Die fünf Gewinner der Schweizer Wissenschaftsolympiade treffen sich in heimischer Umgebung: im Chemiezimmer der Alten Kantonsschule Aarau. Die Lüftung rauscht, ein Schild beim Eingang warnt vor einer Natrium-Explosion.

Gold holten die fünf Nachwuchsforscher in verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen: Sie stellen jeweils zwei Sieger in Chemie, Biologie und Physik. In jedem Fach wurden die ersten vier Plätze mit Gold ausgezeichnet.

Sebastian Stengele aus Rothrist gewann sogar in Biologie und in Physik. Für ihn werden die Sommerferien eine besondere Herausforderung. Denn als Doppelsieger fliegt er gleich zu zwei internationalen Olympiaden: zuerst nach Bali, wo sich die besten Jungbiologen messen, und von dort direkt weiter nach Kasachstan, zur internationalen Physikolympiade. Für die beiden Sieger in Chemie geht es nach Vietnam. Alle fünf sind sich einig: Allein dies sei Grund genug, um an der Wissenschaftsolympiade überhaupt teilzunehmen.

Schüler unter Druck?

Sechs der insgesamt zwölf Siegerplätze belegen also Schüler der Alten Kanti. Werden sie etwa von den Lehrern derart unter Druck gesetzt? Keineswegs, sagt Stengele. Er habe bereits letztes Jahr in Physik teilgenommen. Damals gewann er Bronze. In seiner Freizeit lese er gerne über Biologie, und als Maturarbeit baut er einen Quadrocopter – ein Helikopter mit vier Rotoren. In der Klasse sind die fünf Sieger nicht etwa verschrien als Streber. Im Gegenteil. «Die Mitschüler haben sich für uns gefreut», sagt Alexander Eichenberger aus Birrwil. Er holte von schweizweit über tausend Teilnehmern den ersten Platz in Biologie. Allein in seiner Klasse hätten sich neun Schüler versucht.

Die Alte Kanti zeigt sich denn auch erkenntlich für erfolgreiche Gymnasiasten: An einer Stellwand werden etwa Zeitungsartikel oder besondere Leistungen präsentiert. Das soll jüngere Schüler motivieren. Um den Schulolympioniken nachzueifern, ist jedoch zusätzliche Leistung gefordert. Beispielsweise erhalten die Teilnehmer Zusatzlektionen. Und wer an der Wissenschaftsolympiade über die erste Prüfungsrunde hinauskommt, darf verschiedene Workshops besuchen. Diese werden von der Olympiade organisiert und finden neben dem regulären Unterricht statt. «Das war schon anstrengend», sagt Sebastian Stengele, und fügt an: «Dass man an den Workshops auf lauter Gleichgesinnte trifft, ist jedoch extrem spannend.» Das motiviere einen enorm.

Dieser Meinung sind auch die anderen. Vor allem seien die Übungen dort praktischer. In Chemie mussten sie eine komplizierte Synthese durchführen und in Biologie eine Grille sezieren. Mit Stecknadeln bestimmten sie Herz, Verdauungssystem und Fortpflanzungsorgane.

Spezieller Lehrgang bringt Erfolg

Der Biologielehrer Stephan Girod findet, dass sich die Schüler dieses Jahr gegenseitig angestachelt hätten. «Es herrscht eine unglaubliche Dynamik.» Eine weitere Erklärung für den Erfolg hat Peter Hänsli, der Prorektor: Erstens sei dieses Jahr ein Spitzenjahrgang. Zweitens hätten drei der fünf Schüler bereits an einem Mathematikwettbewerb teilgenommen. Entscheidend sei auch der sogenannte Nawimat-Lehrgang. Dieser wurde 2006 aufgenommen und fördert Schüler speziell in naturwissenschaftlichen Fächern; etwa mit dreiwöchigen Praktika in entsprechenden Firmen.

Damit will die Alte Kanti ihre Schüler besser auf die hohen Anforderungen der universitären Natur- und Ingenieurwissenschaften vorbereiten. Drei der fünf Sieger besuchen den Nawimat-Lehrgang. Und ihre Studienziele stehen bereits fest: Chemie, Biologie und Physik.