Eng wird es im «Gasthof zum goldenen Ochsen» gewesen sein, als hier 1798 die französischen Gesandten residierten und über den Plänen für die Helvetische Republik brüteten. Eng wurde es sicher auch zwischen den Regalen im Warenhaus von Oscar Weber, beispielsweise vor Weihnachten, wenn die Aarauer Geschenke kauften. Und eng ist es auch jetzt, an einem gewöhnlichen Abend unter der Woche: In der Bar/Lounge «OscarOne» sind praktisch alle Sitzplätze besetzt.

Den «Ochsen», das Warenhaus «Oscar Weber» und «OscarOne» eint aber vor allem eines: die Adresse, Schlossplatz 1. Der «Ochsen» wurde 1928 abgerissen, ab den Fünfzigerjahren entstand hier das Warenhaus, das später an den oberen Graben zog.

Ein Hoch auf die Vergangenheit

«Und was war zuletzt hier?» Die Frauen am Nachbartisch werweissen. Ob dieser Hausteil noch zum Kino gehört hat? Oder war hier das Brillenhaus, das jetzt in der Hausecke daheim ist, oder doch was anderes? «Da war doch aarau info», sagt die eine plötzlich und ihr Gegenüber tippt sich an die Stirn. «Wie schnell man doch vergisst.»

Ja, man vergisst schnell. Aber nicht im «OscarOne». Hier feiert man die Vergangenheit. In der Getränkekarte wird den Gästen mit dem Abriss über die Historie dieses Ortes eine Geschichtslektion erteilt. An vergangene Zeiten erinnert auch das Interieur: der wuchtige Kronleuchter über der Wendeltreppe, die Wandgestaltung mit dem offenen Mauerwerk und einer speziellen Tapete, die einen Hauch von Industriehalle vermittelt, die dunklen, kernigen Farben. Wer mag, kann auch den Cocktail «Napoleon» bestellen und dem Aufruf der Barbetreiber Folge leisten: «Stossen Sie an historischer Stelle auf die moderne Schweiz an.»

Offen hat das «OscarOne» schon seit Anfang April, offiziell eröffnet ist es aber erst seit letztem Wochenende. Es laufe gut, sagt Geschäftsführerin Sabina Hoffmann. «Die Leute sind neugierig und wollen wissen, wie es bei uns aussieht.» Noch müssten sich die Leute aber daran gewöhnen, dass das «OscarOne» auch am Sonntag offen hat. Und Hoffmann wartet ungeduldig auf den Moment, ab dem auch der Aussenbereich genutzt werden kann. Das Gesuch dafür liegt ab morgen bei der Stadt auf.

Manchmal, da werde die Vergangenheit hier sehr lebendig, sagt Hoffmann. «Immer wieder berichten Gäste, dass sie als Kinder früher nach der Schule im ersten Stock des Warenhauses mit der ausgestellten Eisenbahn gespielt haben.» Auch der Name des Lokals gibt zu reden: Spricht man das «One» denn nun englisch aus, oder vielleicht doch als deutsches «ohne»? Hoffmann lacht, das spiele keine Rolle, im Gegenteil. Sie habe gehört, dass sich die Leute das damals auch bei der Toblerone gefragt hätten. «Toblerone oder Oscarone – Hauptsache, die Leute mögen es.»