Aarau

«Das neue Stadtmuseum steht mitten im Leben»

Sie befördert niemanden mehr ins Jenseits: Die Guillotine haben Hal Kirkland und Mandy Smith für die Demokratie-Ausstellung mit Papierblumen geschmückt.

Sie befördert niemanden mehr ins Jenseits: Die Guillotine haben Hal Kirkland und Mandy Smith für die Demokratie-Ausstellung mit Papierblumen geschmückt.

Nach drei Jahren Bauzeit wird am Freitag das neue Stadtmuseum eröffnet. Es versteht sich als Plattform, wo Dialoge über aktuelle Themen geführt werden.

«Endlich ist es so weit!» Das Aufatmen war förmlich hörbar, als Stadtpräsidentin Jolanda Urech am Donnerstagmorgen TV- und Presseleute im grosszügigen Museumssaal begrüsste. Gekommen waren die Journalisten aus der halben Schweiz, mithin sogar aus Zürich.

Am Freitagabend, um 17.30 Uhr ist der offizielle Festakt zur Eröffnung, zu dem auch die Bevölkerung eingeladen ist. Um 18 Uhr inszenieren die Luftartisten von «öff öff aerial dance» zusammen mit dem Musiker Mich Gerber poetisch die architektonischen Gegensätze des Museums.

«Das neue Museum steht nicht nur mitten in der Stadt, sondern auch mitten in der Bevölkerung», sagte Jolanda Urech. «Es versteht sich als eine Institution, die zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vermittelt, aber auch zwischen Bevölkerungsgruppen und Generationen agiert.»

Im neuen Stadtmuseum würden aus der Vergangenheit Erkenntnisse gewonnen, um sie für die Gegenwart und die Zukunft nutzbar zu machen.

Keine verstaubte Angelegenheit

Der Rundgang beweist: Museum ist keine verstaubte Angelegenheit mehr. Es regt zum Nachdenken an, verlangt Interaktion, fordert heraus, ist aber auch lustvoll und vergnüglich.

«Teilhabe und Mitwirkung sind die Leitplanken unserer Arbeit», bestätigte Museumsleiterin Kaba Rössler. Das Museum verstehe sich als Plattform, wo ein Dialog über aktuelle Themen geführt und eine gemeinsame Zukunft verhandelt würden. Das Museum suche die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern, in der aktuellen Ausstellung mit dem Zentrum für Demokratie.

Die national ausgerichtete Ausstellung «Demokratie! Von der Guillotine zum Like Button» eröffnet nämlich den stimmungsvollen Ausstellungssaal. Wer sich über die bilateralen Verträge ins Bild setzen will, entdeckt – hinter Glas mutwilligem Zugriff entzogen – das originale Dokument, welches das offizielle Bern für die Ausstellung herausrückte – «nach hartnäckigen Verhandlungen», wie Kurator Marc Griesshammer auf dem Rundgang erklärte.

800 Jahre Geschichte

Die ereignisreiche Baugeschichte des Stadtmuseums reicht bis ins frühe 13. Jahrhundert zurück. Der mächtige, aus grossen Steinblöcken gemauerte Turm erhielt zu verschiedenen Zeiten An- und Aufbauten. 1971 wurden vorgelagerte alte Wohn- und Gewerbebauten abgebrochen, um eine Terrasse zu schaffen, an deren Seite frei stehend weiterhin das «Schlössli» trotzte.

Das Stadtmuseum bestand zum grossen Teil aus eingerichteten, historischen und historisierenden Räumen. Für Ausstellungen gab es kaum Platz. Als Kaba Rössler vor neun Jahren die Leitung des Museums übernahm, war deshalb dies ihr Auftrag: Das Stadtmuseum entstauben, die Erweiterung begleiten und ein modernes Museum einrichten.

2006 wurden hochkarätige Architekturbüros zu einem Wettbewerb eingeladen. Die Jury wählte den Entwurf der Arbeitsgemeinschaft der Architekten Diener & Diener, Basel, und Martin Steinmann, Aarau. Doch bis zum Baustart war ein langwieriger Planungs- und Baubewilligungsprozess nötig. Diverse Einsprachen mussten abgewickelt werden. 2012, nachdem das Stimmvolk den Baukredit über rund 14 Millionen bewilligt hatte, war es so weit, die Arbeiten konnten beginnen und sind nun nach drei Jahren abgeschlossen worden.

Abgerechnet ist aber noch nicht. Ganz werde der Kredit wohl nicht reichen, meinte Stadtrat Hanspeter Hilfiker. Er rechnet mit einer geringen Kostenüberschreitung, die vor allem durch Sanierungsarbeiten im alten «Schlössli» verursacht worden seien.

Doch auch Hilfiker, der für die Kultur zuständige Stadtrat, ist von der Qualität und vom Nutzen des neuen Stadtmuseums überzeugt: «Es erfüllt auf ideale Weise die Forderungen des Kulturkonzepts und profiliert die Stadt als Kultur und Museumshauptstadt des Kantons.» Das Museum sei ein ganz und gar wichtiger Ort der Kulturvermittlung für Bevölkerung und Schulen.

«Das Stadtmuseum ist ein architektonisch, städtebaulich und raumplanerisch wichtiges Werk», betonte auch Stadtbaumeister Fuchs. «Es ist für die Stadt und seine Leute identitätsstiftend, nicht nur durch den Bau, sondern vor allem durch den Inhalt, die Ausstellungen und Veranstaltungen, mit denen das Museumsteam uns überraschen wird.»

Bekanntlich seien ja die Aarauer, verglichen mit anderen Städten, nicht üppig mit Selbstbewusstsein ausgestattet, meint Fuchs weiter. Und so hoffe er, dass das Museum zur Stärkung ebendieses Selbstwertgefühls beitrage. 

Museumseröffnung Freitag, 24. April, ab 17.30 Uhr, Festakt mit den Luftartisten von «öff öff aerial dance»; Eröffnung der Ausstellungen am Samstag, 25. April, 11 bis 22 Uhr, Sonntag, 26. April, 10 bis 17 Uhr.

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