«Ist der Rest immer noch in der Kabine? Vorwärts!» So tönte es am Mittwochabend in der Mehrzweckhalle in Burg. Fünf Minuten später waren endlich alle Jugendlichen auf der Matte versammelt, und das Kickboxtraining konnte losgehen. Wer aber denkt, dass jetzt kräftig losgeboxt und -getreten wurde, liegt falsch. «Kickboxen, das hat nichts mit einer Schlägerei zu tun, man muss mit dem Kopf und dem ganzen Körper dabei sein», so Trainer Urs Berchtold. Erst standen Aufwärmübungen und danach das Training mit Boxkissen auf dem Programm – keine Kämpfe.

Zu Besuch in Oberentfelden, wo Jugendliche Kickboxen trainieren

So trainieren die Jugendlichen ihre Kicks und Schläge.

Vorurteile abgebaut

Dass Kickboxen viel mit Gewalt zu tun habe, mit diesem Vorurteil sah sich auch Sarah Busicchia von der Jugendarbeit Entfelden konfrontiert, als sie das Projekt zu realisieren half: «Viele Leute dachten erst, wir seien verrückt, wenn wir den Jugendlichen Kampfsport ermöglichen. Dabei ist das nicht kontraproduktiv, sondern im Gegenteil sehr produktiv.»

Ziel des Trainings ist es nämlich, Aggressionen und Frust durch den Sport abzubauen und nicht auf der Strasse. Seit Anfang Januar trainieren die acht jungen Männer nun schon mit Urs Berchtold und seinem Schüler Giuseppe Mazzotta.

Fördergelder sei dank

Der Anstoss dafür kam von den Jugendlichen selber. Am Anfang stand das Anliegen, in den Räumen des Jugendtreffs Entfelden einen Boxsack aufhängen zu dürfen, um damit zu trainieren.

Nach und nach entwickelte sich daraus das Kickboxprojekt, das durch Jugendfördergelder finanziert wird. Organisiert haben die Jugendlichen dies mithilfe von Sarah Busicchia und Flurim Steiner von der Jugendarbeit Entfelden. Viel haben sie aber auch selbstständig bewerkstelligt, beispielsweise einen Fahrer zu organisieren, der die Gruppe ehrenamtlich ein- bis zweimal pro Woche von Oberentfelden zum Training nach Burg fährt.

Potenzial und Wille vorhanden

Trainer Urs Berchtold, der unzählige Schweizermeister trainiert hat, stand dem Ganzen anfangs skeptisch gegenüber. Er hatte mit seiner eigenen Kickboxschule bereits viel zu tun und sah auch den Sinn des Projektes nicht ganz ein. Nach einem Probetraining änderte er seine Meinung: «Ich sah, dass die Jugendlichen Potenzial haben und auch den Willen.» So erklärte er sich doch bereit, sie zu trainieren.

Er legt besonderen Wert auf eine solide Grundausbildung. Kickboxen soll nicht als Möglichkeit zur Gewaltausübung vermittelt werden, sondern als anspruchsvolle Sportart, welche hohe Konzentration und Koordination voraussetzt.

Das spüren auch die Jugendlichen und sind mit vollem Einsatz dabei. Florian Tafolli (15) und Mervan Yagci (14) sind sich einig: «Das Training ist anstrengend, weil man sich sehr konzentrieren muss, aber es macht Spass!» So wird es Ende März, wenn das Projekt ausläuft, wahrscheinlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sie bei Urs Berchtold eine Unterrichtsstunde besuchen.