Aarau

Das neue Kasernenareal wird konkret – jetzt ist der Entwicklungs-Masterplan da

Mitten in Aarau entsteht ein neuer Stadtteil. Langsam, aber sicher nimmt er Kontur an. Im Entwicklungs-Masterplan ist das Kasernenareal in drei Bänder und 13 Sektoren eingeteilt.

«Piazza, Piazza, Piazza», konstatierte Jan Hlavica. Der Aarauer Stadtbaumeister fasste damit die Diskussion an der Forumsveranstaltung zum «Masterplan Kasernenareal» zusammen. Dass der neu zu designende Stadtteil im Herzen Aaraus einen zentralen Platz für ein bisschen mediterranes Lebensgefühl bekommen soll, ist unumstritten. Wie gross er sein soll und wie (sehr) man ihn bespielt, darüber gingen die Meinungen am Montagabend auseinander.

Das Kasernenareal – mit 4,7 Hektaren etwa so gross wie die Altstadt – ist im Moment noch durch die Armee besetzt. Wenn jedoch der Mietvertrag des Kantons als Grundeigentümer mit der Armasuisse als Nutzer ausläuft – Ende 2030, hiess es am Montag –, soll hier das zivile Leben Einzug halten. Obwohl man nicht ausschliessen kann, dass einzelne Bauten weiterhin militärisch genutzt werden. Den Anfang der Transformation macht die Alte Reithalle, wo nächste Woche die Bauarbeiten beginnen. Für die restliche Entwicklung haben Kanton und Stadt gemeinsam einen Prozess initiiert. Der Masterplan, der am Montag vorgestellt und eingehend diskutiert wurde, gilt als Vorlage für eine spätere Teilrevision der Nutzungsplanung. Oder wie es der kantonale Leiter Immobilien, Urs Heimgartner, ausdrückte: «Er legt die Spielregeln fest; zeigt, wohin die Reise gehen soll.»

Die Anliegen, die die etwa 100 Forumsteilnehmer in der Diskussion äusserten, fliessen mit ein. Als überraschender Gast hatte sich Regierungsrat Jean-Pierre Gallati im KuK eingefunden; anwesend waren ausserdem Vertreter von Militär, Zivilschutz, Lokalpolitiker und interessierte Aarauer Einwohner. «Wir erhoffen uns kritische Rückmeldungen», so Heimgartner. Grundsätzlich wurde der Masterplan wohlwollend aufgenommen. Ein paar Brennpunkte traten aber rasch zutage: Neben der (mehr oder weniger belebten) Piazza bezogen sich die meisten Voten auf den Wohnanteil – auch gemeinnützig –, die künftige Eigentümerstruktur, die Durchlässigkeit und Erschliessung sowie die Grünflächen.

Gibt Kanton das Land im Baurecht ab?

Mehrfach wurde gefordert, dass sich die öffentliche Hand an der baulichen Entwicklung finanziell stark beteiligt. Ob der Kanton als Grundeigentümer selber investiert oder sein Land im Baurecht abgibt, sei noch nicht entschieden, sagte Urs Heimgartner. Ein kompletter Verkauf der Baufelder steht nicht im Vordergrund.

Der Stadt gehören bisher nur Bezirksgericht und Amtshaus. Man werde sie für die öffentliche Verwaltung verwenden, so Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker.

Als Ausnützungsziffer für das neue Kasernenareal wird 1,7 bis 1,9 angepeilt, was einer Verdoppelung der heutigen Nutzung entspricht. Es ist ein Wohnanteil von 25 bis 40 Prozent denkbar, wobei der Schwerpunkt wohl in der Mitte des Areals liegen wird.

Im Masterplan ist das Kasernenareal in drei Bänder und 13 Sektoren eingeteilt. Im südlichen Band (rot-orange auf dem Bild oben) sollen neben der Kultur in der Alten Reithalle auch Bildung, Dienstleitung, Hotel- und Gastronutzung Platz haben. Im mittleren Band (braun) besteht das grösste Nutzungs- und Entwicklungspotenzial. Hier, wo der höchste Wohnanteil möglich ist, ist eine Mischnutzung in hoher Dichte vorgesehen. Im Norden, wo die geschützten historischen Gebäude stehen, sucht man die optimale Nutzung der bestehenden Bauten. Etwa für Bildung, Hotellerie, Gewerbe oder Kultur. Die von Gebäuden eingefasste Piazza nördlich der Reithalle soll rund 4500 Quadratmeter gross werden und flexibel nutzbar sein.

Welche Gebäude weichen müssen, ist noch nicht ganz klar. Die an der Laurenzenvorstadt bleiben aus Denkmalschutzgründen stehen, hier sind «sorgfältige Anbauten oder Neubauten unter Berücksichtigung des Umgebungsschutzes» möglich. Die Gebäude in den Baufeldern H und I (Darstellung oben) müssen höchstwahrscheinlich weg. Auch die Stallungsgebäude bei der Alten Reithalle sollen mittelfristig einem Neubau Platz machen. Die neuen Gebäude werden generell etwa fünf bis sechs Geschosse hoch, punktuell sind auch höhere Häuser mit sieben bis neun Geschossen möglich.

Gemeinnützige und nichtkommerzielle Nutzungen sind eingeplant. Was das Gewerbe betrifft, so sollen Igelweid und Altstadt nicht konkurrenziert werden, weshalb bewusst nur kleine Ladenflächen vorgesehen sind. Zwischennutzungen der Gebäude und der Freiräume sind explizit erwünscht. Dem Vorschlag aus dem Plenum am Montag, man solle doch einfach mal fünf bis zehn Jahre lang auf dem ganzen Areal ausprobieren, was geht, gaben die Planer eine Absage: Das Areal generiere einen erheblichen Ertrag. Es brachzulegen, sei unrealistisch.

Die Erschliessung erfolgt über die Kasernenstrasse (nur Langsamverkehr). «Das neue Quartier wird nicht autofrei, aber autoarm», so Hanspeter Hilfiker. Möglich wäre, das Kasernenparking zu erweitern. Vier potenzielle Einfahrten an der Laurenzi und der Poststrasse wurden definiert.

Der Masterplan wird nun überarbeitet. Er soll Mitte 2020 dem Stadt- und Regierungsrat für einen Zwischenentscheid vorgelegt werden.

Hinweis: Die Unterlagen zur Masterplanung Kasernenareal findet man unter www.aarau.ch (Projekte).

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