Das tut weh»: Hier fliegt Aaraus ältester Stadtbaum davon

Erbarmungslos fressen sich die Motorsägen des Fortbetriebs Region Aarau in die Golatti-Linde.

Am Dienstagmorgen in aller Frühe war es soweit: Die zwei letzten Stündlein der Silberlinde beim Golatti hatten geschlagen. Für viele Anwohner ein schmerzhaftes Ereignis.

«Schade.» – «Das tut weh.» – «Es ist traurig, einen solchen Baum sterben zu sehen.» Es war noch nicht acht Uhr, als am Dienstagmorgen beim Altersheim Golatti zum ersten Mal die Motorsäge aufheulte – und die Passanten ihr Mitgefühl zum Ausdruck brachten.

Gut zwei Stunden später war der älteste Baum der Aarauer Altstadt nur noch ein amputierter Stumpf. Und gegen Mittag war die 160-jährige Silberlinde ganz Geschichte.

Lackporling ist schuld

Die Spezialisten des Forstbetriebs Region Aarau hatten ganze Arbeit geleistet. Mit Hilfe eines Autokrans wurden die einzelnen Stücke der stolzen Baumkrone über die Stadtmauer an den Fuss des Pulverturms gehievt und dort in transportgerechte Stücke zerschnitten.

Die Silberlinde ereilte das gleiche Schicksal wie vor neun Jahren ihren Zwillingsbaum. Der Pilz Lackporling hat sie derart geschwächt, dass sie aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste.

Keine Gnadenfrist

In den letzten Jahren hatte der Baumchirurg ihr Leben zu verlängert, indem er die Krone mittels Stahlseilen stabilisierte. Doch jetzt war in den Augen des Experten die Zeit gekommen, den Baum sterben zu lassen.

Anwohner hätten es begrüsst, dass der Linde noch mindestens eine Gnadenfrist bis im Herbst gewährt worden wäre.  

Kleiner Jungspund

Es gibt einen einzigen Trost: Unmittelbar nach der Fällung war die Anpflanzung einer neuen Silberlinde geplant. Diese ist allerdings erst sieben Meter gross. Also noch viele Jahre lang kein Ersatz für die Golatti-Linde. Sie fehlt ab heute im Stadtbild.

Das Fällen des Baumes, das Ausfräsen des Stocks und die Pflanzung des neuen Baumes kostete 15'000 Franken. Alleine der Jungspund war 4000 Franken teuer.   

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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