Die medizinische Grundversorgung von Buchs ist dank einer privaten Initiative – ohne Einsatz öffentlicher Gelder – langfristig gesichert. Und die Gemeinde ist zu einem markanten Gebäude im Dorfzentrum gekommen.

Hinter dem neuen Gesundheitszentrum stehen zwei interessante Player: Einerseits das Ärzteehepaar Weber, das seit 33 Jahren in Buchs eine Praxis führt (mit Hausbesuchen). Und das zwei Söhne hat, die beide ebenfalls Mediziner und dieses Jahr in den Betrieb ihrer Eltern eingestiegen sind – zusammen mit einem weiteren jungen Arzt. Andererseits der Topharm-Apotheker Fabian Vaucher, der seit 2015 neben seiner Tätigkeit in Buchs Präsident des Schweizerischen Apothekerverbandes pharmaSuisse ist.

An alten Standorten eingeengt

Das Gesundheitszentrum steht an der Mitteldorfstrasse 47, dort, wo es bis im Frühling 2017 zwei heruntergekommene Abbruchliegenschaften hatte. Es ist in den letzten Wochen in Betrieb genommen worden. Neben den Geschäftsräumlichkeiten hat es im Haus Eigentumswohnungen, in denen ein Teil der Ärzte und ihre Familien leben.

Die Ausgangslage war sowohl für die Hausärzte als auch den Apotheker ähnlich: «In unserer bisherigen Praxis an der Aarauerstrasse 42 war eine Expansion nicht möglich», erklärt Fritz Weber. Fabian Vaucher sagt: «Wir befanden uns an der Aarauerstrasse 26 in einem Gebäude aus dem Jahr 1943. Ein Ausbau war unmöglich. Deshalb war ein Standortwechsel seit fünf Jahren in Planung.» Im Neubau haben beide Betriebe mehr Platz – und sind erst noch an besserer Lage.

Das Ehepaar Johanna, 66, und Fritz Weber, 67, hat seine Praxis 1985 eröffnet. Im neuen Ärztezentrum arbeiten neben den fünf Ärzten sieben Medizinische Praxisassistentinnen (MPA). Barbara Gantner, die leitende MPA, ist seit 30 Jahren dabei.

Fabian Vaucher, 50, war ab 1995 Verwalter der Apotheke der Familie Wernli. 2001 konnte er sie übernehmen. Seit 2014, seit seine Beanspruchung durch die Verbandstätigkeit gestiegen ist, hat er in seinem Betrieb «TopPharm Apotheke und Drogerie» eine Verwalterin. Die Apotheke hat heute 25 Mitarbeiter (14 Stellen à 100 Prozent).

«Enormer Hausarzt-Mangel»

Der Umzug klappte perfekt. Die Apotheke dislozierte am ersten Oktober-Wochenende, die Praxis war Ende Monat wegen des Zügelns während einer Woche geschlossen. Vor der Inbetriebnahme des neuen Ärztezentrums gab es in Buchs drei Hausarztpraxen. Alle Mediziner sind im fortgeschrittenen beruflichen Alter. Der 67-jährige Fritz Weber hat sein Pensum bereits etwas reduziert. Er plant, bis ins Alter von 70 Jahren weiterzuarbeiten. Für seine Frau, die stark im Bereich Gynäkologie tätig ist, sucht man noch nach einer Nachfolgelösung.

Neu gibt es fünf statt zwei Sprechzimmer im Generationenbetrieb der Familie Weber: Hat der Initiant und Immobilien-Investor keine Angst vor mangelnder Nachfrage? Nein. «Das Bedürfnis ist da. Aber es wird sicher eine gewisse Zeit dauern, bis wir ausgebucht sind», erklärt Fritz Weber. Und er erinnert an die Phase, in der er aus Kapazitätsgründen gar keine neuen Patienten oder nur noch solche mit Wohnort Buchs aufnehmen konnte. Apotheker Fabian Vaucher sagt es noch deutlicher: «Im Bezirk Aarau gibt es einen enormen Hausarzt-Mangel. Wir haben eine Unterversorgung.»

Das Ärztezentrum ist als Aktiengesellschaft organisiert. Die Gruppenpraxis ist nicht Teil einer Kette, sonder gehört den Doktoren, von denen alle Aktionäre sind. Sie ist zudem dem im Aargau noch wenig verbreiteten mediX-Ärztenetzwerk angeschlossen. «Wir stehen für eine effiziente, sich an wissenschaftlichen Daten und Richtlinien orientierende, qualitativ hochstehende und trotzdem kostenbewusste Schulmedizin», heisst es auf der Homepage.