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Das Stellenkarussell bei Gemeindeverwaltungen wirbelt

Die neuen Stelleninhaber sind meist die alten aus den Nachbargemeinden – solche Rochaden sind hoch im Kurs.

Katja Schlegel
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CH Media

Muhens künftige Leiterin Steuern kommt von der Gemeindeverwaltung Buchs, die neue Menziker Steuerchefin kommt aus Dürrenäsch, die Oberentfelder haben nun innert kürzester Zeit einen neuen Bauverwalter gefunden; den aktuellen aus Schönenwerd. Meldungen dieser Art schienen in den letzten Wochen besonders häufig in den verschiedenen Gemeinderatsnachrichten aufzutauchen.

Der Schein trügt nicht. Das bestätigt Stephan Kopp, Gemeindeschreiber in Biberstein und Webmaster bei den Fachverbänden Aargauer Gemeinden. Im Stellenmarkt der Fachverbände werden sämtliche ­offene Stellen in Aargauer Gemeindeverwaltungen online ausgeschrieben.

«Homepage wird sehr rege genutzt»

«Aktuell sind in der Tat viele Stellen ausgeschrieben, unsere Homepage wird sehr rege genutzt», sagt Stephan Kopp. Dass dabei die «Neuen» die «Alten» aus benachbarten oder nah gelegenen Gemeindeverwaltungen sind, sei hingegen nicht aussergewöhnlich. «Wenn einer geht, fängt das Karussell an zu drehen, es gibt eine Kettenreaktion», sagt Stephan Kopp.

Schwer haben es aktuell die Gemeinden, die einen Bauverwalter suchen. Oberentfelden hatte diesbezüglich schlichtweg grosses Glück. Das sagt auch Gemeindeschreiber Dario Steinmann (AZ vom 22.2.). «Der Markt für solche Kaderleute ist ausgetrocknet.» Küttigen beispielsweise ist seit Ende August ohne Bauverwalter, die Gemeinde hat ein externes Ingenieurbüro mit der interimistischen Führung der Bauverwaltung betraut.

Auch Stephan Kopp kennt das Problem; er hat in Biberstein eine Doppelrolle inne. Er ist nicht nur Gemeindeschreiber, sondern seit Mai 2018 auch Bauverwalter; die entsprechende Zusatzausbildung hat er in der Zwischenzeit erfolgreich absolviert – notabene in einer Klasse mit 26 Abgängern aus den Kantonen Aargau, Solothurn und Basel-Landschaft. Trotz der stolzen Zahl neuer Bauverwalter, die nun auf dem Markt wären, sagt auch Kopp: «Die Lage bei den Bauverwaltern ist aktuell ernst. Solche Stellen wieder zu besetzen, ist schwierig.»

Wo es harzt, kann aber auch er nur vermuten: «Wer einmal eingearbeitet ist, der wechselt wohl so rasch nicht wieder.» Und warum lassen sich nicht mehr Verwaltungsmitarbeiter zum Bauverwalter ausbilden? «Man muss auch heftigen Gegenwind aushalten und viel Verantwortung übernehmen können. Das wirkt wohl oft abschreckend.»

Stephan Kopp

Gemeindeschreiber und Bauverwalter in Biberstein

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