Buchs
Das Miteinander zeigt für Jung und Alt auch Chancen auf

Junge und alte Menschen können einander etwas geben – wenn nur die gegenseitigen Vorurteile nicht wären. Die Veranstaltungsreihe der Pro Senectute Aargau zum Thema «Brückenschlag zwischen Alt und Jung» zeigt Chancen des Miteinanders auf.

Peter Weingartner
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Vom Miteinander-Sein können sowohl Jung als auch Alt profitieren.

Vom Miteinander-Sein können sowohl Jung als auch Alt profitieren.

Am Montagabend fand in Buchs die erste von fünf Veranstaltungen statt. Persönlichkeiten aus der Region – Hochseilartist Freddy Nock musste kurzfristig absagen – äusserten sich zum Thema: Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie Annette-Kathrin Hass aus Lenzburg, alt National- und Ständerat Willy Loretan aus Zofingen und Recyclingunternehmerin Karin Bertschi aus Reinach. Ständerätin Pascale Bruderer Wyss vervollständigte die von Isabel Iten geleitete Runde.

Pascale Bruderer: Vier Projekte

Pascale Bruderer Wyss stellte vier Generationenprojekte vor, die Junge und Alte einander näherbringen. Im Projekt Compisternli fungieren Jugendliche als Kursleiter zum Thema Internet und Handy. Umgekehrt läufts im Berner Projekt Liederpatinnen/Liederpaten (konsibern.ch), wo ältere Menschen mit jungen musizieren und Traditionen weitergeben. Ein Projekt, das auch den interkulturellen Austausch fördert, wenn Kinder aus anderen Kulturen beispielsweise ihre Tänze zeigen. Im Solothurner Projekt Zeitzeugen sind Schüler als Reporter unterwegs und suchen Zeitzeugen für bestimmte Ereignisse. Die Ergebnisse (Filme, Tondokumente) erscheinen im Internet (zeitzeugen.tv). Im Projekt Innovage wird Know-how beispielsweise an Non-Profit-Organisationen weitergegeben. Unter www.intergeneration.ch sind weitere Projekte aufgelistet, unter anderen auch die aktuelle Vortragsreihe der Pro Senectute Aargau. (wpo)

In ihrem Eingangsreferat wies Bruderer auf den negativen Touch hin, den das Alter hat: Überalterung, Gesundheitskosten, Anti-Aging-Creme. Als ob man das Alter bekämpfen müsste oder könnte. Annette-Kathrin Hass hat in ihrer Praxis Personen zwischen 17 und 104 Jahren. Sie stellt fest, dass ab 50 sinnbetonte Fragen aufs Tapet kämen. Tritt eine Krankheit auf, ist die Familie gefragt. Genau dies erlebt Willy Loretan laut eigener Aussage «der einzige und älteste Knabe» in der Runde, Jahrgang 1934.

Bis 75 hat er als selbstständiger Anwalt gearbeitet, seit eineinhalb Jahren pflegt er seine Frau. Dass auch die Enkelkinder dieses Los mittragen und mithelfen, «tut sehr gut». Das Alter gehöre zum Leben, meinte Hass. Es gelte Sorge zu tragen, um möglichst gesund altern zu können: körperlich und geistig.

Ein reiches Gut

«Gute soziale Beziehungen – jemanden zu mögen und zu wissen, dass jemand einen mag – sind besser als jede Herztablette», sagte sie und erzählte ein Beispiel für gelebte transgenerative Solidarität aus ihrem Alltag: «Eine Nachbarin bäckt sehr gutes Brot für mich und ich frage sie dafür, was ich für sie erledigen kann.»

Lebenserfahrung sei ein reiches Gut, das es mit Respekt und Wertschätzung zu nutzen (nicht zu maximieren) gelte. Karin Bertschi sieht auch die andere Seite. «Es braucht eine gegenseitige Offenheit.»

Schüler arbeiten für Senioren

Pascale Bruderer Wyss kritisierte die «unsinnige Idee, zu berechnen, welche Generation auf Kosten von welcher Generation lebt.» Da werde gegenseitig viel geleistet. Auch ihre Eltern übernähmen nun Kinderhütedienst.

Eine Klasse im letzten Jahr vor Lehrbeginn, welche zum Thema eine Projektwoche bestreitet, besuchte die Veranstaltung. Die Idee Loretans, die Pro Senectute solle versuchen, zur Entlastung Schüler oder Lehrlinge einzusetzen für Hausarbeit und Betreuung, fiel auf fruchtbaren Boden. «Wieso eigentlich nicht? Ich wäre dabei», sagte ein Schüler, und Applaus war ihm gewiss.

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