Erlinsbach

Das «Rössli» blüht wieder auf: Das erwartet die Kunden

Die zwei neuen Nachbarn verstehen sich jetzt schon prächtig: Apothekerin Monika Wilders und Café-Inhaber André Varone.

Die zwei neuen Nachbarn verstehen sich jetzt schon prächtig: Apothekerin Monika Wilders und Café-Inhaber André Varone.

Im «Zentrum Rössli» in Erlinsbach ist neues Leben eingekehrt. Das Geschäft in der neuen Apotheke und dem Café ist schon gut angelaufen, nur der Begegnungsplatz braucht noch etwas Zeit.

Lange, lange haben die Erlinsbacher darauf gewartet, dass beim «Zentrum Rössli» etwas passiert. Seit die Migros vor rund acht Jahren auf die andere Strassenseite (zum Gemeindehaus) umgezogen ist, stand das ehemalige Ladenlokal leer.

Bis es die Clientis-Bank Küttigen-Erlinsbach (künftig Clientis Bank Aareland) kaufte. Und die Gemeinde einen Beitrag von 350'000 Franken an die Neugestaltung des Platzes vor der Liegenschaft bewilligte. Im letzten Sommer wurde die entsprechende Baubewilligung rechtskräftig, bald schon fuhren die Baumaschinen auf.

Von aussen sah das neue «Zentrum Rössli» am Donnerstag noch deutlich nach Baustelle aus; nur die «Wolke», ein elegant geschwungenes breites Vordach, ist bereits zu erkennen.

Der Begegnungsplatz wird auch noch ein paar Wochen lang nicht komplett fertig sein, das schlechte Wetter ist Schuld. Drinnen aber gehts dieses Wochenende so richtig los: Das neue Café und die erste Erlinsbacher Apotheke sind betriebsbereit, deren Betreiber hoch motiviert.

Eine Wohlfühl-Apotheke

Die Apotheke inklusive Drogerie hat sogar schon seit Anfang Woche offen. «Es ist bereits gut angelaufen», berichtet Geschäftsführerin und Offizinapothekerin Monika Wilders. Was die Kunden erwartet, ist ein völlig neues Apotheken-Konzept. Eine klassische Verkaufstheke sucht man vergebens, Kunden werden beim Eintreten sofort empfangen und betreut.

Sie finden sich in einem äusserst grosszügigen Raum wieder, mit viel Platz zwischen den Regalen, sodass auch ein Einkauf mit Rollator oder Kinderwagen problemlos möglich ist. Es gibt abschliessbare Beratungszimmer, in die sich die Angestellten mit den Kunden zurückziehen können.

So sieht es in der neuen Apotheke & Drogerie aus:

Die meisten Gespräche finden aber in der gemütlichen Sitzecke statt, wo die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter – mit Laptop ausgerüstet – die Medikamentierung mit den Kunden eingehend besprechen kann, bevor dann ein Medikamentenroboter in der Mitte des Raumes das Gewünschte aus dem Lager liefert.

Als besonderes Detail baumeln Lampen in Form von Medikamenten-Kapseln von der Decke. «Wir haben sie extra in Neuseeland bestellt», erzählt Wilders. Die Gemütlichkeit kommt an: «Wir hatten schon Patienten, die nach dem Beratungsgespräch sitzen geblieben sind oder nach einem Kaffee gefragt haben.»

Die Apothekerin hat 17 Jahre lang «am Bach» in Suhr gearbeitet und macht sich nun selbstständig. Ihr neues Reich ist eine TopPharm-Apotheke – «Das ist keine Kette, sondern eine Genossenschaft für Inhaber von Einzelapotheken», präzisiert Monika Wilders. Ihre Apotheke soll bewusst keine sein, in der es zackzack gehen muss wie etwa am Bahnhof. Wilders nimmt sich gerne Zeit für Beratungen.

«Nur einfach Schubladen öffnen und Medikamente rüberschieben – das entspricht nicht meiner Philosophie. Ich sehe mich als Coach, der dem Patienten hilft, das vom Arzt definierte Therapieziel zu erreichen.»

Sie wird die Medikamentierung für die Spitex übernehmen, mit dem Alterszentrum Mühlefeld laufen Gespräche. Die Apotheke soll die bestehende medizinische Grundversorgung im Erzbachtal ergänzen: «Die Arztpraxen im Dorf sind ausgelastet.»

Wilders’ Apotheke ist zugelassen als sogenannte «Netcare»-Apotheke. Bei diesem System können ganz bestimmte, einfach zu behandelnde Erkrankungen direkt in der Apotheke angegangen werden. Klassiker sind beispielsweise Blasen-, Bindehaut- oder Rachenentzündungen.

Falls nötig, kann telefonisch Rücksprache mit einem «Medgate»-Arzt genommen werden. «Wir machen nur selber, was wir auch verantworten können. Komplexere Fälle gehören nach wie vor zum Hausarzt oder ins Spital», so Wilders.

Angeboten werden auch Allergie- und Lungenfunktionstests sowie ein gratis Hauslieferdienst für Medikamente. Wilders hat zu Beginn fünf Angestellte, davon eine Lernende. Die Apotheke wird zumindest in der Anfangsphase am Donnerstag geschlossen sein.

Ein Kafi fürs Dorf, vom Dorf

Sieben Tage offen hat dafür André Varone gleich nebenan. Hier hat sich der bald 69-Jährige einen Wunsch erfüllt: ein eigenes Café. Nachdem er vor seiner Pensionierung – Varone hatte eine Firma für Kältetechnik – an der Konzipierung von über 200 Cafés mitgearbeitet hatte, juckte es ihn, einen eigenen Betrieb zu eröffnen.

Im Dorf. Fürs Dorf. «Euses Kafi», heisst es denn auch am Schaufenster. Die Angestellten – Varone selber wird nicht operativ tätig sein – sind fast alle aus Erlinsbach, viele von ihnen Quereinsteigerinnen.

Und auch bei den Produkten legt Varone viel Wert auf die Region: Ein Schwerpunkt sind zum Beispiel Gelati; Glace, hergestellt vor Ort mit Frischmilch vom Barmelhof. Die Bäckerei Felber liefert ein Brot-Sortiment. Es gibt Sandwiches, frisch vor Ort auf Kundenwunsch gemacht – Varone: «Es gibt nichts Schlimmeres als Sandwiches mit Tomaten oder Gurken, die das Brot schon stundenlang durchgeweicht haben» –, erhältlich auch in Handwerker-Grösse.

Prominent platziert ist ein Regal mit lokalen Produkten: «Ich stelle Anbietern aus dem Dorf ein Fächli zur Verfügung, wo sie ihre Ware verkaufen können. Honig, Rapsöl oder Birnenbrot zum Beispiel», sagt Varone.

«Es müssen auch nicht unbedingt Lebensmittel sein.» Sobald die Bauarbeiten draussen abgeschlossen sind, wird rausgestuhlt. «Das wird ein fantastischer Platz», schwärmt Monika Wilders.

Übrigens: Das Restaurant Rössli, das sich im oberen Stockwerk der Liegenschaft befand, schliesst heute nach 33 Jahren Betriebszeit: «Wir gehen in den Ruhestand», teilen Erika und Paul Gärni per Inserat im «Niederämter Anzeiger» mit. Den Partyservice führen sie bis Ende Jahr weiter.

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