Das Parkhaus ist nicht optimal, aber nötig

Urs Helbling
Merken
Drucken
Teilen
Seit 15 Jahren Gerichtspräsident: Peter Wullschleger (55).
2 Bilder
Seit 15 Jahren Gerichtspräsident: Peter Wullschleger (55).

Seit 15 Jahren Gerichtspräsident: Peter Wullschleger (55).

Bild: zvg

Das Kantonsspital Aarau (KSA) erhält für 563 Millionen Franken den Neubau «Dreiklang». Das Megaprojekt dürfte im Rahmen der bevorstehenden Auflage des Baugesuches nicht auf grössere Opposition stossen. Ganz anders sieht es beim 12-Millionen-Projekt für ein neues Personalparkhaus aus: Während der Auflagefrist gingen 50 Einsprachen ein. Darunter auch eine des für seine Hartnäckigkeit bekannten VCS. Seit dem Ende der Auflage am 8. Juni hat die Diskussion massiv an Intensität gewonnen. Die Fronten sind verhärtet, eine Aufweichung scheint unrealistisch. Dies umso mehr, als sich beide Seiten immer weiter eingraben.

Aus Sicht des KSA und der bereits etwa 3000 Personen, die die Petitionen des Personals unterschrieben haben, gibt es schlicht keine Alternative zu den zusätzlichen 465 Parkplätzen: «Die Argumente der Gegner überzeugen nicht. Alternative Lösungsvorschläge fehlen oder sind innert nützlicher Frist nicht realisierbar», heisst es in einer Reaktion auf das Interview mit dem VCS-Geschäftsführer, das die AZ vor einer Woche publizierte. Der VCS-Exponent hatte behauptet: «Es gibt genug Parkplätze beim KSA.» Das sei «schlichtweg falsch», entgegnet das KSA.

In normalen Zeiten würde sich das Spital-Parkhaus für den VCS bestens eignen, um ein verkehrspolitisches Exempel zu statuieren. Aber jetzt sind die Zeiten nicht normal: Es besteht ein Grundkonsens, dass die Corona-Helden mehr als nur schöne Worte verdient haben. «Auch verfügbare Parkplätze können gute Arbeitsbedingungen sein», stand über einem Leserbrief, den SP-Grossrätin und Gewerkschaftsfunktionärin Silvia Dell’Aquila mitunterschrieben hat. Sie hat nicht den Ruf, besonders autofreundlich zu sein. Und als Quartierbewohnerin würde sie unter dem Mehrverkehr, so es ihn denn gäbe, leiden. Da sind die Meinungen allerdings extrem kontrovers. Während die Anwohner unter der Einsprechern eine Mehrbelastung befürchten und der VCS-Exponent gar von «täglich über 2500 zusätzlichen Fahrten» spricht, verweist das KSA auf eine Studie, laut der maximal «eine geringfügige Zunahme des Gesamtverkehrsaufkommens entsteht». Und die Gruppe um Silvia Dell’Aquila schreibt: «Erschreckend ist die Flut an Einsprachen aus unserem Quartier.» Einem Quartier, das zu den privilegierten gehört. Unter anderem, weil es seit Anfang 2019 mit einem Teilfahrverbot («Ausgenommen Zubringerdienst Gönhard-Goldern-Quartier») belegt ist.

Klar ist, dass sich das bestehende Besucher- und das geplante Personal-Parkhaus nicht an einem idealen Standort befinden. Doch was war zuerst: Das Spital (eröffnet 1887 auf der grünen Wiese) oder das Wohnquartier? Klar ist weiter: Das Spital ist in den letzten Jahren stark gewachsen – auf mittlerweile über 4000 Angestellte. Seit 1999 blieb aber die Anzahl der Parkplätze unverändert. Das war nur möglich, weil massive Anstrengungen zur Reduktion des «Motorisierten Individualverkehrs» unternommen worden sind. Sein Anteil sank von 62 auf 43 Prozent. «Für einen 24-Stunden-Schichtbetrieb ein absoluter Spitzenwert», rühmt sich das KSA.

Was wären denn die Alternativen? Eine Verbesserung der Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr in Randzeiten und aus Randregionen sowie eine Öffnung des Besucher-Parkhauses für den Schichtdienst, meint der VCS. Beides sei unrealistisch, findet das KSA. «Eine mittelfristige Änderung der ÖV-Situation ist nicht zu erwarten.» Und: «Eine Vermischung von Besucher- und Mitarbeiter-Parkplätzen beim Schichtwechsel (zwischen 14 und 16 Uhr) ist abenteuerlich und beweist, dass sich der VCS mit den Besonderheiten eines Schichtbetriebs nicht wirklich auseinandergesetzt hat.»

Liesse sich das Parkhaus allenfalls an einem anderen Ort realisieren, wie sich das viele Gönhard-Bewohner wünschen? Als Alternativ-Standort kommt praktisch nur die «Schäferwiese» an der Buchserstrasse (dort, wo die Asyl-Baracken standen) in Frage. Eine Knacknuss wäre die Anbindung ans Kantonsstrassennetz (über den künftigen «Bavaria»-Kreisel?). Und die Kosten wären enorm viel höher – das Parkhaus müsste unter den Boden.

Das Parkhaus-Projekt des KSA hat in den vergangenen Wochen einen Stellenwert bekommen, den es eigentlich nicht verdient. Es ist letztlich nicht mehr als das Parkhaus eines Unternehmens. Und es ist schlecht geeignet, um damit Politik zu betreiben. Dass dies trotzdem geschieht, ist wahrscheinlich – und ein jahrelanger juristischer Krieg fast sicher.