Aarau
Das Pestalozzischulhaus bekommt ein ganzes Glockenspiel

Den Wettbewerb «Kunst und Bau» gewinnt Lorenz Schmid. Er entwickelte für die Handelsschüler ein ganzes Glockenspiel. Die Aufgabe des Wettbewerbs war nicht leicht zu lösen.

Heidi Hess
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Stadtrat Beat Blattner, Künstler Lorenz Schmid und Rektor Erich Leutenegger (von links) mit Schmids Siegermodell: Glocken in Schulhof-Nischen läuten den Anfang und das Ende der Schulstunden ein. HHS

Stadtrat Beat Blattner, Künstler Lorenz Schmid und Rektor Erich Leutenegger (von links) mit Schmids Siegermodell: Glocken in Schulhof-Nischen läuten den Anfang und das Ende der Schulstunden ein. HHS

Mit einem Glockenspiel statt durch einen schrillen Gong – so werden die Handelsschüler im Pestalozzischulhaus schon bald in die Pause geläutet. Den besonderen Gong hat der Künstler Lorenz Schmid kreiert. Er hat mit seinen vier Glocken, die in Nischen im Hof des Pestalozzischulhauses hängen sollen, den Wettbewerb «Kunst und Bau» gewonnen.

Die siebenköpfige Jury, der unter anderem die Stadträte Beat Blattner und Carlo Mettauer, sowie Rektor Erich Leutenegger, Brigitte Haas oder Thomas Schmutz angehörten, habe sich einstimmig für das Glocken-Projekt ausgesprochen, sagte Blattner, als er die fünf Projekte vorstellte.

Lorenz Schmid sei es auf besondere Art und Weise gelungen, mit seinem Projekt einen Bezug zum Schulhaus herzustellen. Die fünf angefragten Künstlerinnen und Künstler sollten sich nämlich «auf zeitgenössische Art und Weise mit den sozialen, kulturellen und architektonischen Inhalten des Pestalozzischulhauses auseinandersetzen und die Präsenz des historischen Baus stärken.»

Schmid verbinde den Aussenlärm mit der Ruhe im Inneren des Schulhauses, erklärte Blattner. «Uns hat die Verbindung dieser Gegensätze überzeugt.»

Es freute ihn darüber hinaus, dass die Glocken von der Glockengiesserei Rüetschi, einem Aarauer Traditionsunternehmen, gegossen werden sollen. Blattner erklärte, das habe nicht zuletzt mit der Herkunft des Künstlers zu tun.

Schmid wuchs in Aarau auf, ging im Gönhardschulhaus und in der Alten Kanti zur Schule und liess sich in Luzern zum «Master of Art in public spheres» ausbilden.

Schmids Pausenglocken erklingen in vier individuellen Klängen, jeweils am Anfang und am Ende der Schulstunden. Selbst wenn kein Klang wiederholt wird, entstehen so bereits 24 verschiedene Melodien – eine Vielzahl davon erklingt, wenn Wiederholungen einbezogen werden.

In diese Melodien soll auch die Geräuschkulisse der unmittelbaren Umgebung des Schulhauses – etwa vorbeifahrende Züge oder Vogelgezwitscher – gemischt werden. «Bewusst soll der Schulalltag durch die feine Irritation der immer wieder anders erklingenden Melodien gebrochen werden», beschreibt Künstler Schmid seinen Pausengong und fragt: «Wenn jeder Pausenschlag anders ertönt, wessen Aufmerksamkeit würde da nicht immer wieder aufs Neue geweckt?»

Vorbehalte zur besonderen Melodie hatte einzig Erich Leutenegger, im Pestalozzischulhaus Rektor der Handelsschule KVA. «Wir wollen nicht zu viel Lärm im Schulhaus.» Es sei viel Geld in die Lärmdämmung investiert worden, um den Zug- und den Verkehrslärm weitgehend aus den Schulzimmern zu verbannen.

«Auch wenn Kunst subversiv sein soll», sagt der Rektor, «können wir den Zuglärm jetzt nicht einfach wieder reinlassen.» Mit der Nachbearbeitung des Projektes sollen solche Nebengeräusche auf ein Minimum reduziert werden.

Alle Wettbewerbsbeiträge sind bis zum
1. Juni in den Korridoren des Pestalozzischulhauses in Aarau ausgestellt.