Ein heftiger Wind weht durch den Graben, der Aarauer Marktstrasse, und rüttelt heftig an den Marktständen und den ausgelegten Waren, wie ein Augenschein am vergangenen Samstag vor Ort zeigt.

Mit «verchutetem» Haar, die Hände in der Schürzentasche vergraben, harren etliche Marktfahrer unverdrossen während fünf Stunden hinter ihrem Stand aus. Zwar bleibt rund die Hälfte der Marktplätze leer, nur die Hartgesottenen trotzen dem Januarwetter. Dieses aber war für einmal gütig mit den Markfahrern und bescherte ihnen Sonnenstrahlen, welche durch die kahlen Äste der Baumalleen fielen, sowie frühlingshafte Temperaturen, die das winterliche Wetter der letzten Wochen kompensierten. Doch wie schaffen es die Marktfahrer, dass ihnen ihre Finger nicht klamm werden und die Zehen nicht einfrieren? Die az hat sich am Markt umgehört.

Mit blauem Filz-Chäppi, das kaum die Ohren richtig bedeckt, bietet Hans Rudolf Maurer aus Schmiedrued seinen Honig feil. Heute erledigt seine Frau einige Besorgungen in der Stadt, doch normalerweise wechseln sie sich am Stand ab. «So kann sich der Andere in einem Café ein wenig die Finger aufwärmen.» Nach dem Markt dann gibt’s bei den Maurers ein gutes Zmittag, «und anschliessend lege ich mich auf die warme «Chouscht», um wieder aufzutauen.» Der Schnee sei für ihn am schlimmsten, denn den wehe es einem so richtig um die Füsse. Sagt’s und stapft einmal seinem Stand entlang, «um die Zehen warm zu klopfen.»

Einmal sind die Eier eingefroren

Nur wenige Schritte weiter steht Christine Müller mit hochgezogenen Schultern am Stand Nummer 40. Die Hände hat sie in ihrer grünen Schürzetasche vergraben, zwei Schichten Jacken jedoch wehen offen im Wind. Sie habe immer ein Gasöfeli dabei, um sich daran die Finger zu wärmen, und trägt auch mal lange Unterhosen unter den Jeans. Der heutige Samstag aber sei herrlich im Gegensatz zu jenem vor einigen Jahren: «Da froren mir bei -12° Celsius sogar das Brot und die Eier ein! Diese hat es anschliessend beim Auftauen daheim verjagt.» Ihr grösster Feind sei die Biese, die mit ihren kalten Windböen an den Planen rütteln und einem durch Mark und Bein gehen würde. Trotzdem stellt sie seit 45 Jahren immer wieder ihren Stand auf. «Ablenken von der Kälte tut mich ein kurzer Schwatz mit der Markt-Nachbarin, das liegt nämlich nur im Winter bei weniger Kundschaft drin.»

Am Gemüsestand der Gärtnerei Vogel von Schafisheim hantiert Dora Fehlmann mit Kisten voller nassem Salat. Gefrieren ihr bei derart feuchten Händen nicht die Finger ein? «Wir haben bei kühleren Temperaturen immer einen Gasstrahler am Laufen, der die Nässe wegtrocknet.» Denn diese, sagt Fehlmann, sei am schlimmsten. Sie musste auch schon Schneeschaufeln und Salz streuen, um den Marktstand überhaupt aufbauen zu können. «Dann hilft gegen die Kälte zwischendurch ein Kaffee. Zum Zmittag dann gibt es eine warme, hausgemachte Suppe.»

18 Jahre in der Kälte ausgeharrt

Wohl am dicksten eingepackt hat sich Gabi Stadler aus Seon. Mit Wollmütze, Schal und fingerfreien Handschuhen bietet sie mit Heinz Niggler mediterrane Spezialitäten an. Die beiden stehen seit 18 Jahren wöchentlich am Markt am Graben und erinnern sich gar noch daran, als das Ufer des Hallwilersees einfror. «Damals wurde es auch uns hier am Markt etwas zu kalt.» Nach dem Verkaufen nimmt Gabi Stadler ein heisses Bad und verbringt den Nachmittag unter der wärmenden Bettdecke. Heinz Niggler reicht hingegen Thermowäsche und eine Suppe zum Zmittag. «Dazu gönnen wir uns zwischendurch noch einen Kaffee vom Kiosk, um die Hände zu wärmen», sagt Niggler.