Aarau

Das Kasernenareal in Aarau: Strahlkraft wie ein Wakkerpreis

Der Schweizer Heimatschutz dürfte bei der Vergabe des Wakkerpreises auch eine Portion Glück an die Stadt Aarau überbracht haben. Denn: Über das Kasernenareal wird heftig diskutiert, eine Entscheidung dürfte nicht leicht fallen.

Dass Aarau diese Woche den Wakkerpreis bekam, hat viele gute Gründe. Weil sich die Stadt weiter verändert, würden diese in zehn Jahren wohl anders lauten - und wären nicht minder interessant zu hören.

Mit dem Wakkerpreis 2014 ist der Schweizer Heimatschutz darum herumgekommen, jene Aarauer Stadtviertel zu würdigen, die schon lang viel zu reden geben, deren Metamorphose aber noch lang nicht abgeschlossen ist.

Es blieb ihm nichts anderes übrig, als den Stadtbehörden für die «zentrumsnahen Transformationsgebiete» wie etwa das künftige Stadionquartier Torfeld Süd viel Glück und Mut zur Sorgfalt zu wünschen.

Ein solches Viertel ist auch das Kasernenareal. Ende Januar soll das kantonale Departement DGS gegenüber dem eidgenössischen Departement VBS Farbe bekennen, ob der Aargau den Ersatz der Infanterie-Durchdiener-RS durch das aus Windisch hierher zu verlegende Rekrutierungszentrum gutheisst oder nicht.

Breite Kreise wünschen sich, dass das Militär ganz auszieht und das mitten in Aarau gelegene Areal zivil genutzt werden kann.

Wenn man den Heimatschutz um seine Meinung fragt, bekommt man eine überraschende Antwort: «Projekte von regionaler und überregionaler Bedeutung sind in der Hoheit unserer Aargauer Sektion.» Diese hat sich auf Anfrage der az bisher nicht zum Kasernenareal vernehmen lassen.

Die Entscheidung dürfte Militärdirektorin Susanne Hochuli auch so nicht leicht fallen.

Als die Debatte über das Stationierungskonzept der Armee begann, signalisierte die Regierungsrätin gegenüber Bern unmissverständlich: Weniger Militär im Aargau kommt nicht infrage - zu wertvoll sind die 450 Arbeitsplätze und die Wertschöpfung von 48 Millionen Franken pro Jahr.

Die geplanten Verlegungen haben aber ihren Preis: 88 Millionen würden die nötigen Umbauten insgesamt verschlingen. Investitionen, für die der Kanton, der gerade ein grosses Sparpaket schnürt, aufkommen müsste.

Gegen die VBS-Pläne regt sich zudem lokaler Widerstand, der Susanne Hochuli nicht egal sein kann: Am Montag überwies der Einwohnerrat das Postulat «Aarau will das Rekrutierungszentrum nicht».

Der Stadtrat hatte bereits vorher Stellung bezogen: keine militärischen Investitionen ins Kasernenareal und schrittweise zivile Umnutzung bis 2030. Gestern schrieb die Gemeinde Windisch, man wolle das Rekrutierungszentrum unbedingt behalten.

Klar, dass selbst militärfreundliche Aarauer von einem «schlechten Deal» für die Kantonshauptstadt reden. Wo die Rekruten fehlen, fehlt auch der Umsatz in Läden und Beizen. Umsatz, den neue Läden und Beizen, Büros und Wohnungen auf dem Kasernenareal wieder nach Aarau brächten.

Profitieren würden auch Architekten und Baufirmen. Oder die ganze Umgebung, wenn ein «Kasernenpark» entstünde.

Die Armee, die immer kleiner wird, muss sich zuerst von dort zurückziehen, wo der Platzbedarf am dringendsten ist für eine Bevölkerung, die immer grösser wird. Und das kann im Sinn einer modernen Raumplanung nur dort sein, wo zwar schon gebaut, aber noch nicht genug verdichtet wurde.

Ein Kasernenareal mitten in der Stadt, das sowieso vom Ausbildungs- zum Rekrutierungsort degradiert werden soll, bietet eine einmalige städtebauliche Chance. Wird sie genutzt, hat es die Strahlkraft eines Wakkerpreises.

Der Heimatschutz würde das in zehn Jahren sicher auch so sehen. Er zeichnet mit seinem Preis ja nichts anderes als vorbildliche Ortsplanung und Siedlungsentwicklung aus.

Und weil es ihm wichtig ist, dass in umgebauten Quartieren deren Geschichte nicht vergessen geht, braucht das Areal einfach einen originellen Namen und ein kleines Baudenkmal, die beide an die ehemalige Kaserne erinnern.

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