Hillary Clinton
Das sagen Aarauer Kanti-Schülerinnen zur vielleicht ersten US-Präsidentin

Wäre Hillary Clintons Wahl zur ersten US-Präsidentin ein wichtiges Ereignis für junge Frauen? Nicht unbedingt, wie sechs Stellungnahmen von Schülerinnen der Neuen Kantonsschule Aarau zeigen.

Sabine Kuster
Drucken
Wird sie die erste Präsidentin? «Ich messe Clintons Weiblichkeit keine grosse Bedeutung zu», sagt eine Kantonsschülerin dazu.

Wird sie die erste Präsidentin? «Ich messe Clintons Weiblichkeit keine grosse Bedeutung zu», sagt eine Kantonsschülerin dazu.

KEYSTONE

Morgen könnte es so weit sein: Dass die erste Präsidentin der USA gewählt ist. Es wäre ein wichtiges Symbol, sagen Frauenrechtlerinnen und Gleichstellungsbeauftragte. Die Wahl könnte gerade die jungen Frauen ermutigen Chefposten zu übernehmen oder in die Politik einzusteigen. Doch stimmt das?

Wir haben Dominique Burger, Prorektor der Neuen Kantonsschule Aarau gebeten, seine Schülerinnen zu fragen. Burger sagt: «Das Thema Gleichberechtigung wird in den Kantonsschulen oft behandelt und ist unumgänglich.» Doch die Schülerinnen outen sich nicht als glühende Feministinnen. Gut finden sie es schon, wenn eine Frau siegen würde, aber ein Thema sollte das nicht mehr sein. Eine Schülerin bemerkt, die Welt habe doch schon vor 56 Jahren die erste Präsidentin bekommen.

Jessica (19)

«Grundsätzlich ist es mir wichtig, dass die qualifizierteste Person ins Amt gewählt wird, unabhängig davon, ob es nun eine Frau oder ein Mann ist. Trotzdem denke ich, dass eine Frau als US-Präsident viel dazu beitragen könnte, das Bild von Frauen in Machtpositionen in der Gesellschaft zu normalisieren und dadurch unbewussten Sexismus in der nächsten Generation zu verhindern.»

Salome (19)

«Nach Obamas Wahl als erster dunkelhäutiger Präsident war das Echo sehr gross. Aber im Bezug auf die Gleichberechtigung ist sein Amt wohl eher ein symbolisches Zeichen geblieben. Die Situation hat sich in den USA nicht grundlegend verändert, wie #blacklivesmatter gezeigt hat. Insofern messe ich Clintons Weiblichkeit keine grosse Bedeutung zu. Ich denke, wenn es um die praktische Ausübung des Amtes geht, spielt es keine Rolle, ob darin ein Mann oder eine Frau waltet.»

Bernadette (19)

«Ich habe ein Jahr in den USA gelebt und für mich hat es wenig Bedeutung, ob ein Mann oder eine Frau an der Spitze der Regierung steht. Da war die Segregationsfrage bei der Wahl vor
8 Jahren viel einschlagender. Wichtig ist für mich die Kompetenz – und an der scheint es bei beiden Kandidaten in mancher Hinsicht zu mangeln!»

Anna (18)

«Süchbaataryn Jandschmaa wurde 1953 für neun Monate in der Mongolei die erste Staatspräsidentin der Welt, die nicht durch Abstammung an ihr Amt kam. Sirimavo Ratwatte Dias Bandaranaike war 1960 die erste Frau, die Sri Lanka regierte und in ihr Amt gewählt wurde. Margaret Thatcher wurde 1979 die erste Premierministerin Grossbritanniens. Benazir Bhutto war von 1988 bis 1990 und von 1993 bis 1996 Premierministerin von Pakistan und die erste Regierungschefin der islamischen Welt. Mary Patrivia McAleese war von 1997 bis 2011 Präsidentin von Irland. Angela Merkel regiert Deutschland seit 2005. Pratibha Devisigh Patil regierte 2007 bis 2012 Indien. Ruanda hat mit 63,8% den höchsten Frauenanteil im Parlament. Die Schweiz hatte bisher fünf amtierende Bundespräsidentinnen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Verstörend ist, dass die Tatsache, dass möglicherweise bald eine Frau die Vereinigten Staaten regieren wird, dennoch ein Thema ist.»

Livia (18)

«Für mich ist zweitrangig, ob ein Mann oder eine Frau das Präsidentenamt übernimmt, im Zentrum sollten für mich politische Eigenschaften und Fähigkeiten stehen. Trotzdem wäre es natürlich ein grosser Schritt, wenn die USA zum ersten Mal in ihrer Geschichte von einer Frau regiert würden. Besonders dieses Jahr stehen die Chancen gut für ein historisches Ereignis. Ob dies aber die Gleichberechtigung von Mann und Frau in irgendeiner Form stärken könnte, wage ich zu bezweifeln. Wahrscheinlich wird sich Hillary Clinton Hindernissen stellen müssen, die ein männlicher Präsident nicht müsste. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass durch die Wahl von Clinton viele Mädchen Interesse an der Politik gewinnen würden.»

Nadine (20)

«Für die USA war es bereits vor acht Jahren ein historisches Ereignis, zum ersten Mal einen dunkelhäutigen Präsidenten zu haben. Doch nun wird nicht viel darüber diskutiert, dass Hilary Clinton eine Frau ist. Für mich persönlich spielt es auch keine grosse Rolle, ob es eine Frau wird oder nicht. Jedoch sollte der Fakt, dass es sich um eine Frau handelt, eigentlich überhaupt keinen Einfluss haben.»

Aktuelle Nachrichten