Vor fünf Jahren begann die Planung, letzten August, zum 40-jährigen Jubiläum der Kehrichtverbrennungsanlage Buchs, brannte er erstmals – 800 bis 1000 Grad heiss.

Seit Anfang Jahr ist der 118 Millionen Franken teure neue Ofen in Betrieb. An der Feier zum 45-jährigen Bestehen des Kehrichtbeseitigungsverbands Aarau-Lenzburg (Gekal) in Buchs wurde die Investition gestern feierlich im Beisein von Regierungsrat Stephan Attiger eingeweiht.

Am Tag der offenen Türe kann die Bevölkerung heute die gesamte Verbrennungsanlage besichtigen. Für die KVA Buchs bedeutet die neue Ofenlinie vor allem mehr Effizienz, Output und Sicherheit. Rund 113 000 Tonnen Abfall schluckten die beiden bestehenden Ofenlinien letztes Jahr, 8000 Tonnen wurden stündlich verbrannt.

Damit sorgt die KVA Buchs dafür, dass über 275 000 Menschen in 110 Gemeinden im Westaargau, Fricktal, Freiamt und im deutschen Waldshut nicht in Müllbergen versinken. Die KVA ist aber auch Kraftwerk und Heizung. Wasserdampf mit 280 Grad versorgt die Migros Wynenfeld, das Kantonsspital Aarau oder die Suhrer Badi mit Fernwärme.

Bis zu 400 Grad heiss ist der Dampf, der Turbinen antreibt, welche aus schmutzigem Abfall sauberen Strom produzieren. Letztes Jahr wurden so 42  Gigawattstunden (GWh) ins Stromnetz eingespeist – nach Abzug des Eigenbedarfs der KVA (15 GWh). Die eingespeiste Menge reicht, um eine ganze Gemeinde mit 7000 Einwohnern wie Gränichen ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Verwerter statt Verbrenner

Seit 2014 produziert die KVA Buchs dank der neuen «Ofenlinie 2» jährlich bis rund 20 GWh mehr erneuerbare Energie – sauberen Strom für rund 2000 Haushalte. «Mit der effizienten und sauberen Anlage leistet die KVA Buchs einen Beitrag im Dienste des Umweltschutzes», sagt Gekal-Präsident Guido Fischer an der Einweihungsfeier. «Es ist eine vorausschauende Investition in die Zukunft, sagte Regierungsrat Stephan Attiger.

Wie einst beim Bau der KVA vor 40 Jahren sei man wohl wieder der Zeit voraus. Denn die Kehrichtmenge stagniert – im Verhältnis zur wachsenden Bevölkerung ist sie gar rückläufig. Die KVA ist laut Attiger zum Kehrichtverwerter und Energieversorger geworden. «Ich hoffe, dass das Feuer noch lange für uns alle weiterbrennt.»

Ein wichtiger Schritt für die Region nannte es Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie (BFE). «Aber auch für die nationale Energiestrategie 2050.» Mit dieser will der Bund den Verbrauch senken und die erneuerbaren Energien fördern. 2600 GWh könnten die KVA der Schweiz bis 2050 produzieren, rechnet der Gast aus Bern vor, 40 Prozent mehr wie heute. Konkret heisst das: Strom für rund eine Viertelmillion Haus-
halte.

Abschiedsgeschenk

Die 30-jährige «Ofenlinie 3» wird nach über 1,5 Millionen Tonnen verbrannten Mülls bis 2015 abgebaut. Geschäftsleiter Hans Suter ist mit dem ersten halben Jahr der neuen Anlage sehr zufrieden: 12 Prozent mehr Storm wird pro Tonne produziert, der Eigenverbrauch wurde ein Zehntel gesenkt. Zudem sei man ohne Erhöhung der Kehrichtspreise ausgekommen und unter dem Kostenvoranschlag geblieben. Für Hans Suter ist die «Ofenlinie 2» auch ein Abschiedsgeschenk. Er geht Ende Jahr nach 28 Jahren bei der KVA Buchs in Pension.