Aarau

Das Naturama erfindet sich neu: «Man muss den Leuten mehr bieten»

Das Naturama plant für den Sommer 2018 die Rückkehr einer «alten Bekannten» – Details sind noch geheim.

Das Naturama plant für den Sommer 2018 die Rückkehr einer «alten Bekannten» – Details sind noch geheim.

Ausgestopfte Tiere reichen nicht mehr, um Besucher anzulocken. Das Naturmuseum Naturama in Aarau musste sich etwas einfallen lassen.

Das Museum im herkömmlichen Sinn hat ausgedient, das Exotische allein lockt nicht mehr. Kein Mensch will mehr nur ausgestopfte Tiere anschauen. Der Museumsbesucher will entdecken, anfassen, die Geschichte hinter dem Präparat kennen.

Er will unterhalten werden. Das fordert die Museen. Es braucht kreative Köpfe, die sich was getrauen, und die es schaffen, Menschen aller Altersklassen ins Haus zu holen. Und gleichzeitig darf es nichts kosten, weil die Geldgeber sparen müssen.

So geht es vielen Museen in der Schweiz. Auch dem Aargauer Naturmuseum Naturama. Der Kanton, dessen Beiträge 75 Prozent der Einnahmen ausmachen, hat den Sparhebel angesetzt, die Beiträge wurden in den letzten Jahren um über zehn Prozent zusammengekürzt. Das hatte zur Folge, dass das Naturama beliebte Anlässe wie den Herbst-Markt oder die meisten Familienexkursionen aus dem Jahresprogramm streichen musste.

Aus der Not macht das Naturama eine Tugend und erfindet sich neu: mit Konzerten, mit Forscherstationen, mit Storytelling-Abenden und Bar-Betrieb, mit einem neuen Café – und einem ausgestopften Tier. Einem für das Naturama ganz speziellen ausgestopften Tier. «Man muss heute einfach mehr bieten, als die Leute von einem erwarten», sagt Pia Viviani, Kommunikationsverantwortliche des Naturama.

Das Ziel: Nicht mehr nur Familien und Rentner anlocken, sondern auch die Leute dazwischen. Dafür wird nun unter anderem die Cafeteria umgestaltet. «Uns schwebt ein gemütliches Café vor, in dem man auch etwas trinken kann, ohne das Museum zu besuchen», sagt Viviani. Auch ein kleines Mittagsangebot mit Sandwiches oder Suppen soll es künftig geben.

Steilpass lieferten Besucherfragen

Die grossen Veränderungen aber bringt das Jahresprogramm: Den Anfang macht im April die Eröffnung der Sonderausstellung «Fragile – gesammelt, gejagt, erforscht». Eine Eigenproduktion, in der anhand von 20 Exponaten die abenteuerlichen Geschichten ihrer Entdeckerinnen und Entdecker vorgestellt werden.

Die Ausstellung wird rund ein Jahr dauern und regelmässig mit Sonderevents gespickt, unter anderem mit einem Vortrag von Beda Hofmann vom Naturhistorischen Museum Bern, der im All nach lebenden Bakterien forscht.

Im Mai wird ein neues Format eingeführt; und zwar eine Forscherstation für Museumsbesucher. Damit macht das Naturama etwas aus dem Museumsalltag zum Programmpunkt: «Wir haben immer wieder Besucher, die Ungewöhnliches fotografieren oder Fundstücke zu uns bringen, von denen sie nicht wissen, was es ist», sagt Pia Viviani. Neu sollen die Besucher nicht einfach Auskunft von den Naturama-Experten erhalten, sondern diese Fundstücke an einem Sonntagnachmittag pro Monat unter Anleitung der Experten selber analysieren.

Forschen sollen im Naturama künftig auch vermehrt Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Deutschschweiz: Das Naturama wird in Zusammenarbeit mit Pro Natura und Globe-Suisse zu einem von schweizweit bis zu drei Wassernetz-Zentren.

«Bei uns im Naturama stehen die Themen Fliessgewässer, Auen, Renaturierung, Nutzung und nachhaltige Entwicklung im Zentrum», sagt Pia Viviani. Biodiversität-Hotspots, die – wie in Aarau – oft in Konkurrenz zu intensiver Freizeit-Nutzung stehen.

Ab Sommer wird das Naturama zum Eventlokal: Einmal pro Monat wird das Naturama donnerstags zur Bar. In Zusammenarbeit mit dem KIFF sollen ausserdem vier Konzertabende pro Jahr stattfinden und mit Kanal K organisiert das Museum sogenannte Storytelling-Abende, an denen zwei Mal im Jahr fünf Personen je zehn Minuten über eigene Erfahrungen zu einem bestimmten Thema erzählen.

Den Auftakt macht ein Abend zum Thema «entdecken». Erste Erzählerinnen hat Pia Viviani schon gefunden: «Wir haben unter anderem eine Zwanzigjährige, die ein halbes Jahr lang nichts anderes kauft, als Esswaren, und eine Frau, die mit knapp 50 Jahren zum allerersten Mal zur Schule gegangen ist und dabei entdeckt hat, wozu sie fähig ist.» Von diesen Entdeckungen werden die Frauen am 28. Juni erzählen.

Ein gewichtiges Highlight

Das absolute Highlight im Sommer aber ist ein anderes. Ein gewichtiges – und noch streng geheimes. Pia Viviani verrät nur so viel: «Es ist eine Altbekannte, die ins Naturama zurückkehren wird.»

Die Rückkehr soll im grossen Stil angerichtet und gefeiert werden, so Viviani weiter. Der Ankunftstermin für das Spektakel steht bereits: am späten Nachmittag des 15. Juni.

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