Aarau
«Das ‹Rolling Rock› ist ein Geschenk für Aarau»

Am Freitagabend wurde das Skate- und Sportcenter «Rolling Rock» offiziell eröffnet. Die unerschrockenen Sportler fühlen sich in der Telli bereits pudelwohl.

Lee Ann Müller und Katja Schlegel
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Kein Wunder, traut sich da die eine oder andere Mutter nicht, hinzuschauen
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Die Profi-Beachvolleyballer Mats Kovatsch und Jonas Kissling (vorne) liefern sich gegen Andi und Roman Suter einen spannenden Match.
Die Besucher.
Jolanda Urech übergibt Simon Eichenberger das Rollbrettli
Hier können sich Boulderer austoben.
Dieser Scooterfahrer spickt weit über die Pipe hinaus.
Adi Deck vollführt waghalsige Sprünge in der neuen Halfpipe.
Das Scooter-Angebot im Shop ist riesig.
Besonders Mutige lassen auch mal den Lenker los.
Augen zu und über den Halfpipe-Rand fallen lassen.
Rolling Rock
Simon Eichenberger ist zufrieden mit dem Start des Rolling Rocks
Geschäftsleiter Simon Eichenberger ist mit dem Start in der neuen Halle sehr zufrieden.

Kein Wunder, traut sich da die eine oder andere Mutter nicht, hinzuschauen

Chris Iseli

Es wäre zu schön gewesen: Stadtpräsidentin Jolanda Urech, wie sie zur Feier des neuen «Rolling Rock» auf einem Skateboard vor den Augen der geladenen Gäste schwungvoll-galant eine Runde dreht. Doch daraus wurde nichts. Zwar hatte Urech gestern Abend ein Mini-Skateboard dabei. Doch das hatte einen symbolischen Zweck, klebt doch auf der Unterseite eine Widmung des Stadtrats als Erinnerung für Geschäftsleiter Simon Eichenberger an den Eröffnungsabend.

Ein Geschenk für ein Geschenk: Denn dass Eichenberger und sein Team über all die Jahre ein so wertvolles Nischenangebot geschaffen hätten, so Urech, «ist ein Geschenk für Aarau.» Eine solche Halle sei einmalig in der Schweiz und für Aarau ein wichtiger Trumpf. Eichenberger wiederum schenkte Urech als Andenken ein Rolling-Rock-Shirt und einen Blumenstrauss. Urech schien erleichtert: «Solange ich nicht auf ein Rollbrett stehen und eine Pirouette drehen muss, bin ich sehr froh.»

Die halsbrecherischen Vorführungen überliess Urech lieber Freestyle-Skater Adi Deck: Nach weiteren Ansprachen von Christian Koch, Leiter Sektion Sport, Departement Bildung, Kultur und Sport, und Sascha Bärenbold, Präsident der Beachhalle Aarau, führte Deck vor, zu was für sagenhaften Sprüngen die neue Halfpipe verführt.

Anschliessend zeigten Vinc Immersi, Kay von Arx und Pascal Heinzelmann von der Breakdancecrew «Ghost Rockz» mit ihren Schülern, was für Verrenkungen und Figuren man auch ganz ohne Rollen an den Füssen vollbringen kann.

Bereits über 3500 Besucher

Nahmen die ausnahmsweise etwas älteren Rolling-Rock-Besucher gestern Abend lieber mit festem Boden unter den Füssen vorlieb, zeigte sich diese Woche an einem wolkenverhangenen Nachmittag ein ganz anderes Bild: In den sechs Wochen, in denen das «Rolling Rock» an der Neumattstrasse bereits geöffnet hat, ist es in der einstigen Lagerhalle sehr lebhaft und laut geworden.

In den Halfpipes schwingen sich die Kinder von der einen Seite zur anderen, das Klappern der Scooter vermischt sich mit lautem Gelächter und Gejohle, die Halle ist gerappelt voll. Echte Könner wirbeln durch die Lüfte, beobachtet werden sie von Anfängern, die vorerst lieber auf dem sicheren Boden üben.

Trotz dem Standortwechsel vom Torfeld Süd in die Telli finden die Sportler den Weg: «Es läuft gut», sagt Eichenberger, «wir hatten seit der Eröffnung im Dezember mehr als 3500 Besucher.» Pro Tag seien es durchschnittlich 100 Personen, die das «Rolling Rock» besuchen. Die Reaktionen seien sehr positiv, so der «Rolling Rock»-Geschäftsleiter. Er selber sagt: «Es ist alles besser hier.»

Die neue Skate-Halle ist aus Holz, hell, und von allen Seiten überschaubar. Im zweiten Stock befinden sich Trampolins und ein Hockeyfeld, von oben sieht man über die gesamte Halfpipe-Anlage. Ganz fertig ist das neue «Rolling Rock» noch nicht: An einer Wand fehlen die letzten Klettergriffe, ein Tischtennistisch und ein Wegweiser sollen in den nächsten Tagen geliefert werden. «Wir sind in der Aufbauphase», sagt Simon Eichenberger, «es braucht alles seine Zeit.»

Es gilt nun, die Arbeitsabläufe zu optimieren, damit das Toilettenpapier immer aufgefüllt ist, und sich hinter der Kasse nicht drei Mitarbeiter auf den Füssen stehen. Eichenberger springt ein, wenn Not am Mann ist. Immer wieder muss der Geschäftsführer Kunden bedienen, beim Eingang hat sich eine kleine Schlange gebildet.

Auch Teilzeit-Mitarbeiter Claudio Antonelli hat alle Hände voll zu tun: Eintritte und Abos verkaufen, Inline-Skates und Scooter vermieten, Fragen beantworten: Ein Junge vermisst seine Jacke, ein anderer findet seinen Scooter zu schwer und will ihn gegen einen leichteren eintauschen. Hektisch sei es, aber besser organisiert als am alten Ort – und viel wärmer, fügt Antonelli an. Aus der freakigen Skaterhalle sei ein gut organisiertes Business geworden, sagt er.

Auch die Besucher schätzen die neue Anlage. «Die Trampolins federn besser und in den Halfpipes läuft es schneller», sagt ein keckes Mädchen mit blauem Helm auf dem Kopf. An einer Theke neben der Halfpipe-Anlage stehen die Eltern, einige beobachten ihre Schützlinge mit Argusaugen, andere lesen gemütlich ein Buch.

«Ich schaue lieber nicht hin», sagt eine Mutter lachend, «das ist vielleicht besser so.» Just in diesem Moment landet ein kleiner Knirps auf dem glänzenden Boden. Schnell rappelt er sich auf und reckt den Daumen in die Höhe – die anderen Kinder brausen wieder lachend von der einen Seite zur anderen.