Aarau

Das neue Stück Stadt im Torfeld Süd: Wie wird das Aeschbachquartier?

Torfeld Süd: Zuvorderst das Hochhaus der Gastro Social (bereits in Bau), gelb markiert das Baufeld 2 (liegt jetzt auf), dahinter das neue Stadion-Gebiet. Grün das Gartenquartier, dazwischen der Oehlerpark (diese Projekte folgen noch). ho/ssa

Torfeld Süd: Zuvorderst das Hochhaus der Gastro Social (bereits in Bau), gelb markiert das Baufeld 2 (liegt jetzt auf), dahinter das neue Stadion-Gebiet. Grün das Gartenquartier, dazwischen der Oehlerpark (diese Projekte folgen noch). ho/ssa

Das Gesuch für ein weiteres Gebiet im Torfeld Süd liegt auf. Es soll ein Vorzeigequartier mit viel Grün und wenigen Autos werden – doch ist es wirklich so? Wir haben die Unterlagen gesichtet.

Vier Areale gibt es im Torfeld Süd. Die Problemzone ist das Baufeld 3, wo das neue Stadion entstehen soll. Die Baubewilligung ist erteilt, wurde aber angefochten. Auf dem Baufeld 1 wächst bereits das Hochhaus der Gastro Social in die Höhe. Jetzt tut sich auch im Baufeld 2 etwas:

Das Baugesuch der Mobimo für dieses Areal mit gemischtem Wohnen liegt auf. Aeschbachquartier, kurz AQA, heisst es, einen Werbefilm für das neue Quartier gibt es schon seit einem Jahr auf Youtube. Die Erwartungen sind hoch: Als Zukunftsprojekt wurde es vor zwei Jahren angepriesen, als «urban village», grösser als die Altstadt. Und es hiess, dass die Projektgewinner, das holländische Büro Kees Christiaanse Architects & Planners (KCAP), alle Ziele optimal umgesetzt hätten.

(Quelle: Youtube / JossCommunications)

Werbefilm AQA Aeschbach Quartier Aarau

Ökonomisch top, ökologisch mittel

Wie das Areal um die alte Aeschbachhalle im Detail aussieht, ist in einem dicken Papierstapel festgehalten. Die Kiste mit dem Baugesuch kann bis zum 25. August im Stadtbüro studiert werden.

Interessant sind die Gutachten zum neuen Quartier. Bezüglich nachhaltigen Bauens erreicht das Projekt in einer Vorstudie 75 von 100 Punkten. Am besten ist dabei das Wirtschaftliche (80 Prozent erfüllt), dazu gehört die Auswirkung auf den Steuerfuss der Stadt. Am schlechtesten ist der ökologische Aspekt mit 69 Prozent erfüllt. Da ist beispielsweise die Infrastruktur nicht besonders ressourcenschonend.

Einer der tiefsten Werte ist jedoch jener zum Lärmschutz im Bereich funktionale Qualität: Nur 20 Prozent sind laut der Vorstudie erfüllt. Das separat erstellte Lärmgutachten zeigt, dass die betroffenen Wohnungen an der Buchserstrasse liegen. Auf die Strassenseite werden die Lärmgrenzwerte oft um 1 bis 4 Dezibel überschritten. Wo die Grenzwerte nicht eingehalten werden, müssen besonders schalldichte Fenster angebracht werden.

Spezialregelung für Parkplätze

Immerhin bezüglich Mobilität soll dieser Teil der Überbauung im Torfeld Süd vorbildlich werden: Es soll nicht «autofrei», aber «autoarm» gewohnt werden. Dies ist auch im Sinne der Bauherrin Mobimo, da die Parkplätze unterirdisch liegen müssen, um die Gestaltung nicht zu stören und nicht unnötig Platz zur rauben.

Die unterirdische Lage ist aber heikel, weil ein grosses Parkhaus in den Grundwasserbereich zu liegen käme. Es wird davon ausgegangen, dass die Hälfte der AQA-Bewohner kein Auto hat.

Die Voraussetzungen dazu sind unter anderem wegen der Nähe zu Läden, Mobility-Standorten, dem Bahnhof, Bus und WSB gut. Das Mobility-Abo soll gratis sein. Ausserdem sollen Mobilitätsgutscheine verteilt werden, an jene, die kein Auto haben. Pro Zimmer ist ein halber, überdachter Veloabstellplatz geplant, auch Aufladestationen für Elektrovelos schlägt das Mobilitätskonzept vor.

So sollen die benötigten Parkplätze fast halbiert werden: Eigentlich müssten für die 177 Wohnungen 177 Parkplätze und 18 Besucherparkplätze zur Verfügung gestellt werden. Laut Mobilitätskonzept sollen aber nur 100 Parkplätze und 6 Besucherparkplätze gebaut werden. Diese Reduktion müsste der Stadtrat genehmigen, bei speziell gut erschlossenen Gebieten, kann er laut den Parkplatzrichtlinien Ausnahmen machen.

Für das Areal mit dem Gartenquartier (grün markiert im Foto) beantragt die Mobimo voraussichtlich keine solche Parkplatzreduktion. Für dieses Baufeld 4 liegt das Gesuch noch nicht vor.

Aeschbachhalle ohne Minergie

Das Zentrum des Areals soll die Aeschbachhalle sein mit Restaurants und Läden. Die Kantonale Denkmalpflege empfiehlt in ihrem Bericht «dringend», für die Halle eine Ausnahme bezüglich Minergie-Auflage zu machen. Sonst würde beinahe die ganze historische Substanz verloren gehen. Auf dem Gelände gäbe es genug Neubauten, welche dieses Defizit kompensieren könnten. Die Denkmalpflege empfahl auch, die Halle nach der ehemals ansässigen Firma Aeschbach zu benennen, um die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten.

Ausgeschrieben sind bis jetzt auf dem Baufeld 2 (gelb markiert) 89 Wohnungen in drei Gebäudekomplexen. Die Baukosten betragen rund 50 Millionen. Für zwei Gebäude liegt noch kein Beschrieb vor –  jene mit gelben Dächern. Ebenfalls bald folgen soll das Gesuch für den Oehlerpark. Die Gesamtfläche der Mobimo inklusive Gartenquartier beträgt fünf Hektaren.

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