Aarau
Das «Sevilla» bleibt das «Sevilla» – mit Bastteppichen und Zigarettendunst

Die neue Pächterfamilie Isbert eröffnet die Traditionsbeiz in der Kirchgasse in Aarau am 20. August wieder. Ab Spätherbst sollen über Mittag auch wieder Menüs serviert werden.

Katja Schlegel
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Ruken und Ali Isbert schliessen am Dienstag die «Sevilla»-Tür wieder auf.Emanuel Freudiger

Ruken und Ali Isbert schliessen am Dienstag die «Sevilla»-Tür wieder auf.Emanuel Freudiger

Emanuel Per Freudiger

Kein Zigarettenrauch, keine Stumpenschwaden. Im «Sevilla» riecht es nach Putzmittel. Sonst ist aber alles beim Alten geblieben: An den Wänden hängen die rauen Bastteppiche, der Feldschlösschen-Spiegel und der Kleber mit dem dicken Franziskaner-Mönch. Selbst die Tische und Stühle sind die gleichen, wenn auch die Lauge die Tischplatten leicht aufgehellt hat. Der neue Eigentümer der Liegenschaft, Beat Geser, hat Wort gehalten: Das «Sevilla» ist das «Sevilla» geblieben. Und am Dienstag geht es wieder auf, mit neuen Pächtern.

Die Nachfolge der Wirtsleute René und Annalis Dätwiler-Maurer tritt die Familie Isbert aus Unterentfelden an, Tochter Ruken (21) und Vater Ali (58). Vor zwei Wochen sind sich die Parteien handelseinig geworden. Die Pächter-Option, die vor dem Maienzug definitiv geregelt schien, hatte sich kurzfristig zerschlagen.

Ali Isbert wirtet schon seit Jahrzehnten, ihm gehört unter anderem das Restaurant Rustica in Oberkulm. Tochter Ruken arbeitet seit einem Jahr in der Gastronomie. Geser ist glücklich mit seiner Wahl, er kenne Ali Isbert seit 20 Jahren und habe volles Vertrauen in seine Arbeit. «Ausserdem freue ich mich, dass das ‹Sevilla› zu einem Familienbetrieb wird. So ziehen alle am gleichen Strick.»

Auch die neuen Pächter wollen das «Sevilla» räumlich nicht umkrempeln: «Dass hier seit Jahrzehnten alles gleich ist, macht ja gerade den Charme aus. Das gefällt mir», sagt Ruken Isbert. Die Öffnungszeiten bleiben gleich (Dienstag bis Samstag, 8 bis 24 Uhr, Samstag bis 2 Uhr), und auch bei den Getränkepreisen soll es keine wesentlichen Veränderungen geben.

Zwei Neuerungen gibt es aber: Die veralteten WC-Anlagen werden bis nächstes Jahr ersetzt. Und im ersten Stock baut Geser eine grosse Küche ein, wo warme und kalte Mahlzeiten zubereitet werden können. «Über Mittag wollen wir zwei bis drei Menüs anbieten», sagt er. Abends wird die Karte dann auf Rauchwürstli und Salat oder Sandwiches reduziert. Die Küche soll im Spätherbst in Betrieb genommen werden. Bis dahin kommt Geser den Isberts entgegen und verzichtet vorläufig auf den marktüblichen Pachtzins.

Dass Geser mit der Wiedereröffnung nicht bis nach der fertigen Sanierung zuwartet, hat seinen Grund: «Das Sevilla soll so schnell wie möglich wieder aufgehen, sonst geht es vergessen.» Er hofft, dass es nach der Wiedereröffnung wird, wie es während der 40-jährigen Ära Dätwiler war. «Bleibt das ‹Sevilla› zu lange zu, suchen sich die Stammgäste eine neue Beiz.»

Dass das «Sevilla» mit diesem Konzept nicht zur Goldgrube wird, dessen ist sich Geser bewusst. «Klar hätte ich hier eine moderne Bar einbauen können», sagt er. «Aber ich will Aaraus letzte Spelunke nicht sterben lassen.» Das sei sein persönlicher Kultur-Beitrag an die Stadt.

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