Filigrane Muster zieren die schuppige Haut der Boa. Die daumendicke Schlange liegt zusammengerollt in ihrem Terrarium und gäbe das perfekte Haustier ab. Bis der Blick auf das Info-Schild daneben fällt: Die ausgewachsene Boa wird bis zu 3 Meter lang. Somit kommt sie als Haustier wohl nicht infrage.

Die Suche nach dem passenden Haustier ist tückisch. Will man einen exotischen Gecko oder tut es auch der altbewährte Hamster? Mit diesen Fragen befasst sich ab heute die neue Sonderausstellung im Naturama in Aarau. Die Ausstellung mit dem Titel «Geliebt, verhätschelt, verstossen – unsere Haustiere» wirft einen Blick auf die tierischen Freunde, die in jedem zweiten Haushalt zu finden sind.

Chihuahua oder Deutsche Dogge

Die Ausstellungskuratorin Elisabeth Weingarten interessierte bei der der Planung der Ausstellung etwas besonders: «Ich wollte wissen, wer mit uns noch im Haus lebt.» Die Antwort ist beeindruckend: Auf die 7,8 Millionen Einwohner in der Schweiz kommen 7,6 Millionen Haustiere.

Was sich hinter diesen nackten Zahlen verbirgt, ist in der Sonderausstellung in neun Szenen dargestellt. Potenzielle Haustierkäufer, die noch unentschlossen sind, können sich detailliert über Lebenserwartung, Kosten und Verhalten der Haustiere informieren. Hundeliebhaber sehen im interaktiven Spiegel verschiedene Hunderassen in Originalgrösse neben sich. So kann gleich beurteilt werden, ob einem der Chihuahua auf Knöchelhöhe mehr behagt als die Deutsche Dogge auf Hüfthöhe.

Die mumifizierte Katze

Die Ausstellung geht aber nicht nur auf die Anschaffung der Haustiere ein, sondern auch auf deren Ende. Was macht man mit einem toten Haustier? Wer seinen Liebling nicht der Tierkadaver-Sammelstelle übergeben will, kann auf ein Tierkrematorium ausweichen. Nach der Kremation kann man die Asche in einer würdigen Urne nach Hause nehmen. Die Bestattung von Tieren ist kein neues Phänomen. In der Ausstellung ist eine mumifizierte Katze aus dem alten Ägypten zu sehen.

Als «Proviant» wurde ihr die Mumie einer Maus mitgegeben. Für das Thema Tod setzt das Naturama auch auf Erfahrungsaustausch. In einem Notizbuch können die Besucher aufschreiben, wie sie den Tod ihres Haustieres erlebt haben.

Beim Aufbau der Ausstellung lernte Elisabeth Weingarten alle Aspekte der Haustierhaltung kennen. Dabei beeindruckte sie die volkswirtschaftliche Bedeutung der Haustiere: «Rund um die Haustiere existiert eine Milliarden-Industrie.» Diese macht deutlich, dass die Herrchen und Frauchen eine äusserst zahlungskräftige Klientel sind.

Davon profitiert auch die Veterinärmedizin. Schliesslich schlägt ein neues Hüftgelenk für den Hund schnell mit 10000 Franken zu Buche. Trotz aller Tierliebe bleibt auch die verschmuste Katze im Innern ein Raubtier. Im Frühling jagen die Schweizer Katzen 3,5 Millionen Beutetiere pro Monat. Weil die Hauskatze eigentlich ein Fremdkörper in der Natur ist, kann sie das ökologische Gleichgewicht stören. Besonders wenn ihre Beute aus frisch geschlüpften Jungvögeln besteht.

«Das ist speziell in den Agglomerationen – mit vielen Katzen – ein Problem», sagt Weingarten. Dabei nützt auch ein voller Futternapf nichts. Denn eine gestärkte Katze ist eine bessere Jägerin. Bevor sie die Ausstellung in Angriff genommen hat, war Weingarten keine Haustier-Expertin. Nun hat sich ihre Sicht auf Haustiere verändert: «Ich finde Katzen immer noch super. Doch ich betrachte sie anders, weil ich weiss, dass ihre exzessive Vogeljagd ein Problem ist.»