Aarau
Das sind die Schwachstellen des Aarauer Velonetzes

Lange Wartezeiten, hohe Randsteine, enge Platzverhältnisse – Pro Velo Region Aarau hat ein Dossier mit sämtlichen Ärgernissen für Velofahrer zusammengestellt und an Stadt und Kanton übergeben.

Katja Schlegel
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Velo Aarau

Velo Aarau

Sandra Ardizzone
Überischt über die gefährlichen Stellen im Aarauer Velonetz.

Überischt über die gefährlichen Stellen im Aarauer Velonetz.

AZ

Wer in Aarau Velo fährt, kennt das unangenehme Gefühl an der Laurenzenvorstadt. An dem Punkt in Richtung Altstadt, an dem sich die Fahrbahn wegen der seitlichen Parkplätze verengt. Man pedalt mit der Gewissheit, dass die Autofahrer bei Grün mit Schuss über die Kreuzung zischen – und hofft inständig, dass einen keines der Fahrzeuge streift.

Es ist bei Weitem nicht der einzige mühsame Punkt rund um die Laurenzenvorstadt: Wer beispielsweise in Richtung Kreuzplatz will, muss umständlich via die Fussgängerinseln und Ampeln aufs Trottoir wechseln, aber schön vorsichtig, weil die Randsteine zu hoch sind. Lauter Punkte, die der Verein Pro Velo Region Aarau jetzt in einem Katalog zusammengetragen und an die Stadt und den Kanton übergeben hat. Der Umfang überrascht: Im Dossier sind knapp 70 Punkte aufgeführt.

Jedes Problem einzeln betrachtet

Steht es so schlecht um das Aarauer Velonetz? «In den letzten Jahren ist in Aarau viel für den Velofahrer getan worden», sagt Rolf Gutjahr von Pro Velo Region Aarau. «Aber nur stellenweise und nicht zusammenhängend.» Dazwischen liegen zu hohe Randsteine, zu schmale Velostreifen, zu lange Wartezeiten oder zu kurze Grünphasen, die die Funktionsfähigkeit eines zusammenhängenden Netzes behindern. «In diesem Dossier haben wir jedes dieser Probleme einzeln betrachtet und dokumentiert», sagt Gutjahr. Probleme, die dem Verein gemeldet wurden oder die Mitglieder aus eigener Erfahrung kennen, unterteilt nach Sicherheit oder Attraktivität, nach Relevanz, Aufwand und Zuständigkeit.

Pro Velo Region Aarau nennt diese Probleme Schwachstellen. Um die Bedingungen für den Veloverkehr zu verbessern, müssten Massnahmen ergriffen werden. «Es sind allesamt Punkte, wegen denen die Welt nicht untergeht. Aber es sind Ärgernisse, die man aus der Welt schaffen könnte», sagt Gutjahr. Gemeint sei nicht, dass Stadt und Kanton nun diese Probleme Punkt für Punkt abarbeiten. Vielmehr sollen beispielsweise bei Arbeiten, bei denen der Boden sowieso aufgerissen wird, anschliessend auch die Randsteine abgesenkt werden.

«Wir wollen nicht schimpfen»

Damit die Bedürfnisse der Velofahrer berücksichtigt werden, schaltet sich der Verein ein, sobald ein Projekt auftaucht. Gutjahr nennt als aktuelles Beispiel das Projekt der neuen Fussgänger- und Velobrücke Lindenhof, die das Gebiet Torfeld Nord entlang der SBB-Geleise mit dem Bahnhof verbinden soll. «Die Brücke an sich ist super, eine leistungsfähige und durchgängige Verbindung vor und nach der Brücke ist aber noch nicht gewährleistet. Darauf haben wir die Stadt hingewiesen.»

Es ist kein Zufall, dass sich der Verein mit rund 700 Mitgliedern ausgerechnet jetzt vermehrt Gehör verschafft: Der kommunale Gesamtplan Verkehr (KGV) für die Stadt Aarau, der die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung aufeinander abstimmt, soll dieses Jahr in die Vernehmlassung. «Uns ist es wichtig, dass die Verantwortlichen unsere Anliegen im Hinterkopf haben», sagt Gutjahr. «Wir wollen nicht schimpfen, sondern Inputs bringen und einen guten Draht zu den Verantwortlichen bei Stadt und Kanton haben.» Schliesslich wolle man als Partner und nicht als Gegner wahrgenommen werden.

Bei der Laurenzenvorstadt ist übrigens streckenweise Besserung in Sicht. Im Juni hat der Einwohnerrat die Sanierung und Neugestaltung der Laurenzenvorstadt zwischen Poststrasse und Schlossplatz genehmigt. Damit wird unter anderem das Tempo auf 30 Stundenkilometer gedrosselt und die Sicherheit für Velofahrer erhöht. Laut Stadtbaumeister Felix Fuchs soll das Projekt diesen Frühling aufgelegt werden. Die Realisierung nimmt rund ein Jahr in Anspruch.