Oberentfelden
Das neue Kundengefühl: «Heute gehe ich ein wenig zur Bank»

Die Raiffeisenbank Aarau-Lenzburg hat die Geschäftsstelle Oberentfelden zur Begegnungsbank umgestaltet. Was die Bank damit bezweckt.

Ueli Wild
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Treibende Kraft: Daniel M. Lüscher beim gestrigen Bank-Zmorge.

Treibende Kraft: Daniel M. Lüscher beim gestrigen Bank-Zmorge.

Ueli Wild

Mitte Dezember hat die Raiffeisenbank Aarau-Lenzburg die Geschäftsstelle in Oberentfelden wiedereröffnet. Die Räume an der Muhenstrasse 1 wurden wie zuvor schon jene in Lenzburg und Gränichen im Sinne des Begegnungsbank-Konzeptes umgebaut. Heute Samstag, 9 bis 15 Uhr, lädt die Bank, wie schon gestern Freitag, zum Tag der offenen Tür.

Am Freitagmorgen stellte Daniel M. Lüscher, Vorsitzender der Bankleitung, das jüngste Kind der Raiffeisenbank Aarau-Lenzburg im Rahmen eines Zmorge für geladene Gäste den Medien vor. Die modernisierten Räumlichkeiten umfassen im Publikumsbereich eine geräumige Lounge mit Kaffee-Bar und drei Besprechungsräumen, die sich im Stil voneinander unterscheiden. «Family», «Classic» und «Business» lauten die Bezeichnungen für sie. «Die Kunden», sagt Lüscher, «wählen aus, wo die Besprechung stattfinden soll. Infrage kommt dafür auch die offene Lounge. Die bisherigen Erfahrungen, konstatiert Lüscher, hätten gezeigt, dass rund 80 Prozent der Gespräche hier über die Bühne gingen.

Keine Konkurrenz für Cafés

Mit dem neuen Konzept will Raiffeisen den Kundenkontakt zu einer Kundenbegegnung aufwerten, eine Atmosphäre entwickeln, die «eine offenere Haltung» seitens der Kundschaft ermöglicht. Im Stil von: «Heute gehe ich ein wenig zur Bank.» Dabei spielt auch die Bar eine Rolle. Mit dem Gastronomiekonzept, unterstreicht Lüscher, wolle man aber niemanden konkurrenzieren. Deshalb sei man leicht teurer als andere Lokale. Dafür müsse das Ganze «ein wenig Stil» haben.

Was in Lenzburg, Gränichen und nun auch in Oberentfelden verwirklicht wurde, steht den andern Geschäftsstellen noch bevor. Jene in Kölliken wird derzeit umgebaut und ist voraussichtlich bis zum Sommer geschlossen. Die Umgestaltung der Geschäftsstelle an der Kasinostrasse in Aarau, die in der heutigen Form 2001 eröffnet und bisher einmal einer kosmetischen Anpassung unterzogen wurde, soll noch 2018 oder 2019 an die Hand genommen werden. Abhängig ist der Zeitpunkt vom Bewilligungsverfahren. Ziel ist es laut Lüscher, dass das Begegnungsbank-Konzept 2020 überall realisiert ist. Lüschers Ideen reichen darüber hinaus. «Was können wir auch noch machen?», lautet für ihn die Frage.

Oder konkret: Wie weit kann man das Shop-in-Shop-Konzept weitertreiben – gerade am Standort Aarau? Wie lässt sich die Wertschöpfungskette verlängern? – Ideen, die Lüscher, wie er sagt, auch im Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz einfliessen lässt. Warum, zum Beispiel, soll eine Bank nicht Neuzuzügern aus dem Ausland eine Umzugs- oder eine Einschulungshilfe anbieten. «Wenn wir so denken, haben wir ein Riesenplateau vor uns.»

Unterstützung am Automaten

Warum kommt heute jemand noch zur Bank? Vieles, sagt Lüscher, könne man ja inzwischen online in Erfahrung bringen. Zum Beispiel am Sonntag. Der Rest kläre sich dann am Montag in einem letzten Schritt auf der Bank. Auch Bargeld ist ein Grund, zur Bank zu gehen. Mit dem Konzept der Begegnungsbank ist allerdings auch der automatisierte Bargeldbezug verbunden: Bargeld am Schalter ist passé. Doch wenn ein Kunde den Automaten nicht selber bedienen will, machen das, wie Lüscher betont, die Mitarbeitenden für ihn. Rund zehn Personen arbeiten insgesamt in der Geschäftsstelle Oberentfelden. Vier bis fünf sollen sich jeweils im Begegnungsbereich aufhalten, die übrigen werden in den Büros administrative Arbeiten verrichten.