Aarau
Das rote Schwein lehrt Kindern Umgang mit Geld

Von Taschengeld und Jugendlohn: Darüber spricht Andrea Fuchs von der Schuldenberatung Aargau-Solothurn am Elternbildungstag in Aarau.

Heidi Hess
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Präventionsfachfrau Andrea Fuchs mit dem roten Sparschwein, das auch Kindern beim Einteilen ihres Taschengeldes hilft.

Präventionsfachfrau Andrea Fuchs mit dem roten Sparschwein, das auch Kindern beim Einteilen ihres Taschengeldes hilft.

Heidi Hess

Andrea Fuchs schaut dem roten Schwein in die blauen Augen und lacht. Die blauen Augen hat sie ihm soeben aufgeklebt. «Ein Schwein ohne Augen, das geht ja nicht», sagt sie.

Das durchsichtige rote Schwein ist ein Sparschwein. Ein ganz besonderes Sparschwein allerdings. Eines mit vier Geldschlitzen statt nur mit einem und mit vier Sparabteilen statt nur mit einem: das Geld im Kopf darf sofort ausgegeben werden, das Geld in den beiden Fächern im Schweinebauch wird entweder für kleinere Wünsche gespart oder in grössere investiert (zum Beispiel in ein Velo oder eines Tages in Fahrstunden) und in das letzte Fach, beim Ringelschwänzchen, kommt das Geld für die gute Tat. Dieses Wohltätigkeitsdenken sei etwas amerikanisch, sagt Fuchs, schade hierzulande aber nicht. Und ganz allgemein hält sie fest: «Das ist Budgetdenken.»

Blauäugigkeit ist fehl am Platz

Andrea Fuchs arbeitet bei der Schuldenberatung Aargau-Solothurn und ist zuständig für die Schuldenprävention. Sie informiert sowohl an Lehrerweiterbildungsveranstaltungen als auch an Elternabenden. Über Multiplikatoren wie Lehrpersonen oder Eltern gelangt das Thema Geld zu Kindern und Jugendlichen, sagt sie. Demnächst redet sie in Aarau. Sie hält am Samstag, den 27. Oktober, am Elternbildungstag der Region Aarau das Einstiegsreferat «Früh übt sich... der Umgang mit Geld will gelernt sein.»

Denn beim Umgang mit Geld ist Blauäugigkeit fehl am Platz. «Wenn jemand in unserer Gesellschaft nicht mit Geld umgehen kann, wird er es schwer haben.» Fuchs ist nicht nur Expertin im Bereich Schuldenprävention, sie ist auch Mutter von zwei Teenagern. «In der Erziehung ist Geld ein Dauerthema, ich weiss von vielen Eltern, dass das immer wieder zu Streit führt.»

Man kann nicht alles sofort haben

Es freut sie deshalb, dass das gesellschaftlich wichtige Thema «Umgang mit Geld» von den Organisatoren des Elternbildungstages aufgegriffen wurde. «Es ist wichtig», sagt sie, «dass sich Eltern mit dem Thema auseinandersetzen, auch vor dem Hintergrund der Jugendverschuldung.»

Grundlagen beim Umgang mit Geld lernen Kinder in ganz unterschiedlichem Alter. Eltern seien zuerst einmal Vorbilder, etwa bei Fragen wie «Wofür brauchen wir unser Geld?» oder «Machen wir ein (realistisches) Budget?». Über solche Fragen sollten sie mit ihren Kindern aber auch sprechen. Wenn Eltern Kindergartenkindern beibringen, dass man nicht alles sofort haben kann, legen sie wichtige Grundlagen im späteren Umgang mit Geld – häufig ohne sich dessen bewusst zu sein.

Taschengeld wiederum ist heute ein Primarschulthema. Gibt man alles sofort aus, teilt man ein, spart man? Ab ungefähr 12 Jahren empfiehlt Fuchs einen Jugendlohn, der dem familiären Budget angepasst ist. Davon bestreiten sie Ausgaben wie Kleider, Bus-Abonnement, Essen (auswärts, Mensa) und auch die Auslagen für Ausgang und Vergnügen. «Sie erhalten somit nicht nur Verantwortung, sie lernen auch, einzuteilen», sagt Andrea Fuchs.

Weniger Konflikte in der Familie

Die Thematik zieht sich weiter: Es folgt der Lehrlingslohn, später der volle Lohn des jungen Erwachsenen. Wer bereits mit einem Jugendlohn gelernt hat, sein Geld für notwendige Anschaffungen einzuteilen, tappt später seltener in die Schuldenfalle. Von Eltern, die zu Hause den Jugendlohn eingeführt hätten, höre sie oft, dass die Diskussionen ums Geld in der Familie seither entspannter geführt werden könnten, so Fuchs.

Wer über Verdienst und Budget spricht, kommt um die Frage «Was ist wirklich nötig?» und «Was können wir uns leisten?» nicht herum. «Oft haben Wünsche im Familienbudget nämlich gar keinen Platz», sagt Andrea Fuchs. Das sollen Kinder und Jugendliche wissen.