Aarau
Das Schanzrainbächli diente dem FC Aarau als Dusche

Zelgli, Telli, Schachen oder Rössligut? Der FC Aarau war bereits vor hundert Jahren auf Stadionsuche. Doch der Verein musste sich wie heute gedulden, ehe er 1924 den heute noch bestehenden Platz im Brügglifeld beziehen konnte. .

Hermann Rauber
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Die erste Holztribüne des FC Aarau brannte 1923 aus ungeklärten Gründen ab. ZVG

Die erste Holztribüne des FC Aarau brannte 1923 aus ungeklärten Gründen ab. ZVG

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Schuld an der Verzögerung waren allerdings im Gegensatz zu heute nicht hartnäckige Einsprecher, sondern in erster Linie die schwierigen Zeiten des Ersten Weltkriegs.

Man schrieb das Jahr 1898, als das damals höchst umstrittene Fussballspiel von England aus auch in Aarau Einzug hielt. Vorerst in Form einer Propaganda-Veranstaltung des städtischen Verkehrs- und Verschönerungsvereins.

Der Sport mit dem runden Ball faszinierte in den Pionierzeiten vorab Absolventen der Bezirks- und Kantonsschule. Aus diesen Kreisen heraus erfolgte am 26. Mai 1902 die Gründung des FC Aarau.

Das erste «Stadion» lag im vorderen Schachen, mit malerischem Blick auf die Silhouette der Altstadt. Das Feld war in den Anfangsjahren nicht umzäunt, erst ab 1909 stellte man bei Meisterschaftsspielen eine Wand aus Sackleintuch auf.

Die Garderoben für die Heim- und Gästemannschaft befanden sich im nahen Restaurant Fehlmann (später «Schützengarten», heute «Schützen»). Duschen waren ein Fremdwort, die Aktiven wuschen sich die Füsse und Schuhe im benachbarten Schanzrainbächli.

Die Tore und die Umzäunung mussten nach jedem Match wieder abgebrochen und deponiert werden. Von einer Tribüne konnten die Aarauer nur träumen. Was den FCA aber nicht daran hinderte, an der nationalen Spitze mitzumischen.

Die «zähen Kämpfer aus der kleinen Aarestadt», so die Schweizerische Fussballzeitung, schafften am Ende der Saison 1911/12 gar den ersten Titel eines Schweizer Meisters, dem 1914 ein zweiter folgen sollte. Zu den Stützen des Stadtclubs zählten damals Spieler wie Flückiger (im Goal), Rubli, Jörg, Rebmann, Märki, Osterwalder oder Siebenmann, alles einheimische «Gewächse».

Der nationale Verband trübte allerdings die Freude, rügte er doch die prekären Platzverhältnisse im Schachen mehrfach und unmissverständlich. Der FC Aarau wandte sich deshalb mit einem Gesuch an den Stadtrat, ihm ein Terrain auf dem Brügglifeld (auf Suhrer Gemeindegebiet, aber im Besitz der Ortsbürgergemeinde Aarau) zu überlassen.

Die Behörde im Unteren Rathaus verwies in ihrer Antwort auf das laufende Verfahren einer Güterregulierung im betroffenen Gebiet. Wegen Streitigkeiten mit Suhr endete das langwierige Verfahren erst 1919 mit einem Urteil des Bundesgerichtes.

Der Verein erachtete aber die Stadionfrage als dringlich und unternahm auf eigene Faust alternative Sondierungen für ein neues Areal. Bereits 1913 hoffte man auf ein aussichtsreiches Projekt in der Telli, das letztlich an finanziellen Forderungen scheiterte. Nicht infrage kam auch der anvisierte Standort südlich des damals brandneuen Bezirksschulhauses im Zelgli, der von Bündten belegt war.

Monate später schien ein neuerlicher Anlauf endlich zu gelingen. Die Verhandlungen über eine Platzanlage im Rössligut (zwischen Zeughaus und Balänenweg) standen kurz vor dem Abschluss, als der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Spätsommer 1914 die Bemühungen des FC Aarau abrupt unterbrach und für Jahre lahmlegte.

Erst 1921 kam die Frage nach einer neuen Platzanlage wieder auf den Tisch. Nach der abgeschlossenen Güterregulierung stand das Brügglifeld erneut im Vordergrund. Am 28. September 1923 war der Pachtvertrag mit der Ortsbürgergemeinde Aarau unter Dach, bereits ein Jahr später konnte das Stadion in Betrieb genommen werden.

Der ersten Holztribüne war aber nur eine kurze Dauer beschieden, sie brannte am 22. September 1929 aus ungeklärten Gründen ab. Was sich sonst noch rund um das «Brügglifeld» abspielte, soll in den nächsten Aarauer Neujahrsblättern, die im November erscheinen, ausführlich thematisiert werden.