Aarau/Suhr

Das Keba-Debakel geht weiter – diesmal fehlte Bewilligung für die Lüftung

Keba-Debakel und kein Ende: Zuerst wurden die falschen Öffnungszeiten beantragt beim Bewilligungsverfahren. Seit Freitag nun liegt ein weiteres nachträgliches Baugesuch für die Keba Region Aarau auf. Diesmal geht es um die Lüftung.

Auch wenn es draussen noch nicht wirklich warm ist – auf der Kunsteisbahn Aarau (Keba) herrscht quasi Sommerpause. Dies nach einer turbulenten Saison, die mit einer umjubelten Neueröffnung startete und mit dem Debakel um die Teilschliessung wegen falsch beantragter Öffnungszeiten endete.

Keine Pause machen derweil die Rechtsverfahren im Hintergrund. Gegen die nachgereichten, an sich richtigen Öffnungszeiten stehen immer noch Einwendungen im Raum. Am nächsten Mittwoch findet die Einwenderverhandlung statt. Es wird ein wegweisender Tag für die Eisbahn und alle Vereine, die darauf hoffen, in der kommenden Saison ihre Trainings wie geplant durchführen zu können.

Mittlerweile ist die Keba AG daran, Mängel am Gebäude zu beseitigen und gleichzeitig bei den Anwohnern gut Wetter zu machen. Davon zeugt ein «nachträgliches Baugesuch für eine Lüftungsanlage», das seit gestern bei der Standortgemeinde Suhr aufliegt. Bereits in der Einwohnerratssitzung vom Februar hatte Stadtrat Hanspeter Hilfiker angedeutet, dass es da noch ein Problem gebe.

Schalldämpfer vergessen

Betroffen ist die die Lüftung (Monoblock) über dem Keba-Haupteingang. Sie bedient nicht etwa die Halle, sondern Aufenthalts- und Büroräumlichkeiten. Bereits wenige Tage nach Eröffnung der Keba im letzten November waren bei der Stadt Beschwerden eingegangen, weil die Lüftung zu laut war. Tatsächlich konnte man das Surren und Rauschen bei den angrenzenden Liegenschaften (westlich der Kunsteisbahn, nahe des Eingangs) deutlich hören.

«Ich ha schochli müesse brüele»

«Ich ha schochli müesse brüele»

Zwei Aarauer Eiskunstläuferinnen über das Keba-Debakel.

Die Baudelegation der Keba beauftragte deshalb im Dezember die verantwortlichen Architekten sowie Haustechnik-Planer, die Lärmemissionen zu prüfen. Mittlerweile hat man gemerkt: Beim Einbau des Monoblocks gingen die Schalldämpfer vergessen. Diese Montage wurde vor knapp zwei Wochen nachgeholt. «Das hat die Lärmemissionen massiv verringert», sagt Stadtrat Hanspeter Hilfiker. Weil der Monoblock zudem recht unansehnlich sei, wolle man ihn jetzt auch noch einhausen, was für zusätzliche Geräuschdämpfung sorgen werde. «Ein Aussenlärm-Emissionsnachweis soll schliesslich bestätigen, dass sämtliche Grenzwerte eingehalten werden.»

Alles gut also? Nicht ganz. Denn der Monoblock ist gar nicht bewilligt, weil er im ursprünglichen Baugesuch nicht eingezeichnet war. Hanspeter Hilfiker erklärt: «Die Baueingabe erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem die Fachplaner für Haustechnik noch gar nicht involviert waren. Klar war zwar von Anfang an, dass die Lüftungsanlage auf dieser Hallenseite installiert wird – es war aber nicht ganz klar, wo das sein würde. Man hat auch einen Standort im Keller geprüft» Hilfiker räumt ein, dass man heute anders vorgehen und die Haustechnik-Planer also zu einem viel früheren Zeitpunkt mit ins Boot holen würde.

Auflage ging vergessen

Für die schliesslich installierte Lüftungsanlage liegt zwar die Planfreigabe der Gemeinde Suhr vor (2014) sowie die notwendige Brandschutzbewilligung (2015). In der Planfreigabe war denn auch ein kleiner Monoblock eingetragen. Aber: Der gegen Ende der Bauphase tatsächlich realisierte Monoblock hat eine Grösse, die eine öffentliche Auflage erfordert hätte. «Diese Auflage wurde nicht ordnungsgemäss durchgeführt», erklärt Hanspeter Hilfiker.

Keine Auflage, keine gültige Baubewilligung. Bei einem Grossbauprojekt kann so etwas passieren, ist vor dem Hintergrund der gesamten Keba-Problematik aber unschön. Dass die Bewilligung fehlt, war im Quartier denn auch nicht unentdeckt geblieben – die vom Lärm betroffenen Anwohner fühlten sich hintergangen.

Dies geht aus zahlreichen Mails und Briefen hervor, die zwischen Behörden, Anwohnern und Anwälten hin und her gingen und die der az vorliegen. Darin ist von einer «zusätzlich auf die Pläne geschmuggelten Anlage» die Rede, von «dreistem Vorgehen», von einem «illegalen Betreiben» der Lüftungsanlage. Wichtig zu wissen: Es handelt sich hierbei nicht um dieselben Anwohner, die Einsprache gegen die Keba-Öffnungszeiten gemacht haben.

Die Stadt als Bauherrin bemüht sich jetzt, den rechtmässigen Zustand herzustellen. Deshalb das vorliegende Baugesuch, das den Monoblock inklusive der neuen Einfriedung umfasst. Dagegen können Anwohner Einsprache erheben. Was die Konsequenzen daraus für den Betrieb wären, kann Hanspeter Hilfiker derzeit nicht sagen. «Den Anwohnern ging es hauptsächlich um den Lärm» sagt der Kandidat fürs Stadtpräsidium. Er hoffe, dass dieses Problem mit den ergriffenen Massnahmen gelöst sei.

«Ich habe den Eindruck, der Stadtrat hat alle hinters Licht geführt»

«Ich habe den Eindruck, der Stadtrat hat alle hinters Licht geführt»

In der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1 diskutierten die Einwohnerräte Markus Hutmacher und Simon Burger mit stv-az-Chefredaktor Rolf Cavalli das Keba-Debakel. Die wichtigsten Momente im Zusammenschnitt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1